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Der Weinberg des Nabot

1. Könige 21,1-29

Justizmord in der Stadt Jesreel

211Danach geschah Folgendes:Nabot, ein Bürger aus Jesreel21,1 Jesreel: Stadt am Ostrand der fruchtbaren Ebene Jesreel, in der die Könige Israels einen Palast hatten.,besaß einen Weinberg21,1 Weinberg: Ein mit einer Mauer umgebener Garten, in dem Wein angebaut wird. In Israel war das ein wertvoller Besitz. Mehr … in der Stadt Jesreel.Der lag gleich neben dem Palast Ahabs,des Königs von Samaria21,1 Samaria: Hauptstadt des Nordreichs Israel, 722 v. Chr. von den Assyrern zerstört..2Eines Tages sagte Ahab21,2 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). zu Nabot:»Überlass mir doch deinen Weinberg!Ich möchte mir einen Gemüsegarten anlegengleich neben meinem Haus.Ich gebe dir dafür einen besseren Weinberg.Oder wenn es dir lieber ist,zahle ich dir einen guten Preis dafür.«3Nabot aber antwortete Ahab:»Der Herr lasse es nicht so weit kommen!Ich werde doch den Erbbesitz21,3 Erbbesitz: Die Macht des Königs ist begrenzt. Er hat keine Verfügungsgewalt über das Grundstück, das einem anderen als Erbbesitz gehört. nicht hergeben,den ich von meinen Vorfahren geerbt habe!«

4Da ging Ahab21,4 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). bedrückt und zornig nach Hause.Ihn ärgerte, dass Nabot aus Jesreel21,4 Jesreel: Stadt am Ostrand der fruchtbaren Ebene Jesreel, in der die Könige Israels einen Palast hatten. zu ihm gesagt hatte:»Auf keinen Fall werde ich den Erbbesitz hergeben,den ich von meinen Vorfahren geerbt habe!«Daheim legte er sich ins Bettund drehte sein Gesicht zur Wand.Er verweigerte sogar das Essen.

5Seine Frau Isebel ging zu ihm hinein und fragte ihn:»Warum bist du so schlecht gelaunt?Warum willst du nichts essen?«6Da erzählte er ihr:»Ich habe mit Nabot aus Jesreel21,6 Jesreel: Stadt am Ostrand der fruchtbaren Ebene Jesreel, in der die Könige Israels einen Palast hatten. geredetund ihm den Vorschlag gemacht:›Verkauf mir doch deinen Weinberg21,6 Weinberg: Ein mit einer Mauer umgebener Garten, in dem Wein angebaut wird. In Israel war das ein wertvoller Besitz. Mehr …!Oder wenn es dir besser gefällt,will ich dir einen anderen dafür geben.‹Er aber hat mir geantwortet:Auf keinen Fall bekommst du meinen Weinberg!«7Da sagte seine Frau Isebel zu ihm:»Du bist doch der König von Israel.Du hast die Macht.Also steh auf, iss und lass es dir gut gehen!Ich werde dir den Weinberg schon verschaffen,der Nabot aus Jesreel gehört.«

8Sogleich schrieb sie Briefe im Namen Ahabs21,8 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.).und verschloss sie mit dem königlichen Siegel21,8 Siegel: Ein persönlicher Stempel, durch dessen Abdruck ein Brief, eine Urkunde oder ein Vertrag beglaubigt wird. Mehr ….Dann schickte sie die Briefean die führenden Männer in Nabots Stadt:an die Ältesten21,8 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. und weitere einflussreiche Personen.9In den Briefen schrieb sie:»Lasst ein Fasten21,9 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr … ausrufen!Sorgt dafür,dass Nabot vor allen in der ersten Reihe sitzt!10Setzt ihm zwei gewissenlose Männer gegenüber.Die sollen als Zeugen gegen ihn aussagen:›Du hast Gott und den König verflucht21,10 verflucht: Gotteslästerung wird mit dem Tod bestraft, vgl. 3. Mose/Levitikus 24,15-16.!‹Dann führt ihn aus der Stadt hinausund steinigt21,10 Steinigung, steinigen: Hinrichtungsart, bei der ein Verurteilter öffentlich mit Steinen beworfen wird. Mehr … ihn zu Tode!«

11Die führenden Männer in der Stadt taten,was Isebel21,11 Isebel: Ehefrau von König Ahab. Sie stammte aus Phönizien. ihnen aufgetragen hatte.Die Ältesten21,11 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. und andere einflussreiche Personenbefolgten genau die Anweisungen in den Briefen,die Isebel ihnen geschrieben hatte.12Man veranstaltete ein öffentliches Fasten21,12 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr ….Nabot erhielt einen Platz in der ersten Reihe.13Sogleich kamen die beiden gewissenlosen Männerund setzten sich ihm gegenüber.Diese Schurken gaben sich als Zeugen ausund beschuldigten Nabot vor dem Volk:»Nabot hat Gott und den König verflucht21,13 verflucht: Gotteslästerung wird mit dem Tod bestraft, vgl. 3. Mose/Levitikus 24,15-16.Man führte ihn draußen vor die Stadtund bewarf ihn mit Steinen, bis er starb.14Dann sandte man an Isebel die Botschaft:»Nabot ist tot, er wurde gesteinigt.«

15Als Isebel21,15 Isebel: Ehefrau von König Ahab. Sie stammte aus Phönizien. die Nachricht erreichte,dass Nabot zu Tode gesteinigt worden war,sagte sie zu Ahab21,15 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.).: »Steh auf!Du kannst den Weinberg21,15 Weinberg: Ein mit einer Mauer umgebener Garten, in dem Wein angebaut wird. In Israel war das ein wertvoller Besitz. Mehr … jetzt haben,den Nabot aus Jesreel21,15 Jesreel: Stadt am Ostrand der fruchtbaren Ebene Jesreel, in der die Könige Israels einen Palast hatten. dir nicht verkaufen wollte.Denn er lebt nicht mehr, er ist tot.«16Als Ahab von Nabots Tod erfuhr,stand er auf und ging zu dem Weinberg.Er wollte das Land in Besitz nehmen,das Nabot aus Jesreel gehört hatte.

Elija tritt König Ahab entgegen

17Doch das Wort des Herrn kam zu Elija21,17 Elija: Prophet im Nordreich Israel. Sein Name bedeutet »Mein Gott ist der HerrMehr … aus Tischbe:18»Auf! Geh Ahab21,18 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). entgegen, dem König von Israel,der in Samaria21,18 Samaria: Hauptstadt des Nordreichs Israel, 722 v. Chr. von den Assyrern zerstört. regiert!Er hält sich gerade im Weinberg21,18 Weinberg: Ein mit einer Mauer umgebener Garten, in dem Wein angebaut wird. In Israel war das ein wertvoller Besitz. Mehr … Nabots auf.Er ist dort hingegangen, um ihn in Besitz zu nehmen.19Das sollst du zu ihm sagen:So spricht der Herr21,19 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.: Du hast gemordet!Jetzt willst du dich auch noch bereichern?‹Und weiter sollst du zu ihm sagen:So spricht der Herr:Wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben,dort sollen sie auch dein Blut lecken.«20Ahab sagte zu Elija:»Hast du mich gefunden, mein Feind?«Er antwortete: »Ja, ich habe dich gefunden!Denn du selbst hast dich in diese Lage gebracht.Du hast getan, was der Herr verurteilt.21Darum lässt er dir sagen:›Ich bringe großes Unglück über dich.Ich werde mit eisernem Besen auskehren.Alle Männer in Israel21,21 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.)., die zu Ahab gehören,werde ich ausrotten, Sklaven und Freie.22Ich werde mit deinem Königshaus verfahrenwie mit dem Haus Jerobeam21,22 Haus Jerobeam: Erstes Königshaus im Nordreich Israel. Die Könige aus dem Haus Jerobeam verstießen gegen Gottes Gebote, sodass Gott das Haus vernichtete; vgl. 1. Könige 15,25-32., des Sohnes von Nebat.Ich werde es vernichten wie das Haus Bascha21,22 Haus Bascha: Zweites Königshaus im Nordreich Israel. Die Könige aus dem Haus Bascha verstießen gegen Gottes Gebote, sodass Gott das Haus vernichtete; vgl. 1. Könige 16,8-14.,des Sohnes von Ahija.Denn du hast meinen Zorn21,22 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … herausgefordertund Israel zur Sünde21,22 Sünde: Meint hier vor allem die Anbetung fremder Götter, die für Israel verboten war. verführt.‹23Auch über Isebel21,23 Isebel: Ehefrau von König Ahab. Sie stammte aus Phönizien. hat der Herr etwas gesagt:›Die Hunde werden den Leichnam Isebels fressenan der Palastmauer in Jesreel21,23 Jesreel: Stadt am Ostrand der fruchtbaren Ebene Jesreel, in der die Könige Israels einen Palast hatten..‹24Wer von Ahabs Leuten in der Stadt stirbt,den sollen die Hunde fressen!Wer auf dem Feld stirbt,den sollen die Vögel des Himmels fressen!«

25In der Tat gab es niemanden,der so gern wie Ahab das tat, was der Herr verurteilt.Seine Frau Isebel verführte ihn dazu.26Er tat abscheuliche Dinge und lief den Götzen21,26 Götze: Abfällige Bezeichnung für eine fremde Gottheit oder ihr Standbild. nach.Dazu übernahm er die Bräuche der Amoriter21,26 Amoriter: Volksgruppe, die im Gebiet östlich und westlich des Jordan lebte, bevor das Volk Israel das Land in Besitz nahm.,die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte.

27Als Ahab21,27 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). die Drohung Elijas21,27 Elija: Prophet im Nordreich Israel. Sein Name bedeutet »Mein Gott ist der HerrMehr … hörte,zerriss er seine Kleider21,27 seine Kleider zerreißen: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung..Er zog sich ein Trauergewand21,27 Trauergewand: Kleidungsstück aus rauem Leinen, das zum Zeichen von Trauer oder Buße auf bloßer Haut getragen wurde. Es wird auch »Sack« genannt. über und fastete.Er schlief sogar darin und lief bedrückt umher.28Da kam das Wort des Herrn21,28 das Wort des HERRN kam: Typische Redewendung in prophetischen Büchern. Sie verdeutlicht, dass die Propheten in ihren Worten Gottes Willen weitergeben. zu Elija aus Tischbe:29»Hast du gesehen, wie Ahab sich vor mir gebeugt hat?Weil er sich vor mir gebeugt hat,will ich das Unglück nicht schon jetzt kommen lassen.Nein, nicht zu seinen Lebzeiten,sondern erst zu Lebzeiten seines Sohneswerde ich das Unglück kommen lassen.«
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Der Prophet Micha, der Sohn des Jimla

1. Könige 22,1-54

Ahab will gegen die Aramäer kämpfen

221Drei Jahre hatte es keinen Krieg gegebenzwischen Aram22,1 Aram: Bezeichnung für verschiedene Staaten im Gebiet des heutigen Syrien. und Israel22,1 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.)..2Im dritten Jahr des Friedensbekam der König von Israel Besuch:König Joschafat22,2 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). von Juda kam zu ihm.3Damals sagte der König von Israel zu seinen Leuten:»Gehört Ramot-Gilead22,3 Ramot-Gilead: Viel umkämpfte Stadt im Ostjordanland, 50 km südöstlich des See Gennesaret im heutigen Jordanien gelegen. nicht uns?Wir aber trauen uns nicht,es dem König von Aram wegzunehmen.«4Daraufhin fragte er Joschafat:»Willst du mit mir in den Krieg ziehenund Ramot-Gilead einnehmen?«Joschafat antwortete dem König von Israel:»Du kannst dich auf mich verlassen.Mein Volk soll wie dein Volk sein,meine Pferde wie deine Pferde.«

Ahab befragt die Propheten

5Joschafat hatte eine Bitte an den König von Israel:»Befrag zuerst den Herrn, bevor wir in den Krieg ziehen,am besten noch heute.«6Da rief der König von Israel die Propheten22,6 Propheten: Hier sind Männer gemeint, die zwar als Propheten auftreten, aber keine Botschaft von Gott erhalten haben. zusammen,es waren etwa 400 Mann.Er fragte sie:»Soll ich gegen Ramot-Gilead22,6 Ramot-Gilead: Viel umkämpfte Stadt im Ostjordanland, 50 km südöstlich des See Gennesaret im heutigen Jordanien gelegen. in den Krieg ziehenoder soll ich es lassen?«Sie antworteten: »Zieh los!Der Herr22,6 Herr: Hier steht im Hebräischen ausdrücklich nicht der Gottesname Herr. Dadurch wird deutlich, dass die Botschaft nicht von Gott kommt. gibt es in die Hand des Königs.«7Joschafat22,7 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). aber hakte nach:»Gibt es hier sonst keinen Propheten des Herrn22,7 Propheten des HERRN: Verkünden, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.?Lasst uns auch ihn befragen!«8Der König von Israel22,8 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). antwortete Joschafat:»Es gibt noch einen Mann,durch den wir den Herrn befragen können.Aber ich hasse ihn,denn er kündigt mir nie Gutes an, sondern nur Unheil.Es ist Micha, der Sohn des Jimla.«Joschafat erwiderte:»Der König sollte nicht so reden!«9Da rief der König von Israel einen Beamten des Hofesund befahl: »Hol schnell Micha, den Sohn des Jimla!«

10Der König von Israel22,10 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). und Joschafat22,10 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). von Judasaßen auf dem Platz22,10 Dreschplatz: Ebener Platz außerhalb einer Siedlung, auf dem das Getreide gedroschen und die Spreu vom Weizen getrennt wird. Mehr … am Stadttor Samarias22,10 Samaria: Hauptstadt des Nordreichs Israel, 722 v. Chr. von den Assyrern zerstört..Ein jeder saß königlich gekleidet auf seinem Thron.Vor ihnen standen die Propheten22,10 Propheten: Männer, die zwar den Titel »Prophet« tragen, aber keine Botschaft von Gott erhalten. und wollten weissagen.11Zidkija, der Sohn des Kenaana,machte sich Hörner aus Eisen.Dazu verkündete er: »So spricht der Herr:Hiermit wirst du die Aramäer niederstoßen,bis du sie vernichtet hast.«12Auch alle anderen Propheten weissagten so:»Zieh nach Ramot-Gilead22,12 Ramot-Gilead: Viel umkämpfte Stadt im Ostjordanland, 50 km südöstlich des See Gennesaret im heutigen Jordanien gelegen. und du wirst Erfolg haben!Denn der Herr gibt die Stadt in die Hand des Königs!«

13Der Bote, der Micha holen sollte, war jetzt bei ihm.Er sagte zu ihm:»Die Propheten22,13 Propheten: Männer, die zwar den Titel »Prophet« tragen, aber keine Botschaft von Gott erhalten. habe alle dasselbe geweissagtund dem König einen Sieg angekündigt.Rede doch auch wie sie und kündige Gutes an!«14Doch Micha entgegnete: »So gewiss der Herr lebt!Ich kann nur das sagen, was der Herr mir sagt!«

15Als er dann zum König kam, fragte der ihn:»Sollen wir gegen Ramot-Gilead22,15 Ramot-Gilead: Viel umkämpfte Stadt im Ostjordanland, 50 km südöstlich des See Gennesaret im heutigen Jordanien gelegen. in den Krieg ziehenoder sollen wir es lassen, Micha?«Er antwortete:»Zieh nach Ramot-Gilead und du wirst Erfolg haben!Denn der Herr gibt die Stadt in die Hand des Königs!«16Doch der König entgegnete:»Wie oft muss ich dich noch beschwören,mir im Namen des Herrn die Wahrheit zu sagen?«17Also sagte Micha:»Ich habe ganz Israel gesehen,wie sie zerstreut in den Bergen umherirrten.Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten22,17 Hirte: Verantwortlich für den Schutz und Bestand der Herde. In der Antike steht das Hirtenbild oft für den König oder für Gott. Mehr … haben.Und der Herr sagte:›Sie haben keine Herren mehr.Jeder soll in Frieden nach Hause gehen.‹«18Da wandte sich der König von Israel22,18 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). an Joschafat22,18 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.).:»Habe ich es dir nicht gesagt?Er kündigt mir nie Gutes an, sondern nur Unheil.«19Micha aber sprach weiter: »Höre das Wort des Herrn!Ich habe den Herrn gesehen,wie er auf seinem Thron saß.Das ganze himmlische Heer22,19 himmlisches Heer: Gott wird in der Bibel oft »Herr der himmlischen Heere« genannt. Hier kann man sie sich als himmlische Ratsversammlung vorstellen.stand zu seiner Rechten und zu seiner Linken.20Der Herr fragte: ›Wer will Ahab22,20 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). so verwirren,dass er gegen Ramot-Gilead zieht und es überfällt?‹Verschiedene Vorschläge wurden gemacht.21Schließlich kam ein Geist22,21 Geist: Gehört zur himmlischen Ratsversammlung, die Gott umgibt., trat vor den Herrnund sprach: ›Ich werde ihn verwirren!‹Der Herr fragte: ›Womit?‹22Er antwortete: ›Ich werde zu einem Lügengeist werdenund durch alle seine Propheten sprechen.‹Der Herr sprach darauf:›Mach es so und verwirre ihn, wenn du kannst!‹23Du, König, siehst also:Der Herr hat einen Lügengeist geschickt,der durch alle deine Propheten spricht.Denn der Herr hat beschlossen,Unheil über dich zu bringen.«

24Da trat Zidkija, der Sohn des Kenaana, hinzuund schlug Micha ins Gesicht.Dann sprach er: »Wie?Hat mich etwa der Geist des Herrn verlassen,um nur noch mit dir zu reden?«25Micha antwortete:»Du wirst es an dem Tag wissen,an dem du verzweifelt versuchst, dich zu verstecken.«26Da gab der König von Israel22,26 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). den Befehl:»Ergreift Micha und führt ihn ab!Bringt ihn zum Kommandanten Amon und zu Prinz Joasch!27Dann sollt ihr ihnen melden: ›So spricht der König:Werft diesen Mann ins Gefängnis!Gebt ihm so wenig Brot und Wasser22,27 wenig Brot und Wasser: Meint die zum Überleben notwendige Notration, und kein bisschen mehr. wie möglich,bis ich wohlbehalten wiederkomme.‹«28Micha erwiderte:»Wenn du wirklich wohlbehalten wiederkommst,dann hat der Herr nicht durch mich gesprochen.«Und er fügte noch hinzu: »Alle Völker sollen es hören!«22,28 »Alle Völker sollen es hören!«: Micha ruft die Völker als Zeugen an.

Israel und Juda kämpfen gegen die Stadt Ramot-Gilead

29Der König von Israel22,29 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). und Joschafat22,29 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). von Juda22,29 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr …zogen also nach Ramot-Gilead22,29 Ramot-Gilead: Viel umkämpfte Stadt im Ostjordanland, 50 km südöstlich des See Gennesaret im heutigen Jordanien gelegen. zum Kampf.30Der König von Israel aber sagte zu Joschafat:»Ich werde mich verkleiden,wenn ich den Kampf ziehe.Du aber bleibe, wie du bist, königlich gekleidet.«So zog der König von Israel verkleidet in den Kampf.31Der König von Aram22,31 Aram: Bezeichnung für verschiedene Staaten im Gebiet des heutigen Syrien. hatte einen Befehl ausgegebenan die 32 Offiziere, die seine Streitwagen22,31 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. Mehr … führten.Ihnen hatte er befohlen:»Greift keinen anderen an außer den König von Israel,egal, welchen Rang er hat!«32Als sie nun Joschafat sahen, dachten die Offiziere:»Das kann nur der König von Israel sein.«Also griffen sie ihn an.Doch Joschafat schrie laut um Hilfe.33Da bemerkten die Offiziere,dass er nicht der König von Israel war.Deshalb ließen sie wieder von ihm ab.

34Einer der Männer hatte seinen Bogen gespanntund schoss wahllos einen Pfeil ab.Dabei traf er den König von Israel22,34 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.).genau zwischen zwei Teilen seiner Rüstung.Dieser befahl seinem Wagenlenker:»Dreh um und bringe mich aus der Schlacht!Ich bin schwer verwundet.«35Der Kampf wurde immer heftiger an diesem Tag.Um gegenüber den Aramäern22,35 Aram: Bezeichnung für verschiedene Staaten im Gebiet des heutigen Syrien. keine Schwäche zu zeigen,blieb der König im Wagen noch lange aufrecht stehen.Am Abend starb er.Aus seiner Wunde war viel Blut geflossen,das Innere des Wagens war voll davon.36Bei Sonnenuntergang ließ man im Lager ausrufen:»Jeder soll in seine Stadt zurückkehren!Jeder soll heim zu seinem Land gehen!«

37So starb also der König.Man brachte ihn nach Samaria22,37 Samaria: Hauptstadt des Nordreichs Israel, 722 v. Chr. von den Assyrern zerstört.und begrub ihn dort.38Den Wagen stellte man an den Teich von Samaria.Als man ihn dort sauber machte,leckten die Hunde sein Blut auf.Und in dem vom Blut rot gefärbten Wasserwuschen sich die Huren.So erfüllte sich das Wort des Herrn,das er gesprochen hatte22,38 gesprochen hatte: In 1. Könige 21,19 hatte der Prophet Elija König Ahab diese Strafe angekündigt..39Die übrigen Berichte über Ahab22,39 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). finden sichin der Chronik der Könige von Israel22,39 Chronik der Könige von Israel: Ein uns unbekanntes Buch, das vermutlich Aufzeichnungen über den Königshof und die Regierungszeit einzelner Könige umfasste..Dort sind seine Taten aufgeschrieben.Es ist auch aufgelistet, was er gebaut hat:das Elfenbeinhaus22,39 Elfenbeinhaus: Eine Art kleiner Palast, der mit Schnitzereien aus Elfenbein verziert war, wie es für die phönizische Kultur seiner Frau Isebel typisch war. und viele Städte.40Dann starb Ahabund sein Sohn Ahasja22,40 Ahasja: König des Nordreichs Israel (852–851 v. Chr.). wurde König an seiner Stelle.

Südreich Juda: König Joschafat

41Joschafat22,41 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.)., der Sohn des Asa, wurde König von Judaim vierten Regierungsjahr des Königs Ahab22,41 Ahab: König des Nordreichs Israel (871–852 v. Chr.). von Israel.42Er war 35 Jahre alt, als er König wurde.25 Jahre lang herrschte er in Jerusalem22,42 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr ….Seine Mutter war Asuba, eine Tochter des Schilhi.43Er folgte ganz dem guten Vorbild seines Vaters Asa22,43 Asa: Von der Regierungszeit des Königs Asa erzählt 1. Könige 15,9-24..Er ließ sich davon auch nicht abbringenund tat, was dem Herrn gefiel.44Nur die Kultplätze22,44 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden. verschwanden nicht:Das Volk brachte dort weiterhin Schlachtopfer22,44 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. Mehr … darund verbrannte Räucheropfer22,44 Räucheropfer: Verbrennen von Weihrauch oder anderen Duftharzen auf einem Räucheraltar. Mehr ….45Mit dem König von Israel22,45 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). lebte Joschafat in Frieden.46Die übrigen Berichte über Joschafat finden sichin der Chronik der Könige von Juda22,46 Chronik der Könige von Juda: Ein uns unbekanntes Buch, das vermutlich Aufzeichnungen über den Königshof und die Regierungszeit einzelner Könige umfasste..Dort sind auch seine Erfolge verzeichnet,und es wird beschrieben, wie er Krieg führte.47Außerdem schaffte er die Hurerei am Tempel22,47 Hurerei am Tempel: Eine Form von Götzendienst. Sie hatte das Ziel, die Fruchtbarkeit zu steigern, und war wahrscheinlich mit sexuellen Handlungen verbunden. ab.Sein Vater Asa hatte sie noch geduldet.Aber er befreite das Land davon.

48Edom22,48 Edom: Nachbarstaat Israels im Süden. hatte damals keinen König,sondern ein Verwalter regierte das Land.49Joschafat22,49 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). hatte große Handelsschiffe22,49 große Handelsschiffe: Wörtlich »Schiffe aus Tarschisch«. Sie sind nach der phönizischen Kolonie Tartessos in Spanien benannt und zeichnen sich durch besondere Seetüchtigkeit aus. bauen lassen.Die sollten nach Ofir22,49 Ofir: Gegend auf der südlichen arabischen Halbinsel, die für ihre Goldvorkommen berühmt war. fahren und Gold holen.Aber dazu kam es nicht:Sie zerschellten bei Ezjon-Geber22,49 Ezjon-Geber: Hafenstadt am Golf von Akaba..50Damals sagte Ahasja22,50 Ahasja: König des Nordreichs Israel (852–851 v. Chr.)., der Sohn des Ahab, zu Joschafat:»Lass meine Leute doch mit deinen Leuten fahrenund gemeinsam auf den Schiffen unterwegs sein.«Das wollte Joschafat aber nicht.51Dann starb Joschafat.Er wurde in der Stadt Davids22,51 Stadt Davids: Name für den ältesten besiedelten Teil Jerusalems, im Südosten der heutigen Altstadt gelegen. Der Name erinnert an die Eroberung durch König David, vgl. 2. Samuel 5,6-9. begraben,wo David22,51 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr … und auch seine anderen Vorfahren lagen.Sein Sohn Joram22,51 Joram: König des Südreichs Juda (847–841 v. Chr.). wurde König an seiner Stelle.

Nordreich Israel: König Ahasja

52Ahasja22,52 Ahasja: König des Nordreichs Israel (852–851 v. Chr.)., der Sohn des Ahab, wurde König über Israelim 17. Regierungsjahr des Königs Joschafat22,52 Joschafat: König des Südreichs Juda (868–847 v. Chr.). von Juda.Zwei Jahre lang regierte ervon Samaria22,52 Samaria: Hauptstadt des Nordreichs Israel, 722 v. Chr. von den Assyrern zerstört. aus über Israel.53Er tat, was der Herr verurteilt.Er folgte dem schlechten Vorbild seiner Eltern22,53 seiner Eltern: 1. Könige 16,29–22,40 erzählt davon, dass König Ahab und seine Frau Isebel Götzendienst in Israel eingeführt und gegen viele weitere Gebote Gottes verstoßen haben.und des Jerobeam, des Sohnes von Nebat.Der hatte Israel zur Sünde verführt22,53 zur Sünde verführt: König Jerobeam I. hatte Statuen von goldenen Kälbern anfertigen und sie als Götterstatuen in Tempeln außerhalb Jerusalems anbeten lassen, vgl. 1. Könige 12,25-32..54Ahasja betete Baal22,54 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. Mehr … an und fiel vor ihm auf die Knie.So machte er den Herrn, den Gott Israels, zornig.Genauso hatte es schon sein Vater getan.