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Saul

1. Samuel 9,1–15,35

Saul wird König

1. Samuel 9,1–11,15

Saul sucht die Eselinnen seines Vaters

91Damals lebte ein Mann im Stamm Benjamin9,1 Benjamin: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt im judäischen Bergland, nördlich von Jerusalem.,der hieß Kisch.Er war der Sohn von Abiel, dem Sohn von Zeror,dem Sohne von Bechorat, dem Sohn von Afiach.Er war ein Benjaminiter,wohlhabend und einflussreich.2Der Mann hatte einen Sohn namens Saul9,2 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr..Der war jung und schön.Unter den Israeliten gab es keinen,der schöner gewesen wäre als er.Um einen Kopf war er größer als alle anderen im Volk.

3Eines Tages waren dem Kisch, dem Vater Sauls,die Eselinnen weggelaufen.Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul9,3 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr.:»Nimm dir einen von den jungen Männern!Geh mit ihm los und such die Eselinnen!«4Die beiden zogen durch das Gebirge Efraim9,4 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte.und durchstreiften die Landschaft Schalischa9,4 Schalischa: Die Lage dieser Landschaft und der folgenden Ortsnamen lässt sich nicht näher bestimmen..Doch sie fanden nichts.Sie zogen durch das Land Schaalim – wieder nichts.Dann durchwanderten sie die Landschaft Jemini.Doch sie fanden nichts.5Als sie in die Gegend von Zuf kamen,sagte Saul zu dem jungen Mann, der ihn begleitete:»Auf, lass uns umkehren!Sonst macht sich mein Vater noch Sorgen um unsstatt um die Eselinnen!«6Doch der entgegnete ihm:»Schau, dort in der Stadt gibt es einen Mann Gottes9,6 Mann Gottes: Verkündet wie ein Prophet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.!Der Mann ist bedeutend:Alles, was er sagt, trifft ganz gewiss ein.Lass uns doch dahin gehen.Vielleicht kann er uns den Weg sagen,auf dem wir weitersuchen sollen.«7Saul antwortete dem jungen Mann:»Einverstanden! Doch wenn wir hingehen:Wie könnten wir den Mann bezahlen?Das Brot in unseren Beuteln ist ja ausgegangen.Und ein Geschenk haben wir nicht,das wir dem Gottesmann bringen könnten.Unsere Taschen sind leer!«8Der junge Mann antwortete auf der Stelleund sagte zu Saul:»Schau, ich hab noch eine Silbermünze9,8 Silbermünze: Wörtlich »ein Viertel Silber-Schekel«. Ein Viertel Silber-Schekel ist eine Münze im Wert von etwa 3 g Silber. Damit lässt sich der Gottesmann für seine Auskunft angemessen bezahlen. gefunden.Die will ich dem Gottesmann geben,damit er uns den Weg sagt.«9– Früher sagten die Leute in Israel,wenn sie eine Antwort von Gott haben wollten:Kommt, wir gehen zum Seher9,9 Seher: Mensch, dem Gott die Gabe verliehen hat, verborgene Dinge und künftige Ereignisse vorherzusehen.!Denn wer heute als Prophet9,9 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. bezeichnet wird,den nannte man früher einen Seher. –10Da sagte Saul zu dem jungen Mann:»Also gut! Komm, wir wollen gehen!«So kamen sie zu der Stadt, wo der Gottesmann wohnte.

11Als sie den steilen Weg zur Stadt hinaufgingen,trafen sie einige Mädchen.Die waren gerade unterwegs zum Wasserholen.Sie fragten die Mädchen: »Ist der Seher9,11 Seher: Mensch, dem Gott die Gabe verliehen hat, verborgene Dinge und künftige Ereignisse vorherzusehen. hier?«12Sie antworteten: »Ja!Er ist euch schon ein gutes Stück voraus! Beeilt euch!Gerade heute ist er in die Stadt gekommen.Denn das Volk feiert heute ein Opferfest,oben auf dem Kultplatz9,12 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden..13Wenn ihr schnell in die Stadt geht,könnt ihr ihn noch treffen.Danach steigt er zum Kultplatz hinauf,um am Festessen teilzunehmen.Denn das Volk beginnt nicht mit dem Essen,bis er kommt.Er muss nämlich zuerst das Schlachtopfer9,13 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. segnen.Dann dürfen die geladenen Gäste davon essen.Jetzt geht los! Gerade heute könnt ihr ihn treffen.«14Da gingen sie zur Stadt hinauf.

Samuel und Saul treffen zusammen

Als Saul und sein Begleiter in die Stadt hineinkamen,da kam ihnen Samuel tatsächlich entgegen.Er wollte gerade zum Kultplatz9,14 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden. hinaufsteigen.15Der Herr9,15 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. hatte Samuel einen Tag zuvor angekündigt:16»Morgen um diese Zeit schicke ich einen Mann zu dir,der aus dem Land Benjamin kommt.Den sollst du zum königlichen Hirten9,16 königlicher Hirte: Ehrentitel für Könige im Alten Orient, der anzeigt, dass sie für den Schutz ihres Volkes zuständig sind. salben9,16 zum König salben: Teil der religiösen Handlung, mit der eine Person zum König gemacht wird. Ein wohlriechendes Öl wird dabei über bestimmte Körperteile ausgegossen.über mein Volk Israel.Er wird mein Volk aus der Gewalt der Philister9,16 Philister: Nachbarvolk Israels im Westen. Ihr Siedlungsgebiet lag vor allem in der südlichen Küstenebene am Mittelmeer. retten.Denn ich habe die Not meines Volkes gesehen,und ihr Hilferuf hat mich erreicht.«17Als nun Samuel Saul9,17 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. sah, sagte der Herr zu ihm:»Das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe:Der soll über mein Volk herrschen.«

18Im Stadttor ging Saul9,18 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. auf Samuel zu und fragte:»Sag mir doch, wo das Haus des Sehers ist!«19Samuel antwortete Saul: »Ich selbst bin der Seher9,19 Seher: Mensch, dem Gott die Gabe verliehen hat, verborgene Dinge und künftige Ereignisse vorherzusehen.!Geh du schon voraus, hinauf zum Kultplatz9,19 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden.!Denn dort sollst du heute mit mir essen.Morgen früh darfst du weiterziehen.Ich werde dir alle Fragen beantworten,die du auf dem Herzen hast.20Was die Eselinnen betrifft,die seit drei Tagen weg sind:Um sie brauchst du dir keine Sorgen zu machen.Denn sie wurden gefunden.Aber was ist mit der Suche Israels?Ist sie nicht viel wichtiger?Gilt sie nicht dir und dem ganzen Haus deines Vaters?«21Saul entgegnete: »Ich bin doch nur ein Benjaminit!Ich komme aus dem kleinsten Stamm in Israel.Und meine Familie ist ganz unbedeutend,unbedeutender als alle anderen Familien in Benjamin9,21 Benjamin: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt im judäischen Bergland, nördlich von Jerusalem..Warum redest du denn so mit mir?«

22Samuel nahm Saul9,22 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. und den jungen Mann mit sichund führte sie in die Halle beim Heiligtum.Er ließ sie Platz nehmen ganz oben am Tisch,wo die geladenen Gäste saßen, etwa 30 Personen.23Dann sagte Samuel zu dem Koch:»Bring das Stück Fleisch, das ich dir gegeben habe.Ich hab dir gesagt, dass du es zurücklegen sollst!«24Daraufhin brachte der Koch die Fleischkeule.Er stellte sie vor Saul auf den Tisch und sagte:»Das ist das Stück, das für dich zurückgelegt wurde.Es steht jetzt vor dir auf dem Tisch.Iss es, denn es ist für dich aufbewahrt worden –genau für diesen Moment.«So aß Saul mit Samuel an diesem Tag.25Danach stiegen sie vom Kultplatz9,25 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden. in die Stadt hinab.Auf dem Dach des Hauses richtete man ein Lager her,auf dem Saul sich schlafen legte.

26Als der Morgen dämmerte,rief Samuel zum Dach hinauf und sagte zu Saul9,26 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr.:»Steh auf, ich will dich noch ein Stück begleiten!«Da stand Saul auf, und beide gingen hinaus auf die Straße,Saul und Samuel.27Als sie zum Stadtrand kamen,sagte Samuel zu Saul:»Sag dem jungen Mann, der dich begleitet,er soll schon vorausgehen!Und du, bleib einen Augenblick hier stehen!Ich will, dass du ein Wort Gottes hörst.«Der junge Mann aber war schon vorausgegangen.
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Samuel salbt Saul zum König

10110,1 Vers 1: Der ausführliche Text von Vers 1 ist nur in der griechischen Übersetzung überliefert. Dann nahm Samuel eine Flasche mit Ölund goss es Saul10,1 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. über den Kopf.Er küsste ihn und sagte:»Sei gewiss: Dich hat der Herr10,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. gesalbt10,1 zum König salben: Teil der religiösen Handlung, mit der eine Person zum König gemacht wird. Ein wohlriechendes Öl wird dabei über bestimmte Körperteile ausgegossen.zum königlichen Hirten10,1 königlicher Hirte: Ehrentitel für Könige im Alten Orient, der anzeigt, dass sie für den Schutz ihres Volkes zuständig sind. über sein Volk Israel.Du wirst über das Volk des Herrn herrschen.Du rettest es aus der Gewalt seiner Feinde ringsum.Und dies ist das Zeichen dafür,dass dich der Herr zum königlichen Hirtenüber sein Eigentum10,1 Eigentum: Bezeichnung für das Volk Israel und Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen Gott, dem Land und seinem Volk. gesalbt hat:2Wenn du heute von mir weggehst,kommst du nach Zelzach ins Grenzgebiet zu Benjamin.Dort beim Grab der Rahel10,2 Grab der Rahel: Die Frau Jakobs wurde bei Rama nördlich von Jerusalem begraben. 1. Mose/Genesis 35,19 erzählt, dass das Grab an der Straße nach Betlehem lag. wirst du zwei Männer treffen.Die werden zu dir sagen:›Die Eselinnen wurden gefunden,nach denen du auf der Suche warst.Damit ist die Sache mit den Eselinnenfür deinen Vater erledigt.Jetzt macht er sich Sorgen um euch und fragt sich,was er für seinen Sohn tun kann.‹

3Wenn du von dort weiterziehst,kommst du zur Eiche von Tabor10,3 Eiche von Tabor: Markanter Ort in der Landschaft, der zur Orientierung diente. Er lag im Gebiet des Stammes Efraim, im mittleren Westjordanland..Dort begegnen dir drei Männer,die zum Heiligtum Gottes nach Bet-El10,3 Bet-El: Ortschaft 16 km nördlich von Jerusalem. Der Name bedeutet übersetzt »Haus Gottes«. unterwegs sind.Der eine trägt drei Ziegenböckchen,der andere drei Laibe Brotund der dritte einen Krug Wein.4Sie fragen dich, wie es dir geht.Dann geben sie dir zwei Laibe Brot.Die sollst du von ihnen annehmen.

5Danach kommst du nach Gibea Gottes10,5 Gibea Gottes: Wohnort und später Regierungssitz König Sauls, 5 km nördlich von Jerusalem. Heißt auch »Gibea-Benjamin« oder einfach »Gibea«.,wo der Kommandant der Philister10,5 Philister: Nachbarvolk Israels im Westen. Ihr Siedlungsgebiet lag vor allem in der südlichen Küstenebene am Mittelmeer. stationiert ist.Wenn du die Stadt erreicht hast,triffst du dort auf eine Schar von Propheten.Die kommen gerade vom Kultplatz10,5 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden. herab.Zur Musik von Bassleier10,5 Bassleier: Großes Musikinstrument mit tief klingenden Saiten., Handtrommel, Flöte und Leier10,5 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden.geraten sie ganz außer sich in ihrer Begeisterung.6In diesem Augenblick wird es geschehen,dass der Geist des Herrn10,6 Geist Gottes: Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt. über dich kommt.Dann wirst auch du von der Begeisterung erfasstund in einen anderen Menschen verwandelt.7Wenn aber alle diese Zeichen eingetroffen sind,dann tu, was zu tun ist!Denn Gott ist mit dir!«

8Und Samuel fügte hinzu:»Danach sollst du nach Gilgal10,8 Gilgal: Heiligtum in der Nähe von Jericho. Dort haben die Israeliten nach ihrem Durchzug durch den Jordan zwölf Steine aufgestellt, vgl. Josua 4,19-20. gehen.Geh mir voraus, ich komme nach!Ich selbst will dort die Opfer darbringen,Brandopfer10,8 Brandopfer: Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. und Schlachtopfer10,8 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde..Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme.Dann lasse ich dich wissen, was du tun sollst.«

9Als sich Saul10,9 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. umdrehte und von Samuel wegging,verwandelte ihn Gott in einen neuen Menschen10,9 neuer Mensch: Gott schenkt Saul die Eigenschaften, die er als zukünftiger König braucht..Noch am selben Tag trafen alle diese Zeichen ein.10Sie gingen also von dort nach Gibea10,10 Gibea: Stadt 5 km nördlich von Jerusalem. – und tatsächlich:Es kam ihnen eine Schar von Propheten entgegen.Augenblicklich kam der Geist Gottes10,10 Geist Gottes: Hier eine göttliche Kraft, die Saul in einen aus dem Alltag herausgehobenen Zustand prophetischer Ekstase versetzt. über ihn.Und Saul war ganz außer sich in seiner Begeisterung,als er mitten unter die Propheten10,10 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. geraten war.11Alle sahen das, die ihn von früher kannten.Und wie er so mit den Propheten außer sich war,begannen die Leute zu reden, einer zum andern:»Was ist denn mit dem Sohn des Kisch geschehen?Ist jetzt auch Saul unter die Propheten geraten?«12Daher kommt die Redensart:»Ist auch Saul unter den Propheten?«Einer von dort aber äußerte sich abfällig:»Von diesen Leuten kennt man ja nicht mal ihren Vater!«

