BasisBibel (BB)
12

Der Prophet Natan zieht David zur Rechenschaft

121Der Herr schickte Natan12,1 Natan: Prophet am Hof von König David. zu David.Als er zu ihm kam,erzählte er ihm eine Geschichte:»Zwei Männer lebten in einer Stadt.Der eine war reich, der andere arm.2Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder.3Der Arme aber hatte nichts als ein kleines Lamm.Das hatte er sich gekauft und aufgezogen.Es wuchs bei ihm heran, zusammen mit seinen Kindern.Es aß von seinem bisschen Brot, trank aus seinem Becherund schlief in seinem Schoß.Es war für ihn wie eine Tochter.4Eines Tages kam ein Reisender zu dem reichen Mann.Und es war üblich, ein Essen für den Gast zuzubereiten,der zu ihm gekommen war.Doch der reiche Mann wollte seinen Besitz schonenund keines von seinen Schafen und Rindern nehmen.Deshalb nahm er das Lamm des armen Mannes.Das bereitete er zu und setzte es dem Gast vor,der zu ihm gekommen war.«

5David12,5 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … wurde sehr zornig über den Mannund sagte zu Natan12,5 Natan: Prophet am Hof von König David.:»So gewiss der Herr lebt!Ein Kind des Todes ist der Mann, der das getan hat!6Und das Lamm muss er vierfach12,6 vierfach: So nach der Vorschrift in 2. Mose/Exodus 21,37. ersetzen –zur Strafe dafür, dass er das getan hatund das Lamm des Armen nicht verschonte.«7Doch Natan entgegnete David:»Du bist der Mann!So spricht der Herr12,7 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern., der Gott Israels:Ich habe dich zum König über Israel gesalbt12,7 zum König über Israel gesalbt: 1. Samuel 16,1-13 erzählt, dass David durch den Propheten Samuel zum König gesalbt wurde.und dich aus der Hand Sauls gerettet.8Den Besitz deines Herrn12,8 deines Herrn: Gemeint ist Saul, dessen Erbe nach dem Tod seines Sohnes Isch-Boschet an David ging. habe ich dir gegebenund die Frauen deines Herrn dir in den Schoß gelegt.Ich habe dir das Haus Israel und Juda12,8 Israel und Juda: David wurde zuerst König nur über den Stamm Juda und danach über alle Stämme Israels, vgl. 2. Samuel 2,4 und 2. Samuel 5,3. gegeben.Und wenn das zu wenig gewesen ist,dann will ich dir noch dies und das dazugeben!9Warum hast du das Wort des Herrn verachtet?Warum hast du getan, was er verurteilt:Den Hetiter12,9 Hetiter: Verweist auf die Herkunft Urijas aus einer Bevölkerungsgruppe, die nicht zum Volk Israel gehörte. Die Hetiter galten als Elitesoldaten. Urija hast du mit dem Schwert getötetund dann seine Frau geheiratet.Ja, du hast ihn durch das Schwert der Ammoniter12,9 Ammoniter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland.aus dem Weg geräumt.10So soll jetzt das Schwert für alle Zeitgegen dein Haus gerichtet sein –zur Strafe dafür, dass du mich verachtet hast:Du hast dir die Frau des Hetiters Urija genommenund sie zu deiner Frau gemacht.11So spricht der Herr12,11 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.: Ich werde dafür sorgen,dass aus deinem eigenen Haus Unheil über dich kommt.Vor deinen Augen nehme ich dir die Frauen wegund gebe sie einem, der dir nahesteht.Der wird mit deinen Frauen schlafenim hellen Licht der Sonne.12Du hast es im Geheimen getan.Ich aber lasse es im hellen Licht der Sonne geschehen,sodass ganz Israel zuschauen kann.«

13Da bekannte David12,13 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … vor Natan12,13 Natan: Prophet am Hof von König David.:»Ich habe Unrecht getan gegenüber dem HerrnUnd Natan antwortete David:»Der Herr sieht über deine Schuld hinweg,sodass du nicht sterben musst.14Doch der Sohn, der dir geboren ist, muss sterben.Denn du hast den Herrn dadurch verhöhnt,dass du ein solches Unrecht begangen hast.«15Und Natan ging nach Hause.

Davids Kind wird krank und stirbt

Der Herr ließ das Kind krank werden,das die Frau des Urija dem David12,15 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … geboren hatte.Es stand sehr schlecht um das Kind.16Da suchte David die Nähe zu Gott.Er fastete12,16 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr … streng wegen des Jungen.Und wenn er nach Hause kam,legte er sich zum Schlafen auf die Erdeund verbrachte dort die ganze Nacht.17Die Ältesten12,17 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. am Königshof bemühten sich um ihnund drängten ihn dazu, von der Erde aufzustehen.Aber er weigerte sichund wollte auch nicht mit ihnen essen.

18Am siebten Tag starb das Kind.Da wollte keiner ihm melden, dass das Kind tot sei.Denn die Diener Davids12,18 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … hatten Angst davorund sagten untereinander:»Als das Kind noch lebte, haben wir ihm zugeredet.Er aber hat nicht auf uns gehört.Wie können wir ihm jetzt sagen: Das Kind ist tot!Das wird böse ausgehen.«19David sah, wie seine Diener miteinander flüsterten.Da wurde ihm klar, dass das Kind gestorben war.David fragte seine Diener: »Ist das Kind tot?«Sie antworteten: »Es ist tot!«20Nun erhob sich David von der Erde,wusch sich, salbte sich und zog frische Kleider an.Dann ging er ins Haus des Herrn12,20 Haus des HERRN: Die Erzählung setzt hier bereits einen Tempel in Jerusalem voraus, der aber erst später von Salomo erbaut wird. und fiel dort nieder.Als er zurückkam, ließ er sich den Tisch decken und aß.21Da fragten ihn seine Diener verwundert:»Was bedeutet das, dass du dich so verhältst?Als das Kind noch lebte, hast du gefastet und geweint.Jetzt, wo das Kind tot ist, stehst du auf und isst.«22Er antwortete:»Solange das Kind noch lebte,habe ich gefastet und geweint.Denn ich dachte mir: Wer weiß?Vielleicht hat der Herr Erbarmen mit mir,und das Kind bleibt am Leben.23Jetzt aber ist es tot.Warum soll ich da noch weiter fasten?Kann ich es denn zurückholen?Eines Tages werde ich zu ihm ins Totenreich12,23 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt. Mehr … gehen.Aber zu mir zurückkehren, das wird es nicht!«

24Danach tröstete David seine Frau Batseba12,24 Batseba: Die frühere Frau des Urija, die David nach dessen Tod geheiratet hatte..Er ging zu ihr und schlief mit ihr.Sie brachte einen Sohn zur Welt und nannte ihn Salomo12,24 Salomo: Einer der berühmtesten Könige von Israel, der etwa 970–930 v. Chr. regierte. Mehr ….Den liebte der Herr.25Und so ließ er durch den Propheten Natan ausrichten,dass man ihm den Namen Jedidja12,25 Jedidja: Der Name bedeutet »Liebling des Herrn«. geben soll.So wollte es der Herr.

Joab erobert die Hauptstadt der Ammoniter

26Joab12,26 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids. kämpfte gegen das ammonitische Rabba12,26 Rabba: Hauptstadt der Ammoniter, nordöstlich vom Toten Meer.und eroberte die Königsstadt.27Joab schickte nun Boten zu David12,27 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … und ließ ihm sagen:»Ich habe gegen Rabba gekämpftund die Stadt von der Wasserversorgung abgeschnitten.28Ruf jetzt das übrige Heer zusammen und komm!Belagere die Stadt und erobere sie!Ich will es nicht selber tun,damit die Stadt nicht in meinen Besitz übergeht12,28 in meinen Besitz übergeht: Wörtlich »seinen Namen über etwas ausrufen«. Die hebräische Wendung bedeutet, dass etwas erworben, in Besitz genommen oder erobert wird.29Da rief David das ganze Heer zusammenund zog gegen Rabba ins Feld.Er kämpfte gegen die Stadt und eroberte sie.30Dann nahm er ihrem König die Krone vom Kopf.Die goldene Krone war sehr schwer12,30 war sehr schwer: Wörtlich »wog ein Kikkar«. Ein Kikkar ist eine Gewichtseinheit und entspricht etwa 34 kg.und mit einem kostbaren Edelstein besetzt.Sie wurde nun die Krone Davids.Und die Beute, die er aus der Stadt herausholte,war ungeheuer groß.31Die Bevölkerung der Stadt ließ er wegführenund für sich arbeiten.Er setzte sie ein bei den Stein- und Eisensägen.Sie mussten Steine behauen und Ziegel herstellen.So machte er es mit allen Städten der Ammoniter12,31 Ammoniter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland..Dann kehrte David mit dem ganzen Heernach Jerusalem12,31 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … zurück.
13

Abschalom und Amnon

2. Samuel 13,1-39

Die Schwester Abschaloms wird vergewaltigt

131Danach geschah Folgendes:Abschalom, der Sohn Davids, hatte eine Schwester,die Tamar hieß und sehr schön war.In sie verliebte sich Amnon, ein weiterer Sohn Davids13,1 ein weiterer Sohn Davids: Damit war Amnon der Halbbruder von Abschalom und Tamar..2Amnon war krank vor Liebe zu seiner Schwester Tamar,und das bedrückte ihn sehr.Denn sie war eine noch unverheiratete junge Frau13,2 unverheiratete junge Frau: Wörtlich »Jungfrau«. Als unverheiratete Frau lebte Tamar bei ihrer Mutter und damit in einem Haus des Königspalastes, zu dem der Prinz keinen Zutritt hatte..Und Amnon sah keine Möglichkeit,wie er an sie herankommen könnte.

3Nun hatte Amnon einen Freund, der Jonadab hieß.Er war der Sohn von Davids13,3 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … Bruder Schima.Dieser Jonadab war ein schlauer Kopf.4Und so fragte er Amnon:»Warum bist du, Sohn des Königs, so bedrückt,Morgen für Morgen?Willst du es mir nicht erzählen?«Da antwortete ihm Amnon:»Es ist wegen Tamar,der Schwester meines Bruders Abschalom13,4 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9..Ich bin in sie verliebt!«5Daraufhin gab ihm Jonadab den Rat:»Leg dich ins Bett und stell dich krank!Wenn dann dein Vater kommt, um nach dir zu schauen,sollst du zu ihm sagen:Lass doch meine Schwester Tamar kommenund mir etwas für einen Kranken zu essen bringen!Vor meinen Augen soll sie es zubereiten.Ich will ihr dabei zusehenund von ihrer Hand etwas essen.«6Amnon legte sich also hin und stellte sich krank.Der König kam auch, um nach ihm zu schauen.Da bat Amnon den König:»Lass doch meine Schwester Tamar kommen!Sie soll vor meinen Augen ein paar Herzkuchen13,6 Herzkuchen: Gebäck, mit dem eine besondere Zuwendung für kranke oder schwache Menschen zum Ausdruck gebracht wurde. backen.Von ihrer Hand will ich etwas davon essen.«

7David13,7 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … schickte jemand zu Tamar nach Hauseund ließ ihr sagen:»Geh doch ins Haus deines Bruders Amnonund mach ihm etwas zu essen!«8So ging Tamar ins Haus ihres Bruders Amnon.Der lag im Bett.Da nahm sie den vorbereiteten Teig, knetete ihnund formte ihn vor seinen Augen.Als sie mit dem Backen fertig war,9nahm sie die Herzkuchen aus der Backform.Sie stellte die Kuchen vor ihn hin.Amnon aber weigerte sich zu essen und sagte:»Alle hier sollen hinausgehen!«Da gingen alle Leute von ihm weg.10Dann verlangte Amnon von Tamar:»Bring mir die Kuchen ins Schlafzimmer!Von deiner Hand will ich sie essen.«Da nahm Tamar die Herzkuchen, die sie gebacken hatte,und brachte sie ihrem Bruder Amnon ans Bett.11Als sie das Essen reichte, kam sie ihm ganz nahe.Da packte er sie am Arm und sagte zu ihr:»Komm, schlaf mit mir, meine Schwester!«12Sie wehrte sich:»Nein, mein Bruder! Vergewaltige mich nicht!Denn so etwas tut man nicht in Israel!Tu nicht so etwas Schlimmes!13Denk doch an mich:Wo soll ich denn hin mit dieser Schande?Und denk an dich:Du wärst in Israel verschrien als ein gemeiner Kerl!Sprich doch mit dem König!Der wird es erlauben, dass ich deine Frau werde.«14Amnon aber wollte nicht auf sie hören.Er packte sie, vergewaltigte sie und schlief mit ihr.

