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Wenn man sich an 365 Tagen durch die Heilige Schrift liest, ist man am Anfang hoch motiviert, und dann kommen die Durststrecken. Das ist ganz normal und menschlich.

Wir möchten Ihnen mit dieser Rubrik Impulse zur täglichen Bibellese Anregungen geben, wie Sie die Zeit mit der Jahresbibel immer wieder anders und neu gestalten können. Alle Impulse sind nur ein Hilfsmittel. Sie sind kein Selbstzweck. Sie haben die Aufgabe, uns tiefer in den Bibeltext hineinzuführen, Ablenkung zu vermeiden und durch die neue Gestaltung neue Durchblicke und auch Erkenntnisse bei gut bekannten Bibeltexten zu ermöglichen.

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Der Raum

"Raum ist in der kleinsten Hütte". Dieses Sprichwort macht deutlich, dass zwischen der Gestaltung eines Raumes und seiner Größe gemessen in Quadrat- oder Kubikmetern kein Zusammenhang bestehen muss.

Überall auf der Erde, wo Menschen religiöse Gestaltung für sich finden, hat sich ein besonderer Raum dafür herausgebildet. In den unterschiedlichen Religionen heißt er Tempel, Kirche, Moschee oder Synagoge. Das Gemeinsame an diesen Räumen ist, dass die Menschen erkannt haben, dass es hilfreich ist, wenn man beim Nachdenken über das Ewige einen besonderen Ort hat, an dem sich der menschliche Geist konzentriert ausrichten kann.

Wenn Sie in einem großen Haus wohnen, können Sie sicherlich einen Raum als Andachtsraum oder Kapelle herrichten. Das könnte auch ein Zimmer sein, das Sie als gelegentliches Gästezimmer verwenden, sollte jedoch kein Zimmer sein, in dem Sie sich täglich regelmäßig aufhalten, wie z. B. das Arbeitszimmer, das Schlafzimmer, das Esszimmer oder die Küche. Die Mittel, um eine kleine Kapelle in Ihrem Haus zu gestalten, haben Sie sicherlich schon zur Hand: eine Kerze, ein meditatives Bild oder ein Kruzifix, einen einfachen Stuhl oder mehrere Stühle im Halbkreis, wenn Sie den Raum auch gemeinsam mit anderen zur Bibellese und zum Nachdenken und Beten nutzen möchten.

Und wenn Sie kein großes Haus haben? Selbst in dem winzig engen Raum eines Studentenwohnheims kann man einen Andachts"raum" einrichten. Man braucht keinen einzigen Quadratmeter des sowieso sehr knapp bemessenen Platzes zusätzlich. Man bräuchte nur eine etwas andere Ausrichtung innerhalb des Zimmers: Normalerweise sitzt man mit einem Stuhl an einem Tisch. Wenn man diesen Stuhl um 180° dreht, sodass die Rückenlehne des Stuhls zum Tisch zeigt, und man sich dann auf ihn setzt, hat man ein völlig neues Raumgefühl für das gleiche Zimmer. Wenn man nun aus der Jahresbibel liest und sie dabei nicht auf den Tisch legt, sondern in den Händen hält, merkt unser ganzer Körper, dass dies nicht irgend eine beliebige Lektüre ist, sondern Heilige Schrift. In Ergänzung mit einer Kerze, die wir nur zu diesen Zeit der Bibellese anzünden, einem meditativen Bild oder einem Kreuz, das wir extra für diese Zeit so im Raum positionieren, dass wir es gut sehen, hat man dem ganzen Zimmer eine andere Atmosphäre und Ausrichtung gegeben. So schafft man "Raum in der kleinsten Hütte". 

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Das Gebet

Bibellesen und Beten gehören zusammen und bilden eine Einheit wie zwei Seiten einer Hand. Daher möchten wir Ihnen Mut machen, bei der täglichen Bibellese auch zu beten. Es ist ganz einfach:

Beginnen Sie mit Danken. Viele Menschen sind der Meinung, dass man beten sollte, wenn man ein Problem hat. Wir empfehlen Ihnen jedoch, nachdem Sie den Bibeltext des Tages gelesen haben, mit einem Dank zu beginnen. Ein Dank für all die guten Dinge, die Ihnen in Ihrem Leben bisher zugefallen sind. 

Selbst wenn Sie in einer tiefen Krise stecken, bringen Sie sich so in die aufnahmebereite Gelassenheit, in der ein Gebet wirkt. Suchen Sie sich dazu einen ruhigen Ort, an dem Ihre Gedanken nicht abgelenkt werden und Sie innerlich still werden können. Versuchen Sie zweckfrei zu beten, denn das Gebet ist keine Wunscherfüllungsmaschine, sondern eine Zuwendung unseres Herzens zu Gott. Lassen Sie sich innerlich fallen, sodass nicht Sie beten, sondern es in Ihnen betet.

Im Laufe des Jahres, in dem Sie die Bibel lesen, werden Sie feststellen, wie viele Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen und Gestaltungen beten. Einige Formen, in denen Sie beten können, möchten wir Ihnen zum Ausprobieren vorschlagen:

Das Beten im Stehen,
das Beten im Knien,
das Beten im Sitzen,
das Beten beim Schreiten.

All diese Formen können Sie mit verschiedenen Handgesten kombinieren.

Das Beten mit gefalteten Händen,
das Beten mit verschränkten Händen,
das Beten mit ausgebreiteten, erhobenen Händen,
das Beten, indem Sie ein Kreuzzeichen machen (mit der Hand von der Stirn zum Bauch und von der linken zur rechten Schulter und wieder zurück zur Mitte des Kreuzes). 

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Der Rhythmus

Bei Musik, die wir mögen, fühlen wir den Rhythmus, und es kann sein, dass wir ihn aufgreifen und leicht mit dem Fuß mitwippen, laut mitklatschen oder gar mitsingen. Der Rhythmus – auch wenn er in einem Musikstück eine gleichförmige Struktur ist – bringt unseren Geist und Körper in Schwung. Auch bei Ihrer täglichen Bibellese sollte es einen Rhythmus geben, den Sie mögen und der Sie geistig und geistlich in Schwung bringt. In der Jahresbibel haben wir für Sie drei Elemente für jeden Tag zusammengestellt: Die Lesung des Alten Testamentes, die Lesung des Neuen Testamentes und den Psalm. Wir haben das Psalmgebet an den Anfang gestellt, damit all diejenigen, die nur wenige Minuten Zeit haben für ihre tägliche Bibellese, durch dieses traditionelle Gebet eine geistliche Orientierung erreichen können. Aber Sie sind natürlich frei, die Reihenfolge so zu verändern, wie es Ihnen am sinnvollsten scheint.