13Als die Begeisterung vorüber war,die ihn unter den Propheten10,13 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. erfasst hatte,kam er nach Gibea.14Der Onkel Sauls fragte ihn und den jungen Mann,der ihn begleitet hatte:»Wo seid ihr gewesen?«Er sagte: »Wir wollten die Eselinnen suchen.Als wir sahen, dass sie nirgends zu finden waren,gingen wir zu Samuel.«15Das sagte der Onkel zu Saul10,15 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr.:»Erzähl mir doch, was Samuel euch gesagt hat?«16Saul antwortete seinem Onkel:»Er hat uns auf den Kopf zugesagt,dass die Eselinnen gefunden wurden.«Aber von der Sache mit dem Königtum,von der Samuel gesprochen hatte,erzählte er ihm nichts.

Saul wird in Mizpa zum König gemacht

17Samuel rief das Volk nach Mizpa10,17 Mizpa: Ortschaft etwa 12 km nördlich von Jerusalem. zusammenund ließ sie zum Heiligtum des Herrn10,17 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. kommen.18Dort sagte er zu den Israeliten:»So spricht der Herr10,18 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern., der Gott Israels:Ich habe Israel aus Ägypten geführt10,18 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit..Ich habe euch aus der Gewalt Ägyptens befreitund aus der Gewalt aller Königreiche,die euch bedrängt haben.19Ihr aber habt heute euren Gott verworfen10,19 euren Gott verworfen: Indem sich die Israeliten einen König wie alle anderen Völker wünschen, verwerfen sie Gott, den wahren König Israels.ihn, der euch aus Angst und Not gerettet hat.Denn ihr habt von ihm gefordert:›Setze einen König über uns ein!‹Darum stellt euch jetzt vor dem Herrn auf,geordnet nach Stämmenund in Gruppen von 1000 Mann.«20So ließ Samuel alle Stämme Israels10,20 Stämme Israels: Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen. antreten,um eine Königswahl durch das Los10,20 Los: Unterschiedlich markierte Steinchen, die in einem Behälter geschüttelt und auf den Boden geworfen wurden, um eine Entscheidung herbeizuführen. durchzuführen.Das Los fiel auf den Stamm Benjamin10,20 Benjamin: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt im judäischen Bergland, nördlich von Jerusalem..21Dann ließ er den Stamm Benjamin antreten,geordnet nach seinen Großfamilien.Das Los fiel auf die Großfamilie des Matri.Dann ließ er die Großfamilie des Matri antreten,und zwar Mann für Mann.Das Los fiel auf Saul, den Sohn des Kisch.Man suchte nach ihm, doch er war nirgends zu finden.22Da befragten sie noch einmal den Herrn:»Ist denn noch jemand hierhergekommen?«Der Herr gab die Antwort:»Gewiss! Doch er hat sich beim Gepäck versteckt.«23Da liefen sie los und holten ihn von dort.Als er sich mitten unter die Leute stellte, sah man:Er war einen Kopf größer als alle anderen im Volk.24Samuel sagte zum ganzen Volk:»Da seht ihr es: Ihn hat der Herr erwählt!Keiner ist wie er im ganzen Volk!«Da brach lauter Jubel los, und das ganze Volk rief:»Es lebe der König!«25Zum Schluss las Samuel dem Volk vor,welche Rechte der König besitzt.Die hatte er in ein Buch geschrieben,das er im Heiligtum vor den Herrn niederlegte.Dann verabschiedete Samuel das ganz Volk.Jeder ging nach Hause.

26Auch Saul10,26 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. ging heim nach Gibea10,26 Gibea: Stadt 5 km nördlich von Jerusalem..Und mit ihm zog eine Gruppe von Soldaten,deren Herz Gott berührt hatte.27Es gab aber auch andere,die waren gehässig und sagten:»Was kann der da uns helfen?«Sie blickten mit Verachtung auf ihn herabund brachten ihm keine Geschenke10,27 Geschenke: Der hebräische Text bietet anschließend noch zwei schwer verständliche Worte. Nach der griechischen Überlieferung gehören sie zum Beginn des nächsten Kapitels..
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Saul kommt der Stadt Jabesch zu Hilfe

111Etwa ein Monat11,1 etwa ein Monat: Die Übersetzung folgt der griechischen Überlieferung. war seitdem vergangen.Da begann Nahasch, der Ammoniter, einen Kriegund belagerte die Stadt Jabesch in Gilead11,1 Gilead: Landschaft im heutigen Jordanien, zwischen See Gennesaret und Totem Meer..Die Bewohner von Jabesch machten Nahasch das Angebot:»Schließe mit uns ein Bündnis!Dann werden wir uns dir unterwerfen.«2Der Ammoniter Nahasch gab ihnen zur Antwort:»Das ist meine Bedingung für ein Bündnis mit euch:Ich werde euch allen das rechte Auge ausstechen11,2 das rechte Auge ausstechen: Israel soll durch diese Drohung beleidigt und zum Krieg herausgefordert werden.und damit Schande über ganz Israel bringen.«3Die Ältesten11,3 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. der Stadt Jabesch ließen ihm sagen:»Lass uns noch sieben Tag Zeit.Wir wollen Boten ins ganze Gebiet Israels schicken.Sollte uns dann keiner zu Hilfe kommen,werden wir uns dir ergeben.«

4So kamen die Boten auch nach Gibea11,4 Gibea: Stadt 5 km nördlich von Jerusalem.,in den Heimatort Sauls11,4 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr..Als sie dem Volk ihre Lage schilderten,begannen alle Leute laut zu weinen.5In diesem Augenblick kam Saul zurück.Er war mit den Rindern auf dem Feld gewesen.Saul fragte: »Was ist denn hier los?Warum weinen die Leute?«Da erzählte man ihm von den schlimmen Dingen,die den Bewohnern von Jabesch drohten.6Als er von diesen Dingen hörte,kam der Geist Gottes über Saul.Und es packte ihn ein heiliger Zorn.7Er griff nach dem Gespann11,7 Gespann: Zwei Zugtiere, die mit einem Joch zusammengespannt werden, um einen Wagen zu ziehen. Rinderund schnitt die beiden Tiere in Stücke.Die Fleischstücke schickte er überall hin in Israelund ließ durch Boten ausrichten:»Wer nicht bereit ist,mit Saul und Samuel in den Krieg zu ziehen,dessen Rindern soll es ebenso ergehen.«Da erschrak das Volk so sehr vor dem Herrn11,7 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.,dass es geschlossen in den Krieg zog.8Saul musterte das Heer in Besek:Israel stellte 300.000 Mann und Juda 30.000 Mann.

9Nun sagte man zu den Boten, die gekommen waren:»Den Leuten von Jabesch-Gilead könnt ihr ausrichten:Morgen zur Mittagszeit bekommt ihr Hilfe!«Als die Boten heimkamen und die Nachricht weitergaben,waren die Männer von Jabesch sehr erleichtert.10Die Männer ließen nun den Ammonitern sagen:»Morgen wollen wir uns euch ergeben!Dann könnt ihr mit uns machen, was ihr wollt.«11Am anderen Morgen ließ Saul11,11 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. das Kriegsvolkin drei Abteilungen antreten.Noch war die Zeit der Morgenwache11,11 Morgenwache: Es war üblich, die Nacht in drei »Wachen« einzuteilen. Die letzte Wache dauerte von 2 bis 6 Uhr morgens. nicht vorbei,da drangen sie mitten in das feindliche Lager ein.Bis zur Mittagszeit hatten sie die Ammoniter besiegt.Nur wenige entkamenund liefen in alle Richtungen davon.Auch nicht zwei von ihnen blieben beisammen.

Saul wird als König bestätigt

12Das Volk sagte zu Samuel:»Wer hat damals schlecht von Saul11,12 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. geredet:›Soll der etwa König über uns sein?‹Her mit den Männern, wir wollen sie totschlagen!«13Saul erklärte jedoch:»Heute soll niemand sterben!Denn heute hat der Herr11,13 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. Israel geholfen.«

14Daraufhin forderte Samuel das Volk auf:»Kommt! Wir gehen nach Gilgal11,14 Gilgal: Heiligtum in der Nähe von Jericho. Dort haben die Israeliten nach ihrem Durchzug durch den Jordan zwölf Steine aufgestellt, vgl. Josua 4,19-20.!Dort wollen wir Saul11,14 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel um 1000 v. Chr. als König bestätigen.«15So ging das ganze Volk nach Gilgal.In Gilgal machten sie Saul zum Königin der Gegenwart des Herrn.Auch brachten sie Schlachtopfer11,15 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. darvor dem Herrn.Dann feierte Saul mit allen Israeliten.Sie freuten sich sehr.