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Die drei Männer im Feuerofen

Daniel 3,1-30

König Nebukadnezzar lässt ein Standbild aufstellen

31König Nebukadnezzar3,1 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr.ließ ein goldenes Standbild machen.Es war 30 Meter3,1 30 Meter: Wörtlich »60 Ellen«. Eine Elle entspricht etwa 45 cm und wird vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen gemessen. hoch und 3 Meter3,1 3 Meter: Wörtlich »6 Ellen«. Eine Elle entspricht etwa 45 cm und wird vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen gemessen. breit.Er ließ es in der Ebene Dura aufstellen,in der Provinz Babylonien3,1 Provinz Babylonien: Verwaltungsbezirk im Königreich Babylonien, deren Zentrum die Stadt Babylon war..2Dann ließ König Nebukadnezzar die Würdenträger holen:die Statthalter und Provinzverwalter,die hohen und einfachen Beamten,die Ratgeber, Schatzmeister und Richterund die Befehlshaber der Provinzen.Sie sollten zur Einweihung des Standbildes kommen,das der König hatte aufstellen lassen.3Da versammelten sichdie Statthalter und Provinzverwalter,die hohen und einfachen Beamten,die Ratgeber, Schatzmeister und Richterund die Befehlshaber der Provinzen.Sie alle kamen zur Einweihung des Standbildes,das König Nebukadnezzar aufstellen ließ.Sie sammelten sich um dieses Standbild,das der König hatte errichten lassen.4Dann rief ein Ausrufer mit lauter Stimme:»Euch wird etwas befohlen,euch Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen:5Ihr sollt niederfallen,sobald die Instrumente zusammen erklingen:die Hörner, Pfeifen und Zithern, die Leiern3,5 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. Mehr … und Harfen3,5 Harfe: Musikinstrument mit einer größeren Anzahl von Saiten, die gezupft wurden..Dann sollt ihr das goldene Standbild anbeten,das König Nebukadnezzar hat aufstellen lassen.6Wer nicht niederfällt, um es anzubeten,wird noch im selben Augenblickin einen brennenden Ofen geworfen.«7Die Völker fielen nieder,sobald sie den Klang der Instrumente hörten:der Hörner, Pfeifen, Zithern, Leiern und Harfen.Und die Menschen aller Völker, Nationen und Sprachenbeteten das goldene Standbild an,das König Nebukadnezzar hatte aufstellen lassen.

Schadrach, Meschach und Abed-Nego werden verurteilt

8Einige babylonische Männer gingen zum Königund erhoben schwere Vorwürfe gegen die Juden.9Sie sagten zu Nebukadnezzar3,9 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr.:»Lang lebe der König!10Du, König, hast diesen Befehl erteilt:Die Menschen sollen niederfallen,sobald die Instrumente zusammen erklingen:die Hörner, Pfeifen und Zithern, die Leiern3,10 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. Mehr … und Harfen3,10 Harfe: Musikinstrument mit einer größeren Anzahl von Saiten, die gezupft wurden..Sie sollen das goldene Standbild anbeten.11Wer nicht niederfällt, um es anzubeten,soll im selben Augenblickin den brennenden Ofen geworfen werden.12Nun sind da diese jüdischen Männer,die du beauftragt hast,die Provinz Babylonien3,12 Provinz Babylonien: Verwaltungsbezirk im Königreich Babylonien, deren Zentrum die Stadt Babylon war. zu verwalten:Schadrach, Meschach und Abed-Nego3,12 Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Diese drei Männer wurden gemeinsam mit Daniel aus Jerusalem nach Babylonien gebracht, vgl. Daniel 1,7..Diese Männer achten dich nicht, König.Sie verehren deinen Gott nichtund beten das goldene Standbild nicht an,das du hast aufstellen lassen.«