Neben den Bibeltexten gibt es andere Elemente, die Sie für die Gestaltung Ihres täglichen Bibellese-Rhythmusses heranziehen können: Gebete, Lieder, Stille, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis.

Im Evangelischen Kirchengesangbuch gibt es im allerletzten Teil eine Vielzahl von Gebeten. Zum einen gibt es dort Gebete für den Tagesablauf. Wenn Sie also morgens früh Ihre tägliche Bibellese machen, können Sie das Morgengebet von dort übernehmen. Zudem gibt es Gebete zu den einzelnen Wochentagen. Diese helfen Ihnen, dass Ihre Gebete nicht nur um Ihre eigenen Sorgen, Gedanken, Hoffnungen und Wünsche kreisen, sondern Ihr Gebet einen weiten Horizont bekommt.

Singen Sie gerne? Fühlen Sie sich frei, zwischen dem Text des Alten und des Neuen Testamentes ein, zwei oder auch mehrere Strophen eines Liedes zu singen. Wenn Sie eine ganze Woche lang das gleiche Lied in der täglichen Bibellese singen, wird es in Ihnen auch am Rest des Tages noch einen prägenden Charakter haben. Wenn Sie sich dafür entscheiden, jeden Tag ein anderes Lied zu singen, werden Sie so, wie Sie die Bibel entdecken, auch den reichen Liederschatz der Kirche (wieder-) entdecken.

Mit dem Abschluss der täglichen Bibellese durch das Vaterunser legen Sie alle Ihre Gedanken in das wohl vollkommenste Gebet der Christenheit.

Auch wenn die meisten Lieder im Viervierteltakt geschrieben sind, so hat jedes Lied seinen eigenen Rhythmus. Wir wünschen Ihnen, dass Sie durch die Kombination der vielfältigen Elemente einen Rhythmus in Ihre tägliche Bibellese gewinnen, der Sie ebenso fröhlich macht wie Ihr Lieblingslied. 

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Der Zeitpunkt

Vom Beginn der ersten Christenheit bis heute haben sich immer wieder feste Zeitpunkte herausgebildet, in denen man sich auf Gott und sein Wort konzentriert. Am Anfang, in den ersten Gemeinden, war dies der wöchentliche Gottesdienst. Später kamen eine Reihe von verschiedenen Formen hinzu.

Zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert haben sich viele Christen in die Wüsten Ägyptens und Syriens zurückgezogen, um dort ihre ganze Zeit bis auf wenige Stunden am Tag im Gebet zu verbringen, um in der Kontemplation mit Gott eins zu werden. Die Orden des Mittelalters haben ihren Tag in feste Einheiten geteilt. Aus dem Grundmotto "beten und arbeiten" gab es bis zu acht festgelegte gemeinsame Zeiten der Bibellese und des Gebetes im arbeitsamen Tagesablauf.

Da die wenigsten sich heute in die Wüste oder in ein Kloster oder eine andere geistliche Gemeinschaft zurückziehen können, bleibt meist nur wenig Zeit zur Bibellese. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt für diese Betrachtung des Wortes Gottes für sich selbst festzusetzen. Diese Zeit kann für jeden unterschiedlich sein. Sie kann unterschiedlich in der Länge sein: Einige können sich – bedingt durch Beruf, Familie und andere wichtige Aufgaben – nur 15 Minuten am Tag reservieren. Andere, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind oder alleine leben, haben mehr Freiheiten. Unabhängig von der Länge der Zeit, die einem jeden zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, diese Zeit nicht zu verkürzen. Wer täglich eine Stunde Stille Zeit machen kann, wird sich bald in der Situation wieder finden, dass vielfältige Aufgaben, Möglichkeiten und Chancen diese wertvolle Zeit reduzieren. Und wer sich 15 Minuten für die tägliche Bibellese freihalten möchte, wird sich rasch in dem Druck wieder finden, es auf 5 Minuten zu reduzieren. Hier kann eine feste Ordnung hilfreich sein. Diese feste Ordnung darf nicht als einengende Gesetzlichkeit verstanden werden, sondern als hilfreiches Werkzeug, um das eigene Ziel, also den eigenen festgesetzten Zeitrahmen wirklich als Geschenk Gottes für unser Leben jeden Tag wieder neu annehmen zu können.

Sind Sie ein Frühaufsteher oder ein eher nachtaktiver Mensch? Für den Zeitpunkt der Bibellese ist diese Frage ebenso entscheidend wie die Überlegung, ob Sie einen festen Tagesablauf haben oder – wie Schichtarbeiter – zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten müssen. Suchen Sie sich einen Zeitpunkt heraus, in dem Sie jede Störung abweisen können. Das kann früh am Morgen sein, bevor Partner oder Familienmitglieder auf Sie einstürmen; das kann am Mittag in der Mittagspause sein, in der Sie Ihr Büro verlassen, das Mobiltelefon ausschalten und durch die Bibellese neu Kraft tanken können, oder am späten Abend, wenn keine Termine mehr vor Ihnen liegen, der Tag auch für Sie ausklingt, das Telefon nicht mehr klingelt und sich auch die Familie zur Ruhe gelegt hat.

Wie auch immer Sie sich entscheiden: Die Ordnung, die Sie sich selbst geben, sollten Sie mindestens 3 Monate durchhalten. Der Grund dafür ist sehr einfach: Nach einer solch langen Zeit ist die tägliche Bibellese zu einem festen Zeitpunkt so in Ihrem Leben verankert, dass auch Unterbrechungen in Ihrem Lebensrhythmus durch Urlaub oder Krankheit, durch Dienstreisen oder besondere Einsätze in Ihrer Gemeinde nicht mehr dazu führen können, dass Sie das tägliche Bibellesen einschlafen lassen.

Jeder der Zeitpunkte hat seine eigenen Vorteile und seine Nachteile. Um den Ihnen gemäßen Zeitpunkt herauszufinden, kann eine kleine Tabelle helfen, in der Sie in der linken Spalte die drei Tageszeiten (Morgen, Mittag, Abend) auflisten. In der ersten Spalte rechts daneben die Vorteile, für Sie persönlich die Bibellese auf diesen Zeitpunkt zu legen, und in einer weiteren Spalte die Nachteile, die sich für Sie persönlich ergeben, wenn Sie die tägliche Bibellese auf diesen Zeitpunkt legen. Sie werden so übersichtlich und rasch den besten Zeitpunkt für eine Ordnung Ihrer täglichen Bibellese herausfinden können.

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Das Hören

Neben den Augen gehören die Ohren zu den wichtigsten Sinnesorganen, um Texte und Worte aufzunehmen. Wenn man in der Jahresbibel liest, sind in der Regel nur die Augen das entscheidende Sinnesorgan. Es kann eine willkommene Abwechslung und Bereicherung werden, neben oder anstelle der Augen die Ohren für die tägliche Beschäftigung mit der Bibel einzusetzen.

Wenn wir einen Text nur hören und nicht zugleich lesen, entsteht in unserem Kopf ein anderes Bild. Der Grund dafür ist sehr einfach: Die visuellen Informationen, die unsere Augen von den Buchstaben her aufnehmen und im Gehirn zu Inhalten verarbeitetet werden, liegen nicht vor, und das Gehirn kann andere Bilder entwickeln. Verstärkt wird dies noch, wenn man beim Hören die Augen schließt und sich ganz in die Vorstellungswelt, die die Ohren aufnehmen, hineinfallen lässt.

Die Menschen, die zu der Zeit lebten als die Bibel aufgeschrieben wurde, hatten kaum die Möglichkeit, etwas zu lesen. Nur sehr, sehr wichtige Dokumente wurden schriftlich – meist auf Papyrus – fixiert. Das Hören war die normale Art und Weise, wie man Informationen aufnahm. So hörten die Menschen die Predigten der Propheten des Alten Testamentes, sie hörten die Berichte über die Geschichte des Volkes Israel und sie hörten Jesus zu, als er zu ihnen sprach. Erst in der Neuzeit mit der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Gutenberg und der Entwicklung von preiswertem Papier, das man maschinell herstellen kann, hat das Lesen die Oberhand gewonnen. Wir müssen uns also immer wieder neu vergegenwärtigen, dass die biblische Botschaft zunächst zum Hören formuliert wurde – und nicht zum Lesen.

Wenn man sich mit der Jahresbibel regelmäßig beschäftigt, kann man in immer wieder neu kombinierten Formen das Hören auf Gottes Wort in die tägliche Zeit mit der Bibel einbauen. Die Deutsche Bibelgesellschaft bietet die Lutherbibel in verschiedenen Formen als Hörbuch an. Eine Möglichkeit ist z.B., sich die Psalmen anzuhören und so die tägliche Betrachtung des Bibeltextes zu starten. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann man den Tagespsalm mehrfach am Tag im Auto hören und – wenn es die Verkehrssituation ermöglicht – mitbeten. Eine andere Variante ist, auf die "Große Hörbibel" zurückzugreifen, bei der der Bibeltext mit verteilten Rollen gelesen wird. Hier ist das Neue Testament schon komplett erschienen, das Alte Testament in großen Teilen. Ohne störende Hintergrundgeräusche oder neu eingespielte Effekte, die man aus Hörspielen kennt, wirkt der Text allein durch die verschiedenen professionellen Schauspieler weitaus lebendiger. Wenn man die Augen beim Hören der Evangelien schließt, entstehen vor dem inneren Auge neue Bildwelten, die einem auch bei schon lange bekannten Texten neue Erkenntnisse ermöglichen. Durch dieses Hören, das weitaus weniger anstrengend ist als das Aufnehmen der Texte durch die Augen, entsteht die Möglichkeit, dass wir unserem Geist Raum lassen und so die Evangelien neu entdecken.

Die Gesamtausgabe der Lutherbibel als Hörbuch hat eine Länge von insgesamt 84 Stunden. Das bedeutet, dass man weniger als 14 Minuten pro Tag benötigt, um die gesamte Bibel in einem Jahr entsprechend der gedruckten Variante der Jahresbibel anzuhören.

Durch die neuen elektronischen Formate, wie z.B. MP3, ist es möglich, auf kleinen tragbaren Geräten die Bibeltexte mit sich zu führen und immer wieder am Tag bei Gelegenheiten anzuhören. Das geht in der Straßenbahn ebenso wie im Wartezimmer eines Arztes oder bei einem schönen Spaziergang.

Das Hören auf das Wort hat eine besondere positive Wirkung auf unsere Psyche. Deutlich wird dies, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Menschen, die ihr Gehör verlieren, auch ihre Psyche verändern.

Richtiges Zuhören heißt bei Bibeltexten ebenso wie beim Gespräch, sich nicht passiv zu verhalten. Es ist vielmehr ein aktiver Prozess, der in drei Stufen verläuft. Hören ohne Hinhören als 1. Stufe heißt z.B., mit sich selber beschäftigt zu sein und nur sporadisch aufzumerken. Die Aufmerksamkeit ist noch nicht auf das Wort gerichtet, das man hört. Noch stehen die eigene Beschäftigung, die eigenen Gedanken und die Gelegenheit, selbst etwas zu sagen, im Vordergrund. Die nächste Stufe des Hörens ist das Hinhören. Hinhören ohne Zuhören heißt jedoch: nur aufnehmen, was man erzählt bekommt, ohne sich zu bemühen herauszufinden, was wirklich gesagt werden will. Man ist dabei gefühlsmäßig noch unbeteiligt, distanziert und abwartend. Richtiges Zuhören – und so sollte man auch das Wort Gottes hören – heißt, als 3. Stufe sich hineinzuversetzen. Man schenkt dem Wort Aufmerksamkeit und achtet dabei nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Zwischentöne und den Gesamtzusammenhang. Man hat also eine innere Haltung, die deutlich macht, dass es im Moment nichts Wichtigeres gibt als den gehörten Text.

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Die Kleidung

Kleidung ist mehr als nur Schutz vor Kälte oder vor dem Sonnenbrand bei schönem Wetter. Kleidung ist ein Gestaltungsmittel unseres Lebens, das uns täglich begleitet. Deshalb ist es auch ein Thema der Impulse zur täglichen Bibellese mit der Jahresbibel.

Zunächst einmal hat Kleidung eine nüchterne, zweckmäßige Funktion: Im Winter ziehen wir uns warm an, um vor der Kälte geschützt zu sein, im Sommer tragen wir leichte Kleidung, die uns trotzdem vor Sonnenbrand schützen soll. Für die verschiedenen Aufgaben, die wir in unserem Beruf oder in unserer Freizeit bewältigen, gibt es unterschiedlich funktionale Kleidung. Sportler tragen Textilfasern, die die Feuchtigkeit besonders schnell weiterleiten, damit sie sich nicht erkälten, wenn sie schwitzen. In vielen Handwerken und anderen Berufen gibt es Kleidung, die die speziellen Erfordernisse durch Taschen und Tragekomfort durch einen weiten Schnitt oder Farbe unterstützen. Diese Kleidung ist funktional, und wir tragen sie gerne. Sie hilft uns in unserem täglichen Leben. Eine besondere funktionale Kleidung für die Bibellese ist schlicht eine Kleidung, in der wir uns wohl fühlen. Besondere Anforderungen an Material, Farbe oder andere Funktionalitäten bedarf es bei der Bibellese nicht.

Neben der Funktion haben viele Kleidungsstücke einen Hinweischarakter. Sie weisen darauf hin, dass der Träger nicht im eigenen Namen tätig wird, sondern im Namen eines anderen. So ist bei Polizisten die Uniform - und hier insbesondere die Dienstmütze - der Ausweis hoheitlicher Gewalt des Staates. Bei Ärzten im Krankenhaus können wir am weißen Kittel erkennen, wen wir vor uns haben, und Pfarrer ebenso wie Rechtsanwälte und Richter tragen Roben und Talare als Zeichen dafür, dass sie nicht in ihrem eigenen Namen Worte sprechen, sondern bei den Justizorganen im Namen des Volkes und des Rechts und bei den Geistlichen im Namen Gottes, des dreieinigen Vaters. Da wir bei der Bibellese in der Regel nicht anderen unbekannten Menschen begegnen, braucht es diese Verdeutlichung unserer christlichen Existenz nach außen durch die Kleidung natürlich nicht. In vielen christlichen Gemeinschaften hat es sich jedoch als gute Gewohnheit etabliert, sich bei den Tageszeitengebeten ein wenig anders zu kleiden als sonst im Tagesablauf. Durch diese Äußerlichkeit des Kleidungswechsels oder des Überziehens einer weit geschnittenen Kutte oder eines Umhangs über die normale Kleidung wird deutlich, dass das Gebet und die Bibellese einen anderen Charakter haben als die tägliche Arbeit. Es ist ein Ausdruck dafür, dass Gottes Wort die Menschen verwandelt.

Neben den funktionalen Aufgaben der Kleidung oder der Verdeutlichung von hoheitlichen Funktionen verändern wir unsere Kleidung, wenn wir anderen Menschen eine besondere Ehre erweisen möchten. Wenn wir zu einer großen Feier von guten Freunden oder innerhalb der Familie eingeladen sind, ziehen wir uns oft bessere Kleidung an als die, die wir im täglichen Leben tragen. Wir erweisen damit dem Gastgeber eine besondere Ehre und machen deutlich, dass er für uns ein wichtiger Mensch ist. Auch wenn wir selbst zu einem großen Fest einladen, wechseln wir die Kleidung. Es gibt wohl kaum Menschen in Mitteleuropa, die bei der großen Feier anlässlich eines runden Geburtstages die gleiche Kleidung tragen, die sie auch anhaben, wenn sie im Garten arbeiten oder das Haus sauber machen. Wir geben dem Tag ein festliches Gepräge, indem wir auch festlichere Kleidung tragen.

Bei der täglichen Bibellese spricht Gott zu uns durch sein Wort. Wir laden Gott selbst ein, bei uns zu sein und Zeit mit uns zu verbringen. So kann es hilfreich sein, eine besondere Kleidung anzulegen, wenn wir uns mit der Jahresbibel beschäftigen, um uns selber deutlich zu machen, dass diese 15 Minuten am Tag eine ebenso wichtige wie feierliche Zeit darstellen.

Probieren Sie einfach die unterschiedlichen Dinge aus: Tragen Sie bei der täglichen Bibellese zunächst einmal Kleidung, in der Sie sich pudelwohl fühlen, unabhängig davon, ob Sie damit gerne anderen Menschen begegnen würden oder nicht. Überprüfen Sie, wie Sie sich wohl fühlen und welche Wirkung es auf Sie hat. In einer anderen Woche können Sie ausprobieren, wie Sie sich fühlen, wenn Sie sich z.B. einen besonderen Schal oder ein besonderes Tuch umlegen, ähnlich wie die Mönche in den geistlichen Gemeinschaften ihre Gottesdienstkleidung überwerfen. Spüren Sie durch dieses Zeichen bereits eine Veränderung? Und zu guter Letzt können Sie sich in einer anderen Woche Ihre Festtagskleidung anziehen, denn schließlich kommt Gott selbst zu Ihnen, um mit Ihnen täglich ein Fest zu feiern. Wenn Sie alle drei Testvarianten an sich selbst probiert haben, werden Sie feststellen: Kleidung ist nicht beliebig. Sie prägt uns, unser Fühlen und unser Denken.

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Das Gehen

Wenn wir in Mitteleuropa Bibeltexte lesen, dann setzen wir uns. Entweder auf einen Stuhl am Tisch oder in einen Sessel oder auf das Sofa. Lesen und dabei Gehen ist für uns ungewöhnlich. Die Bibel ist jedoch angefüllt mit Berichten, dass Gott mit den Menschen geht. Dazu zählt die jahrzehntelange Wanderung des Volkes Israels von Ägypten über den Sinai in das Land der Bibel. Auch Jesus war in den Jahren seines aktiven Wirkens und Predigens wandernd unterwegs.

