BasisBibel (BB)
13

Abschalom und Amnon

2. Samuel 13,1-39

Die Schwester Abschaloms wird vergewaltigt

131Danach geschah Folgendes:Abschalom, der Sohn Davids, hatte eine Schwester,die Tamar hieß und sehr schön war.In sie verliebte sich Amnon, ein weiterer Sohn Davids13,1 ein weiterer Sohn Davids: Damit war Amnon der Halbbruder von Abschalom und Tamar..2Amnon war krank vor Liebe zu seiner Schwester Tamar,und das bedrückte ihn sehr.Denn sie war eine noch unverheiratete junge Frau13,2 unverheiratete junge Frau: Wörtlich »Jungfrau«. Als unverheiratete Frau lebte Tamar bei ihrer Mutter und damit in einem Haus des Königspalastes, zu dem der Prinz keinen Zutritt hatte..Und Amnon sah keine Möglichkeit,wie er an sie herankommen könnte.

3Nun hatte Amnon einen Freund, der Jonadab hieß.Er war der Sohn von Davids13,3 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Bruder Schima.Dieser Jonadab war ein schlauer Kopf.4Und so fragte er Amnon:»Warum bist du, Sohn des Königs, so bedrückt,Morgen für Morgen?Willst du es mir nicht erzählen?«Da antwortete ihm Amnon:»Es ist wegen Tamar,der Schwester meines Bruders Abschalom13,4 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9..Ich bin in sie verliebt!«5Daraufhin gab ihm Jonadab den Rat:»Leg dich ins Bett und stell dich krank!Wenn dann dein Vater kommt, um nach dir zu schauen,sollst du zu ihm sagen:Lass doch meine Schwester Tamar kommenund mir etwas für einen Kranken zu essen bringen!Vor meinen Augen soll sie es zubereiten.Ich will ihr dabei zusehenund von ihrer Hand etwas essen.«6Amnon legte sich also hin und stellte sich krank.Der König kam auch, um nach ihm zu schauen.Da bat Amnon den König:»Lass doch meine Schwester Tamar kommen!Sie soll vor meinen Augen ein paar Herzkuchen13,6 Herzkuchen: Gebäck, mit dem eine besondere Zuwendung für kranke oder schwache Menschen zum Ausdruck gebracht wurde. backen.Von ihrer Hand will ich etwas davon essen.«

7David13,7 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. schickte jemand zu Tamar nach Hauseund ließ ihr sagen:»Geh doch ins Haus deines Bruders Amnonund mach ihm etwas zu essen!«8So ging Tamar ins Haus ihres Bruders Amnon.Der lag im Bett.Da nahm sie den vorbereiteten Teig, knetete ihnund formte ihn vor seinen Augen.Als sie mit dem Backen fertig war,9nahm sie die Herzkuchen aus der Backform.Sie stellte die Kuchen vor ihn hin.Amnon aber weigerte sich zu essen und sagte:»Alle hier sollen hinausgehen!«Da gingen alle Leute von ihm weg.10Dann verlangte Amnon von Tamar:»Bring mir die Kuchen ins Schlafzimmer!Von deiner Hand will ich sie essen.«Da nahm Tamar die Herzkuchen, die sie gebacken hatte,und brachte sie ihrem Bruder Amnon ans Bett.11Als sie das Essen reichte, kam sie ihm ganz nahe.Da packte er sie am Arm und sagte zu ihr:»Komm, schlaf mit mir, meine Schwester!«12Sie wehrte sich:»Nein, mein Bruder! Vergewaltige mich nicht!Denn so etwas tut man nicht in Israel!Tu nicht so etwas Schlimmes!13Denk doch an mich:Wo soll ich denn hin mit dieser Schande?Und denk an dich:Du wärst in Israel verschrien als ein gemeiner Kerl!Sprich doch mit dem König!Der wird es erlauben, dass ich deine Frau werde.«14Amnon aber wollte nicht auf sie hören.Er packte sie, vergewaltigte sie und schlief mit ihr.

15Hinterher begann Amnon sie unbändig zu hassen.Ja, der Hass, mit dem er sie hasste, war stärkerals die Liebe, die er für sie empfunden hatte.»Steh auf und hau ab!«, rief Amnon ihr zu.16Darauf sagte sie: »Nein, mein Bruder!Schick mich jetzt nicht fort!Das wäre noch schlimmer als das Unrecht,das du mir angetan hast.«Aber er wollte nicht auf sie hören.17Vielmehr rief er seinen Hausdiener und befahl:»Weg mit dieser Frau!Werft sie aus dem Haus!Und du, schließ die Tür hinter ihr zu!«18Tamar hatte an diesem Tag ein langes Kleid an.Damals trugen Prinzessinnen solche Obergewänder,solange sie noch unverheiratet waren.Der Diener warf sie also aus dem Hausund schloss die Tür hinter ihr zu.19Da streute sich Tamar Staub auf den Kopf13,19 Staub auf den Kopf: Das Bedecken von Kopf und Körper mit Staub gehört wie das Zerreißen der Kleider zu den Trauerbräuchen.und zerriss das lange Kleid13,19 zerriss das lange Kleid: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung., das sie am Leib trug.Dann schlug sie die Hände über dem Kopf zusammenund ging laut schreiend davon.20Ihr Bruder Abschalom aber fragte sie:»Hatte dein Brüderchen Amnon etwas mit dir?Dann schweig jetzt darüber, meine Schwester!Er ist ja schließlich dein Bruder.Nimm dir diese Sache nicht so zu Herzen!«Tamar aber war am Boden zerstört.So blieb sie im Haus ihres Bruders Abschalom.

21Als König David erfuhr, was da vorgefallen war,wurde er sehr zornig.22Abschalom jedoch redete kein Wort mehr mit Amnon,weder im Bösen noch im Guten.So sehr hasste Abschalom seinen Bruder Amnon,weil er seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.

Abschalom sinnt auf Rache

23Zwei Jahre waren seitdem vergangen.Abschalom13,23 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war gerade beim Scheren der Schafein Baal-Hazor, das bei dem Ort Efraim liegt.Dazu wollte er alle Königssöhne einladen.24So ging Abschalom zum König und sagte:»Dein Knecht feiert ein Fest zur Schafschur.Der König soll mit seinen Vertrauten kommenund mit deinem Knecht dorthin gehen.«25Aber der König entgegnete Abschalom: »Nein, mein Sohn!Wir können doch nicht alle mitkommen.Sonst fallen wir dir nur zur Last.«Abschalom versuchte alles.Doch der König ließ sich nicht umstimmenund segnete ihn zum Abschied.26Zuletzt sagte Abschalom zu ihm:»Wenn du schon nicht mitkommst,dann soll wenigstens mein Bruder Amnon13,26 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. mit uns gehen.«Der König fragte ihn: »Warum soll er mit dir kommen?«27Und Abschalom versuchte alles, bis der König nachgab:Er ließ Amnon und alle Königssöhne mit ihm ziehen.

28Danach befahl Abschalom seinen Knechten:»Passt auf! Sobald Amnon13,28 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. vom Wein berauscht ist,sage ich zu euch: ›Schlagt Amnon tot!‹Dann tötet ihn, habt keine Angst!Ich selbst habe es euch befohlen.Seid stark und mutig!«29Die Knechte Abschaloms machten es mit Amnon so,wie es Abschalom verlangt hatte.Da sprangen alle anderen Söhne des Königs auf.Sie schwangen sich auf ihre Maultiere13,29 Maultier: Kreuzung aus Pferd und Esel. Maultiere waren die Reittiere der Königsfamilie, wurden aber auch als Lasttiere eingesetzt. und flohen.

Die Schreckensnachricht erreicht Jerusalem

30Während sie noch unterwegs waren,verbreitete sich am Königshof Davids das Gerücht:»Abschalom hat alle Königssöhne erschlagen!Kein einziger von ihnen hat überlebt.«31Da stand der König auf, zerriss seine Kleider13,31 seine Kleider zerreißen: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung.und warf sich auf den Boden.Auch alle seine Knechte, die um ihn standen,zerrissen sich die Kleider.32Nur Jonadab, der Sohn von Davids Bruder Schima,trat dem Gerücht entgegen und sagte:»Mein Herr muss nicht glauben, dass alle jungen Leute,alle Söhne des Königs, umgebracht wurden.Nur Amnon ist tot!Denn was da auf den Befehl Abschaloms geschehen ist,war so von langer Hand geplant.Es stand fest seit dem Tag,als Amnon seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.33Doch jetzt, mein Herr und König,nimm dir die Sache nicht so zu Herzen!Denk nicht, dass alle Königssöhne tot sind!Nur Amnon13,33 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. ist tot.«

34Abschalom13,34 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war entkommen. –Auf der Mauer stand ein Wächter und hielt Ausschau.Plötzlich entdeckte er einen Haufen Menschen.Die kamen auf dem Weg,der westlich von ihm am Abhang entlangführte.35Da sagte Jonadab zum König:»Siehst du! Die Söhne des Königs sind gekommen!Es ist genau so, wie dein Knecht es vorausgesagt hat.«36Kaum hatte er ausgeredet,da kamen auch schon die Söhne des Königsund brachen in lautes Weinen aus.Auch der König und alle seine Hofleute weinten heftig.

Abschalom flieht nach Geschur zu seinem Großvater

37Abschalom13,37 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war entkommen und zu Talmai13,37 Talmai: Großvater von Abschalom, vgl. 2. Samuel 3,3. geflohen,dem Sohn des Ammihud, dem König von Geschur. –David aber trauerte um seinen Sohn sehr lange Zeit.

38Abschalom13,38 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war also entkommen und nach Geschur13,38 Geschur: Land der Geschuriter in der Wüste südlich von Juda. gegangen.Dort blieb er drei Jahre. –39David wollte gegen Abschalom ins Feld ziehen,doch der Zorn des Königs legte sich mit der Zeit.Er hatte sich mit dem Tod Amnons13,39 Amnon: Halbbruder von Abschalom, der dessen Schwester Tamar vergewaltigte; vgl. 2. Samuel 13,1-22. abgefunden.
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Abschaloms Rückkehr

2. Samuel 14,1-33

Joab hat einen Plan

141Joab14,1 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids., dem Sohn der Zeruja, blieb nicht verborgen,dass die Gedanken des Königs um Abschalom kreisten.2Deshalb schickte Joab jemanden nach Tekoa14,2 Tekoa: Ortschaft etwa 20 km südlich von Jerusalem.und ließ von dort eine kluge Frau14,2 kluge Frau: Eine mit Weisheit und diplomatischem Geschick begabte Frau, die auch in der Politik die Funktion einer Ratgeberin wahrnehmen konnte. holen.Zu ihr sagte er:»Tu so, als ob du in Trauer bist!Zieh Trauerkleider14,2 Trauergewand: Kleidungsstück aus rauem Leinen, das zum Zeichen von Trauer oder Buße auf bloßer Haut getragen wurde. Es wird auch »Sack« genannt. an, salbe dich nicht mit Öl14,2 nicht mit Öl salben: Das Unterlassen der Körperpflege gehört zu den Trauerbräuchen.!Spiel eine Frau,die schon lange um einen Verstorbenen trauert!3Dann geh zum König und rede mit ihm so und so!«Und die Worte, die sie sagen sollte,legte Joab ihr in den Mund.

Die kluge Frau aus Tekoa

4Die Frau aus Tekoa14,4 Tekoa: Ortschaft etwa 20 km südlich von Jerusalem. kam zum König,verneigte sich und warf sich mit dem Gesicht zur Erde.Dann rief sie: »Hilf mir, mein König!«5Der König fragte sie: »Was hast du denn?«Sie antwortete: »Ach, ich bin eine arme Witwe!Mein Mann ist tot.6Deine Magd aber hatte zwei Söhne.Die beiden waren draußen auf dem Feld,als sie miteinander in Streit gerieten.Da niemand da war, der dazwischengehen konnte,ging der eine auf den anderen los und schlug ihn tot.7Daraufhin stellten sich alle Verwandten gegen mich.Sie sagten zu deiner Magd14,7 Magd: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen.:›Gib den Mörder seines Bruders heraus!Wir wollen ihn töten für das Leben seines Bruders,den er umgebracht hat.So können wir auch noch den Erben beseitigen.‹Aber ich hab doch nur noch diese eine Kohle im Feuer!Wenn sie ihre Glut auslöschen,wird damit auch der Name14,7 Name: Nach biblischer Vorstellung lebt ein Verstorbener in der Erinnerung seiner Nachkommen fort. Die Auslöschung des Namens bedeutet seine endgültige Vernichtung. meines Mannes ausgelöscht.Er wird keinen Nachkommen mehr haben auf der Erde.«8Da sagte der König zu der Frau: »Geh heim!Ich selbst nehme die Sache in die Hand.«9Aber der Frau aus Tekoa war das noch nicht genug.Sie sagte zum König:»Doch die Schuld14,9 Schuld: Die Tat kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Das vergossene Blut bedeutet deshalb eine fortwährende Bedrohung. bleibt, mein Herr und König!Sie lastet auf mir und dem Haus meines Vaters.Der König aber und sein Thron bleiben davon frei.«10Da versicherte ihr der König:»Wenn dich jemand wegen dieser Sache angeht,dann schick ihn zu mir!Er wird dir nicht noch einmal zu schaffen machen.«11Daraufhin sagte sie:»Sei doch so gut, mein König,und bekräftige es beim Herrn14,11 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., deinem Gott.So kann ich sicher sein,dass sie meinen zweiten Sohn nicht töten.Der Bluträcher14,11 Bluträcher: Der nächste männliche Verwandte eines getöteten Familienmitglieds, der die Pflicht hatte, den Mörder zu töten; vgl. 4. Mose/Numeri 35,19-27. würde sonst noch mehr Unheil anrichten.«Er antwortete: »Beim Leben des Herrn!Kein Haar soll deinem Sohn gekrümmt werden!«

12Die Frau sagte weiter:»Erlaubst du deiner Magd14,12 Magd: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen., dass sie weiterredet?Ich möchte meinem Herrn und König noch etwas sagen.«Er antwortete: »Ja, sprich!«13Da sagte die Frau:»Warum hast du im Sinn,dem Volk Gottes ein ähnliches Unrecht anzutun?Mit dem Urteil, das der König gerade gefällt hat,spricht er sich selbst schuldig.Denn der König hat seinen eigenen Sohn verstoßenund ist nicht bereit, ihn zurückkehren zu lassen.14Wir alle müssen ja eines Tages sterben.Wir sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird.Man kann es nicht wieder zurücknehmen.Gott aber nimmt keinem das Leben,der sich über diese Frage Gedanken macht:Soll einer, den man verstoßen hat,für immer verstoßen bleiben?15Ich bin heute hierhergekommen,um diese Sache meinem Herrn und König vorzutragen.Denn die Leute haben mir Angst gemacht.Und so dachte sich deine Magd:Ich will darüber mit dem König reden.Vielleicht kann der König etwas tun in der Sache,die seiner Dienerin am Herzen liegt.16Denn der König wird mir zustimmenund seine ergebene Dienerin beschützen.Dann wird es keiner mehr wagen,mich und meinen Sohn zu vernichtenund aus der Gemeinschaft mit Gott zu drängen.17Und auch das hat sich deine Magd überlegt:Wenn mein Herr und König die Sache entscheidet,komme ich endlich wieder zur Ruhe.Denn mein Herr, der König, ist wie der Engel Gottes.Er hört heraus, was gut ist und was böse.Der Herr, dein Gott, sei mit dir!«

18Der König antwortete und verlangte von der Frau:»Verheimliche mir nichts,wenn ich dich jetzt nach etwas frage!«»Nur zu, mein Herr und König!«, sagte die Frau.19Da fragte sie der König:»Hatte Joab14,19 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids. bei der ganzen Sache seine Hand im Spiel?«Die Frau antwortete darauf:»Bei deinem Leben, mein Herr und König!Es ist unmöglich, deiner Frage auszuweichen,mein Herr und König, weder so noch so.Ja wirklich, dein Knecht Joab steckt dahinter.Er hat deiner Magd alle diese Worte in den Mund gelegt.20Er wollte der Sache ein anderes Gesicht geben.Deshalb hat dein Knecht14,20 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. Joab es so eingefädelt.Aber mein Herr ist klug,so klug wie der Engel Gottes.Er durchschaut alles, was auf der Erde geschieht.«

Abschalom darf nach Jerusalem kommen

21Nun wandte sich der König direkt an Joab14,21 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids.:»Also gut, ich bringe die Sache in Ordnung!Geh und hol den jungen Mann, hol Abschalom14,21 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. zurück!«22Joab warf sich mit dem Gesicht auf den Boden.Dann verneigte er sich vor dem König und segnete ihn.Joab sagte: »Heute habe ich erfahren,dass ich dir etwas bedeute, mein Herr und König.Der König hat die Sache in Ordnung gebracht,die seinem Knecht am Herzen lag.«23Dann stand Joab auf, ging nach Geschurund brachte Abschalom nach Jerusalem zurück.24Der König entschied:»Abschalom soll in sein Haus gehen.Er darf mir nicht unter die Augen treten!«So kehrte Abschalom in sein Haus zurück.Den König aber bekam er nicht zu Gesicht.

Nachrichten über Abschalom

25In ganz Israel gab es keinen wie Abschalom14,25 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9.,der so schön war und so sehr bewundert wurde.Von Kopf bis Fuß war an ihm nichts auszusetzen.26Einmal im Jahr ließ er sich das Haar schneiden.Denn es war so schwer, dass er es abschneiden musste.Das abgeschnittene Haar wog über zwei Kilogramm14,26 über zwei Kilogramm: Wörtlich »200 Schekel«. Ein Schekel entspricht etwa 12 g..27Abschalom hatte drei Söhne und eine Tochter.Diese hieß Tamar und war ein sehr schönes Mädchen.

Joab vermittelt zwischen Abschalom und David

28Abschalom14,28 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. wohnte schon zwei Jahre in Jerusalem14,28 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört..Den König aber hatte er nicht zu Gesicht bekommen.29Abschalom wollte nun Joab14,29 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids. dazu bewegen,zum König zu gehen und zu vermitteln.Deshalb ließ er ihn zu sich rufen.Doch der wollte nicht zu ihm kommen.Da ließ er ihn nochmals rufen.Doch er wollte noch immer nicht kommen.30Da sagte Abschalom zu seinen Knechten:»Seht ihr das Feld, das Joab gehört?Es liegt gleich neben meinem.Er hat dort Gerste angebaut.Geht jetzt und steckt es in Brand!«Und so machten es die Knechte des Abschalom,sie steckten das Feld in Brand.31Da machte sich Joab auf den Weg,kam zu Abschalom ins Haus und stellte ihn zur Rede:»Warum haben deine Knechte das Feld angezündet?Es gehört doch mir!«32Abschalom sagte daraufhin zu Joab:»Ich habe jemanden zu dir geschickt mit der Bitte,dass du zu mir kommst.Ich wollte, dass du zum König gehstund ihn für mich fragst:›Warum bin ich eigentlich von Geschur zurückgekehrt?Es wäre besser für mich gewesen dortzubleiben.‹Jetzt aber möchte ich das Gesicht des Königs sehen.Und wenn noch immer eine Schuld bei mir liegt,soll er mich töten.«33So ging Joab zum König und berichtete ihm davon.Da rief der König den Abschalom zu sich.Und er kam, verneigte sich vor dem Königund warf sich mit dem Gesicht auf den Boden.Der König aber küsste Abschalom.
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Der Aufstand des Abschalom

2. Samuel 15,1–20,26

Abschaloms Verschwörung und Davids Flucht

2. Samuel 15,1–16,14

Abschalom trifft Vorbereitungen

151Danach geschah Folgendes:Abschalom15,1 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. besorgte sich einen prunkvollen Wagen,dazu Pferde und 50 Mann als Leibwache.2Er stellte sich jeden Morgen an den Torweg15,2 Torweg: Die Straße, die zum Stadttor hinaufführt. Hier kamen alle vorbei, die auf dem Weg zum König waren..Wenn dann einer auf dem Weg zum König war,um einen Rechtsstreit entscheiden zu lassen,sprach Abschalom ihn an: »Aus welcher Stadt bist du?«Er antwortete:»Dein Knecht15,2 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. gehört zu dem und dem Stamm15,2 Stämme Israels: Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen. in Israel.«3Dann sagte Abschalom zu ihm:»Dein Fall ist klar, du bist im Recht!Aber beim König wird dich keiner anhören.«4Und Abschalom setzte hinzu:»Würde man mich doch zum Richter im Land machen!Zu mir könnte jeder mit seinem Rechtsstreit kommenoder mit einer Angelegenheit, die zu entscheiden ist.Ich würde ihm schon zum Recht verhelfen.«5Wenn dann einer an ihn herantrat,um sich vor ihm zu verneigen,reichte er ihm die Hand.Er hielt ihn fest und küsste ihn.6So machte es Abschalom mit allen Israeliten,die in einer Rechtsangelegenheit zum König kamen.Dadurch stahl Abschalom das Herz der Israeliten.

Abschalom lässt sich als König ausrufen

7Nach vier Jahren sagte Abschalom15,7 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. zum König:»Ich will nach Hebron15,7 Hebron: Stadt 35 km südlich von Jerusalem. gehen und mein Gelübde15,7 Gelübde: Versprechen, das ein Mensch Gott gibt. Es muss in jedem Fall eingelöst werden. erfüllen,das ich dort dem Herrn15,7 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. versprochen habe.8Denn dein Knecht hat dieses Gelübde abgelegt,als er sich in Geschur15,8 Geschur: 2. Samuel 13,37-39 erzählt, dass Abschalom vor seinem Vater David nach Geschur flieht, weil er seinen Halbbruder Amnon umgebracht hat. aufhielt:Wenn mich der Herr nach Jerusalem zurückkehren lässt,will ich einen Gottesdienst für den Herrn feiern.«9Der König erlaubte es ihm: »Geh in Frieden!«So machte er sich auf den Weg und ging nach Hebron.

10Abschalom15,10 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. aber schickte Boten umher.Die sollten die Stämme in ganz Israel aufstacheln:»Wenn ihr den Schall des Widderhorns15,10 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. hört,dann ruft: Abschalom ist König in Hebron geworden!«11Abschalom begleiteten dabei 200 Mann aus Jerusalem,die er zum Opferfest eingeladen hatte.Sie waren in guter Absicht mitgekommenund wussten nichts von der Verschwörung.12Abschalom ließ auch Ahitofel aus Gilo holen,der ein Berater Davids15,12 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. war.Er kam aus seiner Heimatstadt Gilo hinzu,als Abschalom die Schlachtopfer15,12 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. darbrachte.So gewann die Verschwörung weiter an Stärke.Immer mehr Leute schlossen sich Abschalom an.

David verlässt Jerusalem

13Ein Bote kam zu David15,13 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. und meldete ihm:»Das Herz der Israeliten gehört Abschalom15,13 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9.14Da befahl David allen seinen Leuten,die bei ihm in Jerusalem15,14 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. waren:»Macht euch fertig! Wir müssen fliehen!Sonst gibt es für uns keine Rettung vor Abschalom.Beeilt euch, von hier wegzukommen,damit er nicht schneller ist und uns hier erreicht!Sonst bringt er Unheil über unsund tötet die Bewohner der Stadt mit dem Schwert.«15Da antworteten seine Anhänger dem König:»Ganz wie unser Herr und König es will!Hier sind deine Knechte!«16Der König verließ also die Stadt.Und sein ganzer Königshof folgte ihm auf dem Fuß.Nur zehn Nebenfrauen ließ der König zurück.Die sollten auf das Haus aufpassen.

17Als der König mit allen seinen Leuten abrückte,blieb man am letzten Haus stehen:18Dann marschierten alle seine Anhänger vorbei,dahinter seine ganze Leibwache, die Kreter und Pleter15,18 Kreter und Pleter: Eine Söldnertruppe von Nicht-Israeliten, die Davids Leibgarde bildete. Es handelt sich wahrscheinlich um Philister und Leute aus Kreta.,dahinter alle Männer aus der Stadt Gat15,18 Gat: Eine der fünf Hauptstädte der Philister, im Bergland zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer gelegen.,600 Mann, die mit David aus Gat gekommen waren.Sie alle zogen am König vorbei.19Der König aber sagte zu Ittai aus Gat:»Warum willst auch du mit uns ziehen?Kehr um und bleib beim neuen König!Du bist ja Ausländer und aus deiner Heimat fortgezogen.20Gestern erst bist du hierhergekommen.Und heute soll ich dir schon wieder die Heimat nehmen,wenn du mit uns weiterziehst?Ich gehe, wohin ich gehe.Du aber kehr um und bring deine Landsleute zurück!Liebe und Treue werden mit dir sein!«21Doch Ittai antwortete dem König feierlich:»Beim Leben des Herrn15,21 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.und beim Leben meines Herrn und Königs!Wo du auch immer sein wirst, mein Herr und König,dort wird auch dein Knecht15,21 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. sein!Ganz gleich, ob ich sterben muss oder lebe.«22»Gut«, sagte David zu Ittai: »Dann zieh vorbei!«Da zog Ittai aus Gat mit allen seinen Leuten vorbei.Auch die Frauen und Kinder gingen mit.23Und das ganze Land weinte laut,als der König den Bach Kidron15,23 Bach Kidron: Kennzeichnet im Osten Jerusalems die Stadtgrenze. überschritt.So zog das ganze Volk hinausund weiter auf der Straße in die Wüste.

Die Priester kehren in die Stadt zurück

24Auch Zadok15,24 Zadok: Priester am Heiligtum zur Zeit von König David. Er gilt als Stammvater der Priester von Jerusalem. war da mit allen Leviten15,24 Leviten: Erfüllen bestimmte Aufgaben beim Gottesdienst im Heiligtum. Mit den Priestern gelten sie als Nachkommen des Stammvaters Levi..Die hatten die Bundeslade15,24 Lade: Eine an Stangen tragbare Truhe aus Holz mit goldener Deckplatte, die für die Gegenwart Gottes bei seinem Volk steht. 2. Mose/Exodus 25,16 zufolge werden in ihr die Tafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt. Gottes getragen.Jetzt stellten sie die Lade Gottes ab.Dann brachte Abjatar15,24 Abjatar: Sohn des Priesters aus Nob, später selbst Priester in Jerusalem. Er unterstützte David auf seinem Weg, König zu werden. Opfer dar,bis alle Leute aus der Stadt vorbeimarschiert waren.25Der König aber sagte zu Zadok:»Bring die Lade Gottes wieder in die Stadt zurück!Wenn ich Gnade gefunden habe vor den Augen des Herrn15,25 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.,lässt er mich eines Tages zurückkehren.Dann werde ich die Lade wiedersehen und den Platz,an dem sie steht.26Es könnte aber auch sein, dass er zu mir sagt:›Ich habe kein Gefallen mehr an dir!‹Dann soll er mit mir tun, was er für richtig hält.«

27Danach sagte der König zum Priester Zadok15,27 Zadok: Priester am Heiligtum zur Zeit von König David. Er gilt als Stammvater der Priester von Jerusalem.:»Verstehst du, was ich sagen will?Kehre ruhig in die Stadt zurück,mit deinem Sohn Ahimaaz und mit Abjatars Sohn Jonatan.Eure beiden Söhne sollen mit euch zurückkehren.28Dann aber haltet die Augen offen!Ich warte an den Übergängen über den Jordan,wo es in die Wüste geht.Dorthin sollt ihr mir eine Nachricht schickenund mir berichten, was sich in der Stadt getan hat.«29Zadok und Abjatar15,29 Abjatar: Sohn des Priesters aus Nob, später selbst Priester in Jerusalem. Er unterstützte David auf seinem Weg, König zu werden. brachten also die Lade Gottesnach Jerusalem zurück und blieben dort.

Auf der Flucht: Beim Ölberg

30David15,30 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. stieg den Weg zum Ölberg15,30 Ölberg: Unmittelbar östlich von Jerusalem gelegen. Eine der Straßen von Jerusalem zum Jordan führte über den Ölberg. hinauf.Und während er hinaufstieg, weinte er.Er verhüllte sein Gesicht und ging barfuß.Auch alle Leute, die mit ihm zogen,verhüllten ihr Gesicht.So stiegen sie hinauf und weinten dabei.31Inzwischen erreichte David die Nachricht:»Ahitofel ist unter den Verschwörern bei Abschalom15,31 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9.Da sprach David ein Stoßgebet:»Ach Herr15,31 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., durchkreuze den Plan des Ahitofel!«32Und so geschah es,als David den Gipfel des Ölbergs erreichte.Genau an der Stelle,an der man sonst Gott anbetete,kam ihm der Arkiter Huschai entgegen.Er hatte sein Gewand zerrissen und Erde auf dem Kopf15,32 Erde auf dem Kopf: Das Bedecken von Kopf und Körper mit Erde gehört zu den Trauerbräuchen..33David sprach ihn an:»Wenn du mit mir kommst, fällst du mir nur zur Last.34Wenn du aber in die Stadt zurückkehrst,kannst du für mich den Plan Ahitofels durchkreuzen.Sag einfach zu Abschalom:›Hier ist dein Knecht, o König!Früher stand ich im Dienst deines Vaters.Jetzt aber will ich dir als Ratgeber dienen.‹So kannst du den Plan des Ahitofel hintertreiben.35Übrigens sind die Priester Zadok15,35 Zadok: Priester am Heiligtum zur Zeit von König David. Er gilt als Stammvater der Priester von Jerusalem. und Abjatar15,35 Abjatar: Sohn des Priesters aus Nob, später selbst Priester in Jerusalem. Er unterstützte David auf seinem Weg, König zu werden.mit dir in der Stadt.Jedes Wort, das du im Haus des neuen Königs hörst,sollst du den Priestern Zadok und Abjatar berichten.36Denn sie haben dort ihre beiden Söhne bei sich,Zadok den Ahimaaz und Abjatar den Jonatan.Durch sie könnt ihr mir eine Nachricht schickenund alles berichten, was ihr hört.«37So kam Huschai, der Freund Davids, in die Stadt.Und zur gleichen Zeit traf Abschalom in Jerusalem ein.