13Da wurde Nebukadnezzar3,13 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. zornig und wütend und befahl,Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu ihm zu bringen.Man brachte die Männer vor den König.14Nebukadnezzar sagte zu ihnen:»Stimmt es, Schadrach, Meschach und Abed-Nego,dass ihr meinen Gott nicht verehrt?Ist es wahr,dass ihr das goldene Standbild nicht anbetet,das ich aufstellen ließ?15Und nun:Macht euch bereit und fallt nieder,sobald die Instrumente zusammen erklingen:die Hörner, Pfeifen und Zithern, die Leiern3,15 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. Mehr … und Harfen3,15 Harfe: Musikinstrument mit einer größeren Anzahl von Saiten, die gezupft wurden..Und ihr sollt das Standbild anbeten,das ich machen ließ.Wenn ihr es aber nicht anbetet,werdet ihr noch im selben Augenblickin den brennenden Ofen geworfen.Wer ist der Gott,der euch aus meiner Gewalt retten könnte?«16Schadrach, Meschach und Abed-Negosagten zu König Nebukadnezzar:»Wir haben es nicht nötig,dir in dieser Sache zu antworten.17Unser Gott, den wir verehren,kann uns aus dem brennenden Ofen retten.Er wird uns auch aus deiner Gewalt retten, König.18Und falls nicht, sollst du wissen, König,dass wir deine Götter nicht verehren werden.Auch das goldene Standbild werden wir nicht anbeten,das du hast aufstellen lassen.«

Die drei Männer werden gerettet

19Da wurde Nebukadnezzar3,19 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. zornigauf Schadrach, Meschach und Abed-Nego.Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.Er befahl, den Ofen anzuheizen.Man sollte ihn siebenmal heißer machen,als man es für gewöhnlich tat.20Dann befahl er den kräftigsten Männern seiner Armee,Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu fesseln.Sie sollten die drei Männerin den brennenden Ofen werfen.21Die Männer wurden so, wie sie waren, gefesselt:in ihren Mänteln, Hosen, Mützen und Kleidern.Dann wurden sie in den brennenden Ofen geworfen.22Weil der Befehl des Königs sehr streng war,war der Ofen ungewöhnlich heiß.Die Flammen töteten die Männer,die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hinaufbrachten.23Die drei Männer Schadrach, Meschach und Abed-Negofielen gefesselt in den brennenden Ofen hinab.

24König Nebukadnezzar3,24 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. erschrak.Er stand hastig auf und sagte zu seinen Ministern:»Haben wir nicht drei Männer gefesseltund mitten ins Feuer geworfen?«Sie antworteten und sagten zum König: »Gewiss, König.«25Er sagte: »Ich sehe aber vier Männer,die mitten im Feuer frei herumlaufen.Sie sind nicht verwundet.Der vierte sieht aus, als wäre er ein Gottessohn3,25 Gottessohn: Nebukadnezzar II. sieht in dem vierten Mann einen Boten Gottes.26Nebukadnezzar trat an die Tür des brennenden Ofensund sagte: »Schadrach, Meschach und Abed-Nego,ihr Knechte3,26 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt. Mehr … des Höchsten Gottes3,26 Höchster Gott: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird.,geht heraus und kommt hierher!«Und Schadrach, Meschach und Abed-Negogingen aus dem Feuer heraus.27Da versammelten sichdie Statthalter und Provinzverwalter,die Beamten und die Minister des Königs.Sie sahen, dass das Feuerden Männern nichts getan hatte.Ihre Körper und ihr Kopfhaar waren nicht verbrannt,und ihre Mäntel waren unverändert.Sie rochen auch nicht nach Feuer.

28Nebukadnezzar3,28 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. sagte:»Gepriesen sei der Gottvon Schadrach, Meschach und Abed-Nego!Er hat einen Engel3,28 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Mehr … gesandtund seine Diener gerettet.Sie haben ihm vertrautund sich nicht an den Befehl des Königs gehalten.Sie haben ihre Körper aufgegeben,damit sie nicht irgendeinen Gott verehren müssen.Sie beten nur ihren Gott an.29Darum erteile ich diesen Befehlfür die Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen:Jeder, der über den Gott lästert,den Schadrach, Meschach und Abed-Nego anbeten,soll in Stücke gerissen werden.Sein Haus soll zu einem Schutthaufen werden.Denn es gibt keinen anderen Gott,der auf solche Weise retten kann.«30Der König sorgte dafür,dass es Schadrach, Meschach und Abed-Nego gut gingin der Provinz Babylonien3,30 Provinz Babylonien: Verwaltungsbezirk im Königreich Babylonien, deren Zentrum die Stadt Babylon war..

König Nebukadnezzars Wahnsinn

Daniel 3,31–4,31

Der Brief König Nebukadnezzars an alle Völker

31König Nebukadnezzar3,31 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. schrieban die Menschen aller Völker, Nationen und Sprachenauf der ganzen Erde:Euch soll reichlich Frieden zuteilwerden!32Der Höchste Gott hat an mir Zeichen und Wunder getan.Ich freue mich, euch davon zu erzählen.33Wie groß sind seine Zeichenund wie mächtig seine Wunder!Sein Königreich wird ewig bestehen,und er herrscht von Generation zu Generation.
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41Ich, Nebukadnezzar4,1 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr., lebte sorglos in meinem Haus

und war glücklich in meinem Palast.2Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte.Die Gedanken, die mir im Bett kamen,und das, was ich vor meinem inneren Auge sah,beunruhigten mich.3Daher erteilte ich den Befehl,alle Weisen Babyloniens4,3 Weise Babyloniens: Die Babylonier waren im Alten Orient bekannt für ihre Weisen. Zu ihnen zählten unter anderem die Berater des Königs und die Traumdeuter. zu mir zu bringen.Sie sollten mir meinen Traum deuten.4Da kamen die Zeichendeuter, Magier,Sterndeuter4,4 Sterndeuter: Gelehrte Männer, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuteten und zukünftige Ereignisse vorhersagten. Mehr … und Wahrsager.Ich erzählte ihnen, was ich geträumt hatte,doch sie konnten es nicht deuten.5Zuletzt trat Daniel vor mich.Sein babylonischer Name ist Beltschazzar,nach dem Namen meines Gottes4,5 Name meines Gottes: Die Silbe »Belt« erinnert an den Namen der Gottheit »Bel«. Bel ist ein Titel für Marduk, den höchsten Gott der Babylonier..In ihm ist der Geist der heiligen Götter4,5 Geist der heiligen Götter: So bezeichnet Nebukadnezzar II. den Geist, der Daniel vom Gott Israels gegeben wurde..Ich erzählte ihm, was ich geträumt hatte:6»Beltschazzar, du oberster Zeichendeuter, ich weiß,dass der Geist der heiligen Götter in dir ist.Vor dir bleibt kein Geheimnis verborgen.Hör dir an, was ich im Traum gesehen habe,und sag mir, was es bedeutet.«

König Nebukadnezzar erzählt Daniel von seinem Traum

7»Das ist es, was ich sah, als ich auf meinem Bett lag:Ich sah einen Baum.Er stand mitten auf der Erde und war sehr hoch.8Der Baum wurde immer größer und stärker.Er reichte bis zum Himmel,und er war bis ans Ende der ganzen Welt zu sehen.9Er hatte schönes Laub und viele Früchte,sodass er Nahrung für alle bot.Unter ihm fanden die Tiere des Feldes Schatten,in seinen Zweigen wohnten die Vögel des Himmels.Alle Lebewesen ernährten sich von ihm.