In unserer Kultur ist das Gehen eine funktionale Angelegenheit. Man geht von einem Punkt A los, um an einem Punkt B anzukommen. Man überlegt vorher, wie viel Zeit man braucht und geht so rechtzeitig los, dass man pünktlich ankommt. Unterbrechungen wie: Schlechtes Wetter, Verzögerungen durch die Verkehrssituation und selbst zufällige Begegnungen mit lieben Menschen bringen uns aus dem Takt und werden als Störung empfunden. Wir sind schnell unterwegs, um rasch unser Ziel zu erreichen.

Die andere Erfahrung ist die der Pilgerwege. Auch hier gibt es ein Ziel. Aber das Entscheidende der Bewegung ist, dass man meditierend läuft. Der Rhythmus des Herzens und der Rhythmus unserer Schritte führen zu einem anderen Bewusstsein und zu einer vertieften Betrachtung. Beim Gehen erlebt jeder Mensch durch die Bewegung, die den Kreislauf anregt, dass sich auch der Geist neu öffnet und für das Wort Gottes in neuer Weise empfänglich wird. Das richtige Tempo des Gehens ist daher eher das eines zweijährigen Kindes, das die Welt entdeckt und jeden zweiten Schritt stehen bleibt, um neu über die Vielfalt des Lebens am Wegesrand zu staunen. So können auch wir beim langsamen, geruhsamen Gehen die Natur, die Stadt oder was immer an uns langsam vorbeizieht, neu entdecken. Wir gehen nicht von A nach B, sondern lassen uns in die Weite führen. Jesus selbst hat auf seinen Wanderungen die Geschehnisse und Orte am Wegesrand immer wieder zum Anlass genommen, seinen Jüngern die gute Nachricht neu zu erschließen. So hat er auf die Vögel gezeigt, die Gott ernährt, um deutlich zu machen, dass sich Gott um uns sorgt. Auch der Feigenbaum am Wegesrand wurde zum Gleichnis.

Wenn wir nicht wandern oder joggen, sondern gehen und dabei versuchen, mit den Augen Gottes die Welt zu entdecken, kann dies eine Ergänzung unserer täglichen Bibellese im Sitzen sein.

Ein anderer Ansatz ist, einen Vers aus der täglichen Bibellese oder einen Kerngedanken, der uns wichtig geworden ist, oder einige Psalmverse bei einem längeren Spaziergang immer wieder neu wiederholend aufzusagen. Durch den Rhythmus der Worte und den Rhythmus der Schritte wird das Bibelwort fest in uns verankert. Es trägt uns nicht nur bei diesem Gang, sondern kann eine Basis für unser ganzes Leben werden.

Nach einem meditativen Gehen sollten Sie im Badezimmer in der Badewanne oder der Dusche oder einer großen Schüssel etwas warmes Wasser einlassen und – nachdem Sie eventuell einen Badezusatz ins Wasser gegeben haben – sich setzen und Ihre Füße 10 bis 15 Minuten im warmen Wasser entspannen. Wenn Sie danach frische Socken anziehen und wieder neu die Jahresbibel aufschlagen, werden Sie erstaunt sein, welch neue Details Sie entdecken. 

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Das Schreiben

Wir leben in einer „Kultur der Schrift“, und doch liegt der Schwerpunkt bei uns beim Lesen und nicht beim Schreiben. Ein Satz wie „Wir lesen die Bibel“ klingt vertraut in unseren Ohren, aber ein Satz wie „Wir schreiben die Bibel (ab)“ klingt fremd. Die ersten Gedanken und Bilder, die bei dem Begriff „Bibel abschreiben“ in den Kopf kommen, sind Berichte aus dem Mittelalter, wo in den Schreibstuben der Klöster die Bibeln von Hand abgeschrieben wurden. Erst durch die Erfindung von Gutenberg mit dem Druck von beweglichen Lettern verschwand das Schreiben und das Lesen nahm überhand.

Eine Schriftkultur ist nicht mit einer Lesekultur gleichzusetzen. Beim Schreiben der SCHRIFT benötigen wir mehr Fähigkeiten als beim Lesen. Nicht nur die Augen sind aktiv, sondern auch die Finger, die Hände, die Arme – und wenn man am Schreibpult steht und dort schreibt – noch viel mehr Muskeln in verschiedenen Körperteilen. Schreiben ist eine körperliche Aktion. Lesen ist nur eine geistige Aktion.

Wir lesen viel schneller als wir schreiben – und viele Menschen lesen auch schneller als sie sprechen. Die Augen können rascher über Textpassagen „fliegen“, als die Zunge die Vokale und Konsonanten formen kann. Die Augen sind noch viel schneller als ein Stift, der über das Papier gleitet. Wenn eine andere Person uns etwas vorliest, dauert es viel länger, als wenn wir den Text selber lesen. Daher hat sich das Lesen in unserer auf Schnelligkeit ausgerichteten Welt  einen festen Platz geschaffen.

Beim Bibellesen haben wir immer wieder aufs Neue die Gefahr, dass wir zwar die Grundinformationen, die im Text stehen, lesend aufnehmen, aber kaum noch das Tempo, für das der Text eigentlich geschrieben wurde, einhalten. So verlieren wir Informationen und haben kaum eine Chance, den Charakter des Textes wirklich kennen zu lernen. Die Psalmen sind nicht zum Lesen, sondern zum gemeinsamen Singen und Beten formuliert worden. Die Briefe im Neuen Testament sind nicht zum Lesen, sondern zum Hören in der Gemeinde geschrieben worden. Es gab nur ein Exemplar, und das wurde der Gemeinde vorgelesen und dann sprach man gemeinsam darüber.

Wenn wir die Beschäftigung mit dem Bibeltext entschleunigen und, statt den Abschnitt zu lesen, einen Stift in die Hand nehmen und die Heilige SCHRIFT wieder schriftlich zu Papier bringen, werden wir bemerken, dass wir einen anderen Zugang zum Text finden. Unsere Gedanken sind schneller als die Bewegungen der Hand, die den Stift führt – daher werden uns ganz automatisch und ohne Zwang neue Gedanken beim Niederschreiben kommen. Für deren Entwicklung hätten wir beim reinen Lesen gar keine Zeit, denn unsere Augen und unser Gehirn müssten schon die nächsten Wörter und Zeilen verarbeiten….