15Hinterher begann Amnon sie unbändig zu hassen.Ja, der Hass, mit dem er sie hasste, war stärkerals die Liebe, die er für sie empfunden hatte.»Steh auf und hau ab!«, rief Amnon ihr zu.16Darauf sagte sie: »Nein, mein Bruder!Schick mich jetzt nicht fort!Das wäre noch schlimmer als das Unrecht,das du mir angetan hast.«Aber er wollte nicht auf sie hören.17Vielmehr rief er seinen Hausdiener und befahl:»Weg mit dieser Frau!Werft sie aus dem Haus!Und du, schließ die Tür hinter ihr zu!«18Tamar hatte an diesem Tag ein langes Kleid an.Damals trugen Prinzessinnen solche Obergewänder,solange sie noch unverheiratet waren.Der Diener warf sie also aus dem Hausund schloss die Tür hinter ihr zu.19Da streute sich Tamar Staub auf den Kopf13,19 Staub auf den Kopf: Das Bedecken von Kopf und Körper mit Staub gehört wie das Zerreißen der Kleider zu den Trauerbräuchen.und zerriss das lange Kleid13,19 zerriss das lange Kleid: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung., das sie am Leib trug.Dann schlug sie die Hände über dem Kopf zusammenund ging laut schreiend davon.20Ihr Bruder Abschalom aber fragte sie:»Hatte dein Brüderchen Amnon etwas mit dir?Dann schweig jetzt darüber, meine Schwester!Er ist ja schließlich dein Bruder.Nimm dir diese Sache nicht so zu Herzen!«Tamar aber war am Boden zerstört.So blieb sie im Haus ihres Bruders Abschalom.

21Als König David erfuhr, was da vorgefallen war,wurde er sehr zornig.22Abschalom jedoch redete kein Wort mehr mit Amnon,weder im Bösen noch im Guten.So sehr hasste Abschalom seinen Bruder Amnon,weil er seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.

Abschalom sinnt auf Rache

23Zwei Jahre waren seitdem vergangen.Abschalom13,23 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war gerade beim Scheren der Schafein Baal-Hazor, das bei dem Ort Efraim liegt.Dazu wollte er alle Königssöhne einladen.24So ging Abschalom zum König und sagte:»Dein Knecht feiert ein Fest zur Schafschur.Der König soll mit seinen Vertrauten kommenund mit deinem Knecht dorthin gehen.«25Aber der König entgegnete Abschalom: »Nein, mein Sohn!Wir können doch nicht alle mitkommen.Sonst fallen wir dir nur zur Last.«Abschalom versuchte alles.Doch der König ließ sich nicht umstimmenund segnete ihn zum Abschied.26Zuletzt sagte Abschalom zu ihm:»Wenn du schon nicht mitkommst,dann soll wenigstens mein Bruder Amnon13,26 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. mit uns gehen.«Der König fragte ihn: »Warum soll er mit dir kommen?«27Und Abschalom versuchte alles, bis der König nachgab:Er ließ Amnon und alle Königssöhne mit ihm ziehen.

28Danach befahl Abschalom seinen Knechten:»Passt auf! Sobald Amnon13,28 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. vom Wein berauscht ist,sage ich zu euch: ›Schlagt Amnon tot!‹Dann tötet ihn, habt keine Angst!Ich selbst habe es euch befohlen.Seid stark und mutig!«29Die Knechte Abschaloms machten es mit Amnon so,wie es Abschalom verlangt hatte.Da sprangen alle anderen Söhne des Königs auf.Sie schwangen sich auf ihre Maultiere13,29 Maultier: Kreuzung aus Pferd und Esel. Maultiere waren die Reittiere der Königsfamilie, wurden aber auch als Lasttiere eingesetzt. und flohen.

Die Schreckensnachricht erreicht Jerusalem

30Während sie noch unterwegs waren,verbreitete sich am Königshof Davids das Gerücht:»Abschalom hat alle Königssöhne erschlagen!Kein einziger von ihnen hat überlebt.«31Da stand der König auf, zerriss seine Kleider13,31 seine Kleider zerreißen: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung.und warf sich auf den Boden.Auch alle seine Knechte, die um ihn standen,zerrissen sich die Kleider.32Nur Jonadab, der Sohn von Davids Bruder Schima,trat dem Gerücht entgegen und sagte:»Mein Herr muss nicht glauben, dass alle jungen Leute,alle Söhne des Königs, umgebracht wurden.Nur Amnon ist tot!Denn was da auf den Befehl Abschaloms geschehen ist,war so von langer Hand geplant.Es stand fest seit dem Tag,als Amnon seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.33Doch jetzt, mein Herr und König,nimm dir die Sache nicht so zu Herzen!Denk nicht, dass alle Königssöhne tot sind!Nur Amnon13,33 Amnon: Halbbruder von Abschalom. Er vergewaltigte Tamar, die Schwester von Abschalom; vgl. 2. Samuel 13,1-22. ist tot.«

34Abschalom13,34 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war entkommen. –Auf der Mauer stand ein Wächter und hielt Ausschau.Plötzlich entdeckte er einen Haufen Menschen.Die kamen auf dem Weg,der westlich von ihm am Abhang entlangführte.35Da sagte Jonadab zum König:»Siehst du! Die Söhne des Königs sind gekommen!Es ist genau so, wie dein Knecht es vorausgesagt hat.«36Kaum hatte er ausgeredet,da kamen auch schon die Söhne des Königsund brachen in lautes Weinen aus.Auch der König und alle seine Hofleute weinten heftig.

Abschalom flieht nach Geschur zu seinem Großvater

37Abschalom13,37 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war entkommen und zu Talmai13,37 Talmai: Großvater von Abschalom, vgl. 2. Samuel 3,3.. geflohen,dem Sohn des Ammihud, dem König von Geschur. –David aber trauerte um seinen Sohn sehr lange Zeit.

38Abschalom13,38 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. war also entkommen und nach Geschur13,38 Geschur: Land der Geschuriter in der Wüste südlich von Juda. gegangen.Dort blieb er drei Jahre. –39David wollte gegen Abschalom ins Feld ziehen,doch der Zorn des Königs legte sich mit der Zeit.Er hatte sich mit dem Tod Amnons13,39 Amnon: Halbbruder von Abschalom, der dessen Schwester Tamar vergewaltigte; vgl. 2. Samuel 13,1-22. abgefunden.
14

Abschaloms Rückkehr

2. Samuel 14,1-33

Joab hat einen Plan

141Joab14,1 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids., dem Sohn der Zeruja, blieb nicht verborgen,dass die Gedanken des Königs um Abschalom kreisten.2Deshalb schickte Joab jemanden nach Tekoa14,2 Tekoa: Ortschaft etwa 20 km südlich von Jerusalem.und ließ von dort eine kluge Frau14,2 kluge Frau: Eine mit Weisheit und diplomatischem Geschick begabte Frau, die auch in der Politik die Funktion einer Ratgeberin wahrnehmen konnte. holen.Zu ihr sagte er:»Tu so, als ob du in Trauer bist!Zieh Trauerkleider14,2 Trauergewand: Kleidungsstück aus rauem Leinen, das zum Zeichen von Trauer oder Buße auf bloßer Haut getragen wurde. Es wird auch »Sack« genannt. an, salbe dich nicht mit Öl14,2 nicht mit Öl salben: Das Unterlassen der Körperpflege gehört zu den Trauerbräuchen.!Spiel eine Frau,die schon lange um einen Verstorbenen trauert!3Dann geh zum König und rede mit ihm so und so!«Und die Worte, die sie sagen sollte,legte Joab ihr in den Mund.

Die kluge Frau aus Tekoa

4Die Frau aus Tekoa14,4 Tekoa: Ortschaft etwa 20 km südlich von Jerusalem. kam zum König,verneigte sich und warf sich mit dem Gesicht zur Erde.Dann rief sie: »Hilf mir, mein König!«5Der König fragte sie: »Was hast du denn?«Sie antwortete: »Ach, ich bin eine arme Witwe!Mein Mann ist tot.6Deine Magd aber hatte zwei Söhne.Die beiden waren draußen auf dem Feld,als sie miteinander in Streit gerieten.Da niemand da war, der dazwischengehen konnte,ging der eine auf den anderen los und schlug ihn tot.7Daraufhin stellten sich alle Verwandten gegen mich.Sie sagten zu deiner Magd14,7 Magd: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen.:›Gib den Mörder seines Bruders heraus!Wir wollen ihn töten für das Leben seines Bruders,den er umgebracht hat.So können wir auch noch den Erben beseitigen.‹Aber ich hab doch nur noch diese eine Kohle im Feuer!Wenn sie ihre Glut auslöschen,wird damit auch der Name14,7 Name: Nach biblischer Vorstellung lebt ein Verstorbener in der Erinnerung seiner Nachkommen fort. Die Auslöschung des Namens bedeutet seine endgültige Vernichtung. meines Mannes ausgelöscht.Er wird keinen Nachkommen mehr haben auf der Erde.«8Da sagte der König zu der Frau: »Geh heim!Ich selbst nehme die Sache in die Hand.«9Aber der Frau aus Tekoa war das noch nicht genug.Sie sagte zum König:»Doch die Schuld14,9 Schuld: Die Tat kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Das vergossene Blut bedeutet deshalb eine fortwährende Bedrohung. bleibt, mein Herr und König!Sie lastet auf mir und dem Haus meines Vaters.Der König aber und sein Thron bleiben davon frei.«10Da versicherte ihr der König:»Wenn dich jemand wegen dieser Sache angeht,dann schick ihn zu mir!Er wird dir nicht noch einmal zu schaffen machen.«11Daraufhin sagte sie:»Sei doch so gut, mein König,und bekräftige es beim Herrn, deinem Gott.So kann ich sicher sein,dass sie meinen zweiten Sohn nicht töten.Der Bluträcher14,11 Bluträcher: Der nächste männliche Verwandte eines getöteten Familienmitglieds, der die Pflicht hatte, den Mörder zu töten; vgl. 4. Mose/Numeri 35,19-27. würde sonst noch mehr Unheil anrichten.«Er antwortete: »Beim Leben des Herrn!Kein Haar soll deinem Sohn gekrümmt werden!«

12Die Frau sagte weiter:»Erlaubst du deiner Magd14,12 Magd: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen., dass sie weiterredet?Ich möchte meinem Herrn und König noch etwas sagen.«Er antwortete: »Ja, sprich!«13Da sagte die Frau:»Warum hast du im Sinn,dem Volk Gottes ein ähnliches Unrecht anzutun?Mit dem Urteil, das der König gerade gefällt hat,spricht er sich selbst schuldig.Denn der König hat seinen eigenen Sohn verstoßenund ist nicht bereit, ihn zurückkehren zu lassen.14Wir alle müssen ja eines Tages sterben.Wir sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird.Man kann es nicht wieder zurücknehmen.Gott aber nimmt keinem das Leben,der sich über diese Frage Gedanken macht:Soll einer, den man verstoßen hat,für immer verstoßen bleiben?15Ich bin heute hierhergekommen,um diese Sache meinem Herrn und König vorzutragen.Denn die Leute haben mir Angst gemacht.Und so dachte sich deine Magd:Ich will darüber mit dem König reden.Vielleicht kann der König etwas tun in der Sache,die seiner Dienerin am Herzen liegt.16Denn der König wird mir zustimmenund seine ergebene Dienerin beschützen.Dann wird es keiner mehr wagen,mich und meinen Sohn zu vernichtenund aus der Gemeinschaft mit Gott zu drängen.17Und auch das hat sich deine Magd überlegt:Wenn mein Herr und König die Sache entscheidet,komme ich endlich wieder zur Ruhe.Denn mein Herr, der König, ist wie der Engel Gottes.Er hört heraus, was gut ist und was böse.Der Herr, dein Gott, sei mit dir!«

18Der König antwortete und verlangte von der Frau:»Verheimliche mir nichts,wenn ich dich jetzt nach etwas frage!«»Nur zu, mein Herr und König!«, sagte die Frau.19Da fragte sie der König:»Hatte Joab14,19 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids. bei der ganzen Sache seine Hand im Spiel?«Die Frau antwortete darauf:»Bei deinem Leben, mein Herr und König!Es ist unmöglich, deiner Frage auszuweichen,mein Herr und König, weder so noch so.Ja wirklich, dein Knecht Joab steckt dahinter.Er hat deiner Magd alle diese Worte in den Mund gelegt.20Er wollte der Sache ein anderes Gesicht geben.Deshalb hat dein Knecht14,20 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. Joab es so eingefädelt.Aber mein Herr ist klug,so klug wie der Engel Gottes.Er durchschaut alles, was auf der Erde geschieht.«

Abschalom darf nach Jerusalem kommen

21Nun wandte sich der König direkt an Joab14,21 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids.:»Also gut, ich bringe die Sache in Ordnung!Geh und hol den jungen Mann, hol Abschalom14,21 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. zurück!«22Joab warf sich mit dem Gesicht auf den Boden.Dann verneigte er sich vor dem König und segnete ihn.Joab sagte: »Heute habe ich erfahren,dass ich dir etwas bedeute, mein Herr und König.Der König hat die Sache in Ordnung gebracht,die seinem Knecht am Herzen lag.«23Dann stand Joab auf, ging nach Geschurund brachte Abschalom nach Jerusalem zurück.24Der König entschied:»Abschalom soll in sein Haus gehen.Er darf mir nicht unter die Augen treten!«So kehrte Abschalom in sein Haus zurück.Den König aber bekam er nicht zu Gesicht.

Nachrichten über Abschalom

25In ganz Israel gab es keinen wie Abschalom14,25 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9.,der so schön war und so sehr bewundert wurde.Von Kopf bis Fuß war an ihm nichts auszusetzen.26Einmal im Jahr ließ er sich das Haar schneiden.Denn es war so schwer, dass er es abschneiden musste.Das abgeschnittene Haar wog über zwei Kilogramm14,26 über zwei Kilogramm: Wörtlich »200 Schekel«. Ein Schekel entspricht etwa 12 g..27Abschalom hatte drei Söhne und eine Tochter.Diese hieß Tamar und war ein sehr schönes Mädchen.

Joab vermittelt zwischen Abschalom und David

28Abschalom14,28 Abschalom: Einer der Söhne von König David. Er versuchte seinen Vater gewaltsam vom Thron zu stoßen, vgl. 2. Samuel 15,7–19,9. wohnte schon zwei Jahre in Jerusalem14,28 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr ….Den König aber hatte er nicht zu Gesicht bekommen.29Abschalom wollte nun Joab14,29 Joab: Neffe Davids und Befehlshaber in dessen Heer. Er war für viele Jahre ein treuer Unterstützer Davids. dazu bewegen,zum König zu gehen und zu vermitteln.Deshalb ließ er ihn zu sich rufen.Doch der wollte nicht zu ihm kommen.Da ließ er ihn nochmals rufen.Doch er wollte noch immer nicht kommen.30Da sagte Abschalom zu seinen Knechten:»Seht ihr das Feld, das Joab gehört?Es liegt gleich neben meinem.Er hat dort Gerste angebaut.Geht jetzt und steckt es in Brand!«Und so machten es die Knechte des Abschalom,sie steckten das Feld in Brand.31Da machte sich Joab auf den Weg,kam zu Abschalom ins Haus und stellte ihn zur Rede:»Warum haben deine Knechte das Feld angezündet?Es gehört doch mir!«32Abschalom sagte daraufhin zu Joab:»Ich habe jemanden zu dir geschickt mit der Bitte,dass du zu mir kommst.Ich wollte, dass du zum König gehstund ihn für mich fragst:›Warum bin ich eigentlich von Geschur zurückgekehrt?Es wäre besser für mich gewesen dortzubleiben.‹Jetzt aber möchte ich das Gesicht des Königs sehen.Und wenn noch immer eine Schuld bei mir liegt,soll er mich töten.«33So ging Joab zum König und berichtete ihm davon.Da rief der König den Abschalom zu sich.Und er kam, verneigte sich vor dem Königund warf sich mit dem Gesicht auf den Boden.Der König aber küsste Abschalom.