10Während ich die Visionen4,10 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr … auf meinem Bett hatte,sah ich einen Wächterengel4,10 Wächterengel: Himmlisches Wesen, das nur im Buch Daniel erwähnt wird. vom Himmel herabsteigen,einen Heiligen4,10 Heilige: Hier himmlische Wesen, die zu Gott gehören..11Er rief mit lauter Stimme:›Haut den Baum um und hackt seine Zweige ab!Streift sein Laub ab und zerstreut seine Früchte!Die Tiere des Feldes sollen aus seinem Schatten fliehenund die Vögel von seinen Zweigen.12Den Stumpf mit seinen Wurzeln aber lasst in der Erde.Er soll Fesseln aus Eisen und Bronze4,12 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. habenund im frischen Grün des Feldes stehen.Das Gras der Erde soll ihn ernähren,wie es die Tiere ernährt.Der Tau4,12 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. des Himmels soll ihn nass machen.13Sein menschlicher Verstand soll verwandelt werdenund man soll ihm dem Verstand eines Tieres geben.Sieben Zeiten4,13 sieben Zeiten: Der Zeitraum ist wohl bewusst unbestimmt angegeben. sollen über ihn dahingehen.14Das ist ein Beschluss der Wächterengel,der Befehl ist eine Forderung der Heiligen.Durch den Beschluss sollen alle Lebendendie Macht des Höchsten4,14 der Höchste: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird. erkennen.Er hat Macht über das Reich der Menschen.Er gibt sie, wem auch immer er will.Selbst den niedrigsten Menschenkann er über das Reich einsetzen.‹15Diesen Traum hatte ich, König Nebukadnezzar4,15 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr..Nun sag du mir, Beltschazzar, was er bedeutet.Von den Weisen meines Königreicheskonnte mir keiner seine Deutung erklären.Du aber kannst es,denn der Geist der heiligen Götter4,15 Geist der heiligen Götter: So bezeichnet Nebukadnezzar II. den Geist, der Daniel vom Gott Israels gegeben wurde. ist in dir.«

Daniel deutet den Traum des Königs

16Daniel, der auch Beltschazzar heißt,war einen Moment lang starr vor Entsetzen.Seine eigenen Gedanken erschreckten ihn.Der König sagte zu ihm:»Beltschazzar, lass dich nicht erschreckenvom Traum und seiner Deutung!«Beltschazzar antwortete:»Mein Herr, möge doch der Traum deinen Feinden geltenund seine Deutung deinen Widersachern!17Du hast einen Baum gesehen,der groß und stark wurde.Er reichte bis zum Himmel,und er war bis ans Ende der ganzen Welt zu sehen.18Er hatte schönes Laub und viele Früchte,sodass er Nahrung für alle bot.Unter ihm wohnten die Tiere des Feldes,auf seinen Zweigen wohnten die Vögel des Himmels.19Der Baum, das bist du, König,denn du bist groß und stark geworden.Deine Macht wurde größer und reicht bis zum Himmel,deine Herrschaft bis ans Ende der Welt.20Dann hat der König einen Wächterengel4,20 Wächterengel: Himmlisches Wesen, das nur im Buch Daniel erwähnt wird. gesehen,einen Heiligen4,20 Heilige: Hier himmlische Wesen, die zu Gott gehören., der vom Himmel herabstieg und sagte:›Haut den Baum um und zerstört ihn!Den Stumpf mit seinen Wurzeln aber lasst in der Erde.Er soll Fesseln aus Eisen und Bronze4,20 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. habenund im frischen Grün des Feldes stehen.Das Gras der Erde soll ihn ernähren,wie es die Tiere des Feldes ernährt.Der Tau4,20 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. des Himmels soll ihn nass machen,bis sieben Zeiten4,20 sieben Zeiten: Der Zeitraum ist wohl bewusst unbestimmt angegeben. dahingegangen sind.‹

21Das ist die Deutung, König.Es ist ein Beschluss des Höchsten4,21 der Höchste: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird.,der über meinen Herrn, den König, erging:22Man wird dich von den Menschen verstoßen,und du wirst bei den Tieren des Feldes wohnen.Man wird dir Gras zu fressen geben wie Rindern,vom Tau des Himmels wirst du nass.Sieben Zeiten werden über dich dahingehen –bis du erkennst, dass der Höchste die Macht hatüber das Reich der Menschen.Wem auch immer er sie geben will,dem wird er sie geben.23Es wurde gesagt, dass der Stumpf des Baumesmit seinen Wurzeln stehen bleiben soll.Das bedeutet, dass dein Königreich bestehen bleibt,sobald du erkennst, dass der Himmel Macht hat.24Darum, König, nimm meinen Ratschlag an:Kehre dich vom Unrecht ab und halt dich an das Recht.Mach deine Vergehen wieder gut,indem du Armen Gutes tust.Dann wird dein Glück von Dauer sein.«

Der Traum geht in Erfüllung

25Das alles stieß König Nebukadnezzar4,25 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. zu:26Zwölf Monate später ging er spazierenauf dem Dach seines Palastes in Babylon.27Der König sagte: »Ist das nicht das großartige Babylon4,27 Babylon: Hauptstadt Babyloniens. Nach der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. wurden viele Bewohner dorthin verschleppt.?Ich habe es erbaut als Sitz meines Königreiches,voll Stärke und Kraft und zu Ehren meiner Hoheit.«28Bevor der König die Worte ganz ausgesprochen hatte,kam eine Stimme vom Himmel:»Dir, König Nebukadnezzar,wird das Königreich weggenommen.29Man wird dich von den Menschen verstoßen,und du wirst bei den Tieren des Feldes wohnen.Man wird dir Gras zu fressen geben wie Rindern.Sieben Zeiten4,29 sieben Zeiten: Der Zeitraum ist wohl bewusst unbestimmt angegeben. werden über dich dahingehen –bis du erkennst, dass der Höchste4,29 der Höchste: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird. die Macht hatüber die Königreiche der Menschen.Wem auch immer er sie geben will,dem wird er sie geben.«30Im gleichen Augenblickerfüllte sich das Wort an Nebukadnezzar.Er wurde von den Menschen verstoßenund fraß Gras wie die Rinder.Sein Körper wurde vom Tau4,30 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. des Himmels nass.Seine Haare wurden so lang wie Adlerfedernund seine Nägel wie Vogelkrallen.

31Als die vorherbestimmte Zeit vorbei war,erhob ich, Nebukadnezzar4,31 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr., meine Augen zum Himmel4,31 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. Mehr ….Mein Verstand kehrte zu mir zurück.Da pries ich den Höchsten4,31 der Höchste: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird.und lobte und ehrte den, der für immer lebt:»Seine Herrschaft wird ewig bestehen,sein Königreich bleibt von Generation zu Generation.32Alle Bewohner der Erde gelten vor ihm wie nichts.Was auch immer er will,macht er mit dem Heer des Himmels4,32 Heer des Himmels: Meint die unterschiedlichen Engelwesen, die Gott dienen. Gott wird in der Bibel oft als »Herr der himmlischen Heere« bezeichnet.und den Bewohnern der Erde.Es gibt keinen, der seine Hand abwehren kannoder ihm sagen kann, was er tun soll.33In dem Moment kehrte mein Verstand zu mir zurück.Ich erhielt auch meinen Ruhm und meinen Glanz zurück,zur Ehre meines Königreichs.Meine Minister und mächtigsten Männer suchten mich auf.Ich wurde wieder über mein Königreich eingesetztund meine Macht wurde noch größer.34Ich, Nebukadnezzar, lobe, preise und ehre jetztden König des Himmels.All seine Taten sind wahr und seine Wege gerecht.Wer stolz umhergeht, den kann er demütigen.«
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Das Festmahl von König Belschazzar

