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Die Prophetenbücher des Alten Testaments

Die Propheten verkünden eine Botschaft, die ihnen durch göttliche Eingebung oder Vision aufgetragen wurde. Erhalten geblieben sind ihre Worte, weil sie von ihnen selbst oder von ihren Schülern aufgeschrieben wurden.

Die Propheten decken die Versäumnisse des Volkes und seiner Oberschicht auf und sie drohen dafür Gericht und schlimme Vergeltung an. Dank dem Wirken seiner Propheten konnte Israel auch in seinen politischen Katastrophen das Handeln Gottes erkennen. Doch mitten in ihren Gerichtsansagen findet sich bei den Propheten auch die Ankündigung künftigen Heils. Gott denkt nicht daran, sein Volk für immer zu verlassen. Er verheißt immer wieder eine neue Ordnung, einen neuen Bund (Jeremia 31) und sogar einen neuen König aus dem Hause Davids, der für Frieden und die erneute Hinwendung des Volkes zu Gott sorgen wird (z.B. Jesaja 11).

Auch für die prophetischen Bücher gilt, dass sie Sammelwerke sind. In ihnen sind Prophetenworte zusammengestellt, deren Verfasser nicht in allen Fällen sicher zu ermitteln sind. In der Regel bezieht sich der über jedem Buch stehende Prophetenname nur auf den Anfangsteil der Sammlung. Den so genannten »echten« Sprüchen sind weitere hinzugefügt, die aus der gleichen Zeit stammten oder als Worte des betreffenden Propheten verstanden wurden.

Die Entstehung dieser Sammlungen prophetischer Schriften hat man sich so vorzustellen, dass die Propheten ihre Botschaft zunächst mündlich einem wahrscheinlich begrenzten Personenkreis vortrugen, ehe die Worte von ihnen selbst oder von ihren Anhängern schriftlich aufgezeichnet wurden. Die vielfach poetische Gestalt der Sprüche kann ursprünglich sein; doch ist auch mit nachträglicher Stilisierung zu rechnen, um die Worte zu präzisieren oder dem Gedächtnis besser einzuprägen.

Nach dem Umfang der Bücher unterscheidet man die Großen Propheten Jesaja, Jeremia und Hesekiel (auch Ezechiel genannt) von den Zwölf kleinen Propheten. Die Klagelieder Jeremias und das Buch Daniel sind später hinzugefügt worden.


Jesaja

Die Prophetenbücher sind in der Bibel nach ihrem Umfang an­geordnet. Das längste steht am Anfang: das Buch Jesaja. Es ist ein Sammelwerk, in dem Prophetien aus ganz verschiedenen Zeiten zu einem Ganzen zusammengewachsen sind.

Der erste Teil (Kap 1–39) ist im Wesentlichen dem Propheten Jesaja selbst gewidmet, der von 738 bis 701 v.Chr. in Jerusalem wirkte. Wir finden in diesem Abschnitt Unheilsankündigungen, denen Heilsweissagungen angefügt wurden, Sprüche gegen frem­de Völker und Erzählungen aus dem Wirken des Propheten, die zum Teil wörtlich mit 2. Kön 18–20 übereinstimmen. Sehr spät wurde eine Zukunftsvision (Kap 24–27) eingeschoben.

Von Jesaja erfahren wir, dass er – ähnlich wie der Prophet Amos – scharfe Kritik an den sozialen Missständen übte. In einem berühmten Lied vergleicht er das Volk Israel mit einem Weinberg, der keine guten Früchte bringt und darum verwüstet wird (Kap 5):

Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit. (Jesaja 5,7)

Die Berufung des Propheten wird in Kapitel 6 erzählt. Sie findet im Tempel statt und lässt etwas von der Heiligkeit Gottes ahnen. Der Gottesdienst, der nicht mehr mit dem rechten Ernst gefeiert wurde, gehörte zu den zentralen Themen bei Jesaja.