In der Gehirn- und Lernforschung hat man festgestellt, dass man in einen Prozess der besseren Verinnerlichung kommt, wenn man neben einer rein geistigen Tätigkeit (wie dem Lesen oder Hören) zugleich eine körperliche Umsetzung vornimmt. Wenn man also die Inhalte, die man lernen möchte oder mit denen man sich sonst intensiv beschäftigen möchte, aufschreibt und nicht nur liest, bleiben diese tiefer und fester im Gehirn verankert.

Eine besondere Form der Meditation der Heiligen SCHRIFT ist die Kaligraphie. Wer besonders kunstvoll schreibt, sucht auch in der typographischen Darstellung nach einer Form, die mit dem Inhalt des Textes übereinstimmt.

Wie wäre es, wenn Sie als kleine Übung die Psalmworte aus dem täglichen Bibeltext der Jahresbibel auf einem leeren Blatt Papier mit einem Stift, der Ihnen gut zur Hand geht, abschreiben? Sie werden ganz bestimmt neue Erfahrungen machen und neue Zugänge zur Heiligen SCHRIFT erhalten.

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Der Austausch

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Durch dieses Jesuswort aus dem Evangelium wird deutlich, dass der Austausch von Christen einen wesentlichen Bestandteil des Glaubens darstellt. Es ist ein bewusster Austausch, denn nur wenn man sich wechselseitig versichert, in wessen Namen man zusammen ist, begreift man sich wirklich als christliche Gemeinschaft!

Ein Austausch mit anderen Christen über die Aussagen der Bibel und die persönlichen Gedanken beim Lesen der Texte in der Jahresbibel kann in vielfacher Weise eine gute Hilfe sein. Zum einen ist es eine Horizonterweiterung, weil man nicht nur in seinen eigenen Gedanken und Überlegungen kreist, sondern auch die Mut machenden, weiterführenden Überlegungen der anderen aufnimmt. Zum weiteren ist es ein Korrektiv: Wie oft sind wir in unseren eigenen Gedanken gefangen und merken kaum, dass mehr unsere eigenen Wünsche, Hoffnungen und Bedürfnisse im Vordergrund stehen als die klaren Aussagen des Bibeltextes.

Ein guter Austausch beginnt immer mit dem Zuhören. Nicht nur, dass man selbst wichtige Informationen beim Zuhören aufnimmt, man stärkt auch den positiven Eindruck bei den anderen, die etwas zu berichten haben. Sollten Sie dies bezweifeln, so können Sie sich diese Wahrheit mit einem kleinen Experiment selbst bestätigen lassen. Bei der nächsten Zusammenkunft bei einer Einladung, einer Gemeindeveranstaltung oder dort, wo mehre Menschen zusammenstehen oder sitzen und jemand anderes spricht, nehmen Sie Ihre Hand in einer nachdenklich konzentrierten Weise ans Kinn und sagen dabei: „O ja“. Stellen Sie ergänzend Fragen, anstatt selbst eine Stellungnahme abzugeben. Wenn Sie dies einen ganzen Abend konsequent durchhalten, werden Sie am Ende von jeder Person als die tiefsinnigste und zugleich dynamischste Person angesehen werden. Zudem werden Sie als sehr weise erscheinen. Sie haben daran noch Zweifel? Probieren Sie es einfach aus.

Für den gemeinsamen Austausch über einen Bibeltext gelten die gleichen Regeln für eine erfolgreiche Kommunikation wie auch sonst im Leben:

Denke über deine Frage nach, bevor du sie stellst.

Höre mit den Ohren, aber genauso gut mit den Augen auf die nonverbalen Mitteilungen.

Wer anderen Menschen Raum zum Berichten über sich selbst gibt, wird niemals als langweiliger Gesprächspartner angesehen werden.

Man lernt mehr durch Hören (was man selbst sagen möchte, weiß man ja bereits).

Früher war der Austausch zwingend mit zwei Bedingungen verbunden: 1. zeitgleich und 2. anwesend. Auch wenn dies immer noch die beste und intensivste Form des Austauschs darstellt, ist durch die vielfältigen technischen Möglichkeiten heute weder das eine noch das andere zwingend notwendig.

Anstatt sich zu einer festgelegten Zeit an einem gemeinsamen Ort mit anderen zu treffen, um sich über die Texte der Jahresbibel auszutauschen, geht das auch telefonisch. Dies kann eine Hilfe sein, wenn die Gesprächspartner – bedingt durch Reisen – an anderen Orten sind oder aufgrund von Krankheit nur zwei, drei Straßen entfernt, jedoch im Krankenhaus sind.

Neben dem Telefongespräch, das die räumliche Struktur aufhebt, kommt noch das Internet dazu, das ebenfalls die zeitliche Übereinstimmung nicht mehr zwingend voraussetzt. Man kann sich durch kurze E-Mails hin und her über seine Gedanken austauschen und voneinander lernen, als ob man in einem Raum zusammensitzen würde. Durch diese schriftliche Form der Kommunikation wird man viel stärker auf die wesentlichen Elemente fokussiert als bei einem mündlichen Gespräch. Schriftlich „plappert“ man einfach nicht so leicht!

Das Internet bietet auch Möglichkeiten zum Austausch mit Menschen, die man nicht kennt und die doch das gleiche Anliegen haben. So gäbe es die Möglichkeit, sich in einem elektronischen Forum auszutauschen und wechselseitig neue Impulse zu den Bibeltexten zu geben.

Im Altertum war es noch notwendig, dass die Menschen sich auf dem Forum (wie dem Forum Romanum in Rom) zur gleichen Zeit trafen, in die Augen schauten und sich austauschten. Heute sind Zeitgleichheit und Ortsidentität nicht mehr notwendig.

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Das Mahl

Die Gedanken eines Menschen kreisen täglich rund 220-mal um das Thema Essen - das haben Psychologen laut Magazin Focus herausgefunden. Die Nahrungsaufnahme ist ein wichtiger Aspekt in unserem Leben. Aber neben der Funktion der Nahrungsaufnahme hat das Essen – vor allem wenn es in Gemeinschaft mit anderen geschieht – noch eine weitere Funktion. Ein gemeinsames Mahl ist nicht nur Stärkung des Körpers, sondern dient auch dem Austausch und dem Gespräch.

In der Bibel finden wir an vielen Stellen Berichte über gemeinsame Mahlzeiten, die das Leben von Menschen verändert haben: Dazu gehört der Besuch der Boten bei Abraham und Sara im ersten Buch Mose ebenso wie das Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat. Immer wieder kommen spirituelle Erfahrungen und Nahrungsaufnahme zusammen.

Eine besonders bewusste Erfahrung ist das Fasten. Die frühen Christen, die als Einsiedler in der Wüste lebten, waren Meister im Fasten. Viele aßen nur am Samstag und am Sonntag, andere beschränkten sich auf eine kleine Mahlzeit am Abend. Sie wollten sich durch ihr Fasten innerlich und äußerlich reinigen, damit Gottes Geist sie ganz durchdringen konnte. Erst durch Augustinus gab es die Wende, der in seinen Schriften betonte, dass die Reduktion von Nahrung kein Wüten gegen den Körper sein dürfe. Jedes Fasten sollte zu einer geistlichen Erneuerung führen, indem es Körper und Geist reinigt. Daher wurde in der alten Kirche das körperliche Fasten immer mit dem Gebet verbunden. Gemeinsames Fasten ist einfacher als die Reduktion der Nahrungsaufnahme ganz alleine. Wenn man sich gemeinsam auf das Fasten konzentriert, kann man die Gedanken anders ordnen und die 220 Zeitpunkte, an denen man jeden Tag an die Nahrungsaufnahme denkt, durch anderen Gedanken mindestens teilweise ersetzen.

Ansonsten hieß es in der ganzen Kirchengeschichte jedoch immer: Christsein heißt, miteinander essen. Die gemeinsamen Erfahrungen von Verlangen und Sättigung, von Mangel und Erfüllung, von Fremdsein und Gastfreundschaft bilden Punkte der biblischen Heilsgeschichte.

Die Tischgemeinschaft, die man entweder täglich oder einmal in der Woche oder einmal im Monat mit anderen Menschen hat, die ebenfalls in der Jahresbibel lesen, ist nochmals ein tieferer Austausch als der über Telefon, E-Mail oder Internetforen. Und wir dürfen uns der Zusage Gottes gewiss sein (aus Ps. 145,16), dass Gott uns alle sättigt nach seinem Wohlgefallen. 

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Das Licht

Der Begriff Licht umfasst im Deutschen ein symbolisches Wortfeld ebenso wie ein funktionales Wortfeld. Beides greift ineinander, denn Licht hat mehr Auswirkungen als die Helligkeit, die wir wahrnehmen.

Licht ist ein wesentliches Element der Innenarchitektur. Innenarchitektur soll das physische, psychische und auch soziale Wohlbefinden eines Menschen im Raum gewährleisten. So wirkt die Innenarchitektur auf den Menschen und übt Einfluss auf Körper, Geist und Verhalten aus. Damit ist die Gestaltung eines Raumes durch die Innenarchitektur ein eigenständiges Element. Man spricht auch von der vierten Dimension des Raumes. Lichtverströmende Leuchtkörper sind daher mehr als die bloße Ausleuchtung eines Raumes. Leuchten können unser Augenmerk auf einen Gegenstand fokussieren. In Galerien und Museen werden die ausgestellten Objekte besonders beleuchtet und die Beleuchtung des großen Raumes insgesamt etwas zurückgenommen. Wenn wir uns mit der Bibel beschäftigen, sollte uns diese Gestaltung des Raumes durch Licht ein Beispiel sein: Eine helle Lichtquelle auf den Bibeltext gerichtet erleichtert es den Augen, die Schriftzeichen gut wahrzunehmen und konzentriert zugleich unseren Geist auf das gedruckte Wort. Indem das Umfeld weniger hell ausgeleuchtet ist als die Bibel, richtet sich unser Augenmerk automatisch auf das Wort Gottes. Wenn Sie eine Leselampe auf Ihrem Tisch, an dem Sie lesen, oder auch neben dem Sessel, auf dem Sie lesen, haben, sollten Sie nicht nur diese benutzen, sondern darüber hinaus das übrige Licht etwas dämmen. Im Winter geht es einfacher, indem man das Hauptlicht des Zimmers ausschaltet. Im Sommer kann es hilfreich sein, durch Vorhänge die hellen Sonnenstrahlen ein wenig abzumildern.

Licht hat jedoch nicht nur eine unterstützende Funktion zur Wahrnehmung von Text. Seit der Verleihung des Medizin-Nobelpreises 1903 an den Dänen Nils Ryberg Finsen für seinen Einsatz heliotherapeutischer Anwendungen, ist die Lichttherapie in der Psychologie ebenso wie der Schulmedizin ein fester Bestandteil vieler Heilungstherapien. So wissen wir, dass ein Mensch, um gesund und ausgeglichen zu sein, eine Beleuchtungsstärke von bis zu 2000 Lux empfangen sollte. In Räumen mit künstlichem Licht beträgt jedoch die normale Raumbeleuchtung nur 300 bis 500 Lux. Dies ist auf die Dauer zu wenig. Wenn wir möchten, dass das Licht uns wohl tut, brauchen wir deshalb das natürliche, starke Licht der Sonne. Es ist sehr schwer, die von Gott gesetzten Schöpfungsstrukturen durch künstliche Hilfsmittel zu ersetzen.

Nicht nur die Lichtmenge, auch die Lichtfarbe hat einen Einfluss auf den menschlichen Organismus. Unterschiedliche Farben können unsere Stimmung in unterschiedlicher Art und Weise beeinflussen. Die unterschiedliche Wellenlänge wirkt auf die menschlichen Zellen ein. Tiefrot aktiviert. Grün stabilisiert Gleichgewicht und Harmonie. Blau soll die Pulsfrequenz vermindern. Deshalb sollte ein Schlafzimmer ein entspannendes Farblicht wie blau oder grün haben, wogegen in einem Wohn- oder Esszimmer anregende Farben wie rot oder orange zu empfehlen sind. Haben Sie unter diesem Blickwinkel schon einmal den Ort, an dem Sie beten und Ihre Bibel lesen, betrachtet? Welche Farbgebung würde an diesem Platz am besten passen? Vielleicht hilft Ihnen auch der Hinweis, dass es nicht nur ein Zufall ist, dass die Jahresbibel in ein dunkles Blau eingeschlagen ist.

Neben der funktionalen Bedeutung für die Wahrnehmung von Text durch Leselampen und die Auswirkung der Intensität und des Farbspektrums auf das menschliche Wohlbefinden, hat das Wort ‚Licht’ besonders in der Bibel noch einen anderen Bedeutungshorizont. Licht ist immer Sinnbild für Gottes Gegenwart. So sind die Engel in der Bibel als Lichtgestalten beschrieben worden. Jesus verwendet in seinem berühmten Wort vom „Licht der Welt“ auch hier den Begriff ‚Licht’ als Symbol für die Gegenwart Gottes, die durch die Menschen in die Welt hinein wirkt.

Ein Licht in der Dunkelheit wirkt anziehend und gibt Orientierung.

Ein kleines Licht in einem Raum kann den ganzen Raum erhellen.

Niemand würde ein Licht abdecken oder unter einen Scheffel stellen (vgl. Lukas 16-18). Und trotzdem wird dieses Bild von Jesus in seinem Gleichnis verwendet.

Licht ist Energieumwandlung. Die Kerze verbrennt, die elektrisch Glühlampen verbrauchen den Strom. 

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Die Musik

"Musik wird oft nicht schön empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." Dieser Ausspruch des Dichters Wilhelm Busch zeigt sehr deutlich, dass die Wahrnehmung von Musik nicht immer positiv ist. Auch bei der täglichen Bibellese, die von vielen Menschen umgangssprachlich als "Stille Zeit" bezeichnet wird, könnte man sich grundsätzlich der Äußerung von Wilhelm Busch anschließen. Eine stille Zeit bedeutet eben keine Musik, sondern die Konzentration auf das Wort Gottes. Aber so richtig still ist es in unserer Welt nicht. Selbst wenn man in einem schalldichten Raum sitzt, hört man Geräusche. Der moderne Komponist John Cage stellte fest, als er sich für kurze Zeit in einen Schallschutzraum in der Universität Cambridge einschließen ließ, dass er rhythmische Geräusche vernahm. Später erläuterte ihm der zuständige Techniker, dass er die verschiedenen Abläufe in seinem Körper wahrgenommen hatte. So stellte John Cage fest, dass Schweigen und Stille nicht die Abwesenheit von Geräuschen war, sondern dabei das absichtslose Funktionieren des Nervensystems und Blutkreislaufes hörbar wird. Stille ist also keine akustische Kategorie, sondern eine Bewusstseinsveränderung. Eine Wandlung unserer Wahrnehmung.

Fast niemand von uns schafft, es mit seiner natürlichen inneren Stimme allein auszuhalten. Sobald man versucht, den Lärm um sich herum zu reduzieren, merkt man, wie laut es im eigenen Inneren wirklich zugeht. Neben dem Herzklopfen und dem Rauschen der Organe wie bei John Cage, sind es meist die Gedanken, die sich lautstark zu Wort melden. Daher kann Musik eine Hilfe sein, um den Geist neu auszurichten. Durch das Tempo und den Rhythmus von Musik, die wir hören, stellen sich unsere Sinne, unser Körper und Geist auf den veränderten Rhythmus ein. Deshalb kann ruhige, sanfte Musik – mit einem dem Herzschlag angemessenen Rhythmus – eine Hilfe zur inneren Stille sein. Musik hören ist ein altbewährtes und leicht anzuwendendes Entspannungsmittel. Sobald man die Augen schließt und der Musik lauscht, entspannt sich der Körper, der Pulsschlag normalisiert sich und Ruhe kehrt ein. Jede Musik, die von einem 60-Schlag-Rhythmus pro Minute getragen wird, der dem entspannten Pulsschlag entspricht, ist ein Hilfsmittel, um sich innerlich neu auszurichten. Neben dem passiven Musikgenuss, dem Zuhören, kann auch die aktive musikalische Gestaltung die Beschäftigung mit der Bibel positiv unterstützen. Selbst wenn man kein Instrument spielen und keine Noten lesen kann, ist es möglich, mit der eigenen Stimme Musik zu erzeugen: einfach summen oder singen. In der frühen Kirche wurden die Psalmen im gemeinsamen Gebet im Wechsel zwischen zwei Gruppen gesungen. So hat sich Musik und Gebet miteinander vereint. Die besondere Melodik der Gregorianik (der Kirchengesänge, die in der frühen Kirche zusammengestellt wurden) übt bis heute auf die Menschen eine große Faszination aus. So ist erst vor wenigen Jahren eine CD mit Aufnahmen gregorianischer Gesänge aus einem Kloster in vielen Ländern der industriellen Welt unter die meist verkauften CDs auf den Bestsellerlisten gelandet. Und das ohne große Werbung für diese gesungenen Gebete. Es ist nicht notwendig, die besonderen schwierigen Tonfolgen der Gregorianik zu erlernen: Viele Kirchenlieder, die wir in unserer Jugend gelernt haben und in unserer Gemeinde singen, eignen sich für ein einstimmendes Gebet, das zugleich zur inneren Stille führt. Das bewusste Atmen als Teil der körperlichen Erfahrung des Singens, richtet unseren Körper neben unserem Geist auf das Wort Gottes aus.

Immer dann, wenn Sie es in einem sehr ruhigen Zimmer nicht aushalten und nervös oder unruhig werden, dürfen Sie zum Hilfsmittel der Musik greifen. Der französische Theologe und Mathematiker Blaise Pascal hat einmal gesagt: "Alles Unglück kommt daher, dass der Mensch nicht in seinem Zimmer bleiben kann". Wenn die Musik durch unser Singen oder als Hintergrundmusik von einem Tonträger uns hilft, im Zimmer zu bleiben und uns auf das Wort Gottes zu konzentrieren, dürfen wir dieses Hilfsmittel gerne annehmen. Es ist keine Ablenkung, sondern vielmehr eine Hinführung zur Bibel. 

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