Daniel 5,1–6,1

Eine rätselhafte Schrift erscheint an der Wand

51König Belschazzar5,1 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon. veranstaltete ein großes Festmahlfür seine tausend mächtigsten Männer.In ihrer Gegenwart betrank er sich mit Wein.2Vom Wein berauscht, befahl Belschazzar,die goldenen und silbernen Gefäße zu holen.Sein Vater Nebukadnezzar5,2 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. hatte sie einstaus dem Tempel5,2 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. Mehr … in Jerusalem5,2 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … mitgenommen.Der König wollte aus ihnen trinken,zusammen mit seinen mächtigsten Männern,seiner Frau und seinen Nebenfrauen5,2 Nebenfrau: Ehefrau, die weniger Rechte als die Hauptfrau besitzt, aber höhergestellt ist als eine Sklavin..3Da holte man die goldenen Gefäße5,3 goldene Gefäße: Gegenstände, die im Gottesdienst verwendet wurden.,die aus dem Tempel stammten,dem Haus Gottes in Jerusalem.Der König trank aus ihnen,zusammen mit seinen mächtigsten Männern,seiner Frau und seinen Nebenfrauen.4Sie tranken Wein und verehrten Götterbilder5,4 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. Mehr …aus Gold und Silber, Bronze5,4 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. und Eisen, Holz und Stein.

5Plötzlich erschienen die Finger einer menschlichen Hand.Neben einem Leuchter schrieben sieetwas auf die weiße Wand des königlichen Palastes.Der König sah den Handrücken der schreibenden Hand.6Da erschrak er furchtbarund wurde ganz blass.Angst fuhr ihm in die Glieder,und seine Knie schlotterten.7Der König rief mit lauter Stimme:»Holt die Magier, Sterndeuter5,7 Sterndeuter: Gelehrte Männer, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuteten und zukünftige Ereignisse vorhersagten. Mehr … und Wahrsager her!«Und er sagte zu den Weisen Babyloniens5,7 Weise Babyloniens: Die Babylonier waren im Alten Orient bekannt für ihre Weisen. Zu ihnen zählten unter anderem die Berater des Königs und die Traumdeuter.:»Derjenige, der diese Schrift lesenund mir deuten kann,soll in purpurrote5,7 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder gekleidet werden.Er soll eine goldene Kette um den Hals tragenund als Drittmächtigster in meinem Reich herrschen.«8Da kamen alle Weisen des Königs zu ihm.Doch sie konnten die Schrift weder lesennoch dem König sagen, was sie bedeutete.9Darüber erschrak König Belschazzar5,9 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon. sehrund wurde noch blasser.Auch seine mächtigsten Männer bekamen Angst.

Daniel wird zum König gebracht

10Die Mutter des Königs hörte,was der König und seine mächtigsten Männer sagten.Da ging sie in den Festsaal und sagte:»Lang lebe der König!Lass dich nicht erschrecken.Du brauchst auch nicht blass zu werden.11In deinem Königreich gibt es einen Mann,in dem der Geist der heiligen Götter5,11 Geist der heiligen Götter: So bezeichnet Nebukadnezzar II. den Geist, der Daniel vom Gott Israels gegeben wurde. ist.Schon zur Zeit deines Vaters hielt man ihn für weise,für klug und erleuchtet – wie es sonst nur Götter sind.Deswegen machte ihn dein Vater, König Nebukadnezzar,zum Vorsteher der Zeichendeuter und Magier,Sterndeuter5,11 Sterndeuter: Gelehrte Männer, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuteten und zukünftige Ereignisse vorhersagten. Mehr … und Wahrsager – dein eigener Vater, König.12Denn bei Daniel fand man Verstand, Einsichtund einen außergewöhnlichen Geist.Er kann Träume deuten, Rätsel lösenund schwierige Fragen beantworten.Der König hat ihm den Namen Beltschazzar gegeben.Lass Daniel jetzt rufen.Er wird dir die Schrift deuten.«

13Daniel wurde vor den König gebracht.Der König sagte zu ihm: »Du bist also Daniel –einer von den Gefangenen aus Juda5,13 Gefangene aus Juda: Daniel 1,3-4 erzählt, dass Nebukadnezzar II. junge Männer aus Jerusalem nach Babylonien bringen ließ.,die mein Vater, der König, von dort hergebracht hat.14Ich habe über dich gehört,dass der Geist deines Gottes in dir ist.Auch halt man dich für klug,erleuchtet und außergewöhnlich weise.15Ich ließ Weise und Magier zu mir bringen.Sie sollten diese Schrift lesenund mir sagen, was sie bedeutet.Aber sie waren nicht fähig,mir zu sagen, was die Worte bedeuten.16Wenn du diese Schrift lesenund mir sagen kannst, was sie bedeutet,sollst du purpurrote5,16 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder bekommen.Du sollst eine goldene Kette um den Hals tragenund als Drittmächtigster im Königreich herrschen.«

Daniel deutet die Schrift an der Wand

17Da sagte Daniel zum König: »Behalt deine Geschenkeund gib deine Gaben einem anderen.Ich werde dir dennoch die Schrift vorlesenund dir sagen, was sie bedeutet.18Du bist der König.Der Höchste Gott5,18 Höchster Gott: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird. hat deinem Vater Nebukadnezzar5,18 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr.Königreich, Macht, Ehre und Ruhm gegeben.19Vor der Macht, die ihm gegeben wurde,zitterten und fürchteten sichdie Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen.Er tötete, wen er wollte,und er ließ am Leben, wen er wollte.Er machte mächtig, wen er wollte,und er unterdrückte, wen er wollte.20Doch er wurde überheblich und hochmütig.Da stieß man ihn vom Thron seines Königreichsund nahm ihm seine Ehre.21Er wurde von den Menschen verstoßenund man gab ihm den Verstand eines Tieres.Er wohnte bei den Wildeseln5,21 Wildesel: Anspruchsloses Tier, das auch in trockenen Gebieten überlebt.und man gab ihm Gras zu fressen wie Rindern.Vom Tau5,21 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. des Himmels wurde sein Körper nass –bis er erkannte, dass der Höchste Gott die Macht hatüber das Königreich der Menschen.Wen auch immer er möchte, setzt er über es ein.

22Du, Belschazzar5,22 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon., sein Sohn, warst hochmütig,obwohl du das alles wusstest.23Du hast dich über den Herrn des Himmels5,23 Herr des Himmels: Bezeichnung für Gott. erhobenund dir Gefäße aus seinem Tempel holen lassen.Aus denen hast du Wein getrunken,mit deinen mächtigsten Männern, Frauen und Nebenfrauen5,23 Nebenfrau: Ehefrau, die weniger Rechte als die Hauptfrau besitzt, aber höhergestellt ist als eine Sklavin..Du hast die Götterbilder5,23 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. Mehr … aus Silber und Gold verehrt,aus Bronze5,23 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. und Eisen, Holz und Stein.Dabei können sie weder sehen noch hörenund haben auch keinen Verstand.Aber du hast den Gott nicht verehrt,der all deine Wege in der Hand hat.Dein ganzes Leben gehört ihm.24Darum hat er die Hand geschicktund sie etwas an die Wand schreiben lassen.25Die Schrift, die dort geschrieben steht, lautet:Mene mene tekel u-parsin.5,25 Mene mene tekel u-parsin.: Übersetzt bedeuten die Worte: Gezählt, gezählt, gewogen und geteilt.26Das ist die Bedeutung der Wörter:Mene: Die Tage deines Königreichs sind gezählt,Gott wird ihm ein Ende bereiten.27Tekel: Du bist auf der Waage gewogen wordenund wurdest für zu leicht befunden.28Parsin: Dein Königreich wird geteilt,und es wird den Medern und Persern5,28 Meder, Perser: Die Meder lebten im Gebirge im Norden des heutigen Iran. Gemeinsam mit den Persern eroberten sie 539 v. Chr. die Stadt Babylon. gegeben.«29Da befahl Belschazzar,Daniel in purpurrote5,29 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder zu kleiden.Auch legte man ihm eine goldene Kette um den Hals.Dann ließ der König verkünden,dass Daniel als Drittmächtigsterim Königreich herrschen sollte.30Aber Belschazzar, der König von Babylonien,wurde noch in derselben Nacht getötet.