Darüber hinaus ist Jesaja politisch sehr aktiv gewesen. Häufig geriet er in Konflikte mit den Königen von Juda und musste ihre politischen Bemühungen missbilligen, weil sie nicht mit einem Eingreifen Gottes rechneten. So wird z.B. über den so genannten syrisch-ephraimitischen Krieg berichtet (Kap 7 und 8): Der König von Assyrien (heute im Irak gelegen) betrieb eine intensive Eroberungspolitik. Er dehnte sein Herrschaftsgebiet nach Westen und Süden aus und bedrohte damit die Kleinstaaten Juda, Syrien und Nordisrael (auch Ephraim genannt). Um den Assyrern besser standhalten zu können, wollten Syrien und Ephraim ein Bündnis mit Juda schließen. Da Juda sich dem widersetzte, kam es zu jenem syrisch-ephraimitischen Krieg. Jesaja versuchte Ahas, dem König von Juda, Mut zuzusprechen und ihn im Vertrauen auf Gott zu bestärken: Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. (Jesaja 7,9) Doch Ahas war die Lage zu riskant und er bat lieber die Assyrer um Hilfe ge­gen seine kriegführenden Nachbarn. Dem setzte Jesaja ein entschiedenes Nein Gottes entgegen.

Unter dem späteren König Hiskia entging Jerusalem nur knapp einer Belagerung durch die Assyrer. Erzählt wird davon in den Kapiteln 36–39 (2. Könige 18–20). Jesaja hatte seinen Anteil daran, dass die Eroberung verhindert werden konnte.

Mit den kritischen Worten gegen die amtierenden Könige Judas verband sich die Erinnerung an den großen und gerechten König David. Daraus erwuchs die Erwartung eines neuen ge­rechten Königs, der aus dem Geschlecht Davids stammen sollte und eines Tages das Volk wieder politisch und religiös vereinen und ein Friedensreich aufrichten würde (9,1-6; 11,1-9).

Der zweite Teil (Kap 40–66) stammt von einer anderen Hand aus einer späteren Zeit. Man spricht gelegentlich von Deutero-(zweiter) und auch Trito- (dritter) Jesaja. Die verschiedenen Reden in diesem Abschnitt sind wahrscheinlich keinem einzelnen Propheten zuzuschreiben. Es sind eher viele Menschen gewesen, die die alte Prophetie des Jesaja sehr gut kannten und für ihre Zeit im babylonischen Exil in dem fernen Land neu interpretierten. Diese Aktualisierung der Botschaft Jesajas setzte sich auch in den Jahren nach der Rückkehr in die Heimat fort.

Es handelt sich überwiegend um die Ankündigung einer heilvollen Zukunft. In eindrucksvollen Bildern wird die erhoffte Rückkehr nach Jerusalem beschrieben. Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott steht am Anfang von Jes 40. Gott erweist sich als der mächtigste – ja, der einzige – Gott. Diese Feststellung ist von besonderer Bedeutung in einer Umgebung, in der die Juden immer mehr Kontakte zu fremden Völkern und deren Göttern und Religionen bekamen. Umso erstaunlicher ist, dass auch diesen Völkern Heil von dem Gott Israels zugesprochen werden kann: Auch sie sollen zum »Zion«, nach Jerusalem, dem Ort des Tempels und der Gegenwart Gottes, kommen (Kap 60).

Im Blick auf diese »Heiden« (Völker) spielt ferner eine ge­heimnisvolle Gestalt, der Gottesknecht, eine wichtige Rolle: Er ist jemand, der von Gott beauftragt und befähigt wird, ein »Licht der Heiden« zu sein. In vier Liedern wird er besungen (42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13–53,12). Er muss viel leiden, sogar sein Le­ben für viele dahingeben.

Die jüdische Schriftauslegung sieht in dieser Gestalt das ganze jüdische Volk abgebildet. Die Christen deuten mithilfe dieser Texte den Tod Jesu.

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Jeremia

Das Buch des Propheten Jeremia ist das zweite aus der Reihe der großen Propheten. Über Jeremias Leben und Wirken wissen wir mehr als über alle anderen Propheten: über seine inneren und äußeren Kämpfe, über seine Erfolge und Misserfolge, und wie er unter seinem Prophetenamt gelitten hat.

In den 52 Kapiteln des Jeremiabuches wird in weiten Teilen seine Lebensgeschichte erzählt, die eher eine Leidensgeschichte ist. Seine eigenen Bekenntnisse sind bewegende Zeugnisse leidenschaftlicher Klagen (11,18–12,6; 15,10-21; 17,14-18; 18,18-23; 20,7-18).

Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn [Gott] denken
und nicht mehr in seinem Namen predigen.
Aber es ward in meinem Herzen
wie ein brennendes Feuer,
in meinen Gebeinen verschlossen,
dass ich's nicht ertragen konnte,
ich wäre schier vergangen. (Jeremia 20,9)

Jeremia wirkte in den Jahren 627–587 v.Chr. in Jerusalem. Er erlebte die Regierungszeiten von vier Königen in Juda mit, die beiden Eroberungen Jerusalems und die Wegführungen ins babylonische Exil. Alle diese Ereignisse musste er dem Volk als Strafgericht Gottes ankündigen. Aber man glaubte ihm nicht.

Er liebte sein Volk und wollte das Unheil abwenden. Aber man verspottete ihn nur. So klagte er zu Gott:

Sie sagen zu mir: »Wo bleibt denn das Unglück, das der Herr angedroht hat? Es soll doch kommen!« (Jeremia 17,15)

An anderer Stelle:

Seit nunmehr 23 Jahren ergeht das Wort des Herrn an mich. Und eben­so lange höre ich nicht auf, euch immer und immer wieder zu verkünden, was er sagt; aber ihr hört nicht hin. (Jeremia 25,3)

Es nützte auch nichts, dass Jeremia seinen Worten durch zeichenhafte Handlungen Nachdruck zu verleihen suchte. So erhielt er z.B. von Gott den Befehl, nicht zu heiraten und Kinder zu zeu­gen, um zu demonstrieren, wie ausweglos die Lage sei (Kap 16).

Was Jeremia getan, geredet und selbst durchlitten hat, ist von seinen Schülern aufgeschrieben und gesammelt worden. Daraus entstand das Jeremiabuch in seiner jetzigen Gestalt:

Gerichtsworte über Juda und Jerusalem (Kap 1–15)

Die Leidensgeschichte des Propheten (Kap 26–29 und 34–45)

Heilsworte (Kap 30–33)

Sprüche über fremde Völker (Kap 46–51)

Geschichtlicher Anhang (Kap 52)

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Klagelieder

Die Klagelieder sind fünf Lieder, die den Untergang Judas und Jerusalems sowie die Zerstörung des Tempels im Jahre 587 v.Chr. beklagen:

Die Straßen nach Zion liegen wüst,
weil niemand auf ein Fest kommt.
Alle Tore der Stadt stehen öde, ihre Priester seufzen,
ihre Jungfrauen sehen jammervoll drein,
und sie ist betrübt.
Ihre Widersacher sind obenauf,
ihren Feinden geht's gut;
denn der HERR hat über die Stadt Jammer gebracht
um ihrer großen Sünden willen,
und ihre Kinder sind gefangen
vor dem Feind dahingezogen. (Klagelied 1,4-5)

Sie beweinen dieses Ereignis zur gleichen Zeit und in ähnlichem Ton wie Jeremia, weshalb sie ihm zugeschrieben und seinem Buch zugeordnet wurden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie von an­deren Augenzeugen der Katastrophe gedichtet und bei Klagefeiern über die zerstörte Stadt während der Gefangenschaft in Babylonien verwendet wurden. Bis heute werden sie an dem jüdischen Festtag zum Gedächtnis der Tempelzerstörung verlesen.

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Hesekiel | Ezechiel

Hesekiel oder Ezechiel war einer der Ersten, die im Jahre 597 v.Chr. nach Babylon verschleppt wurden. Dort wurde er von Gott zum Propheten berufen. Seine Wirksamkeit reichte über die völ­lige Vernichtung Jerusalems 587 v.Chr. hinaus.

Die Botschaft Hesekiels – wie dann auch das ganze Buch – hat deutlich zwei Teile, die eng mit den politischen Ereignissen zu­sammenhängen und von ihnen geprägt sind: Kapitel 1–24 enthalten Worte aus der Zeit vor 587 v.Chr. Kapitel 25–48 gehören in die Zeit nach 587 v.Chr.

Im ersten Teil handelt es sich ausschließlich um Gerichtsbotschaften. Hesekiel wendet sich gegen die trügerische Hoffnung der Verbannten, ihre Exilszeit würde nur von kurzer Dauer sein, weil Gott seine Stadt Jerusalem doch nicht der gänzlichen Zerstörung preisgeben könnte. Mit einer symbolischen Handlung untermauert Hesekiel – ähnlich wie Jeremia – seine Botschaft. In Kap 4 wird berichtet, wie Hesekiel das Gericht über Israel und Juda durch »Belagerung« eines von ihm gebauten Stadtmodells darstellen soll. Für die Schuld des Nordreichs Israel soll er 390 Tage auf seiner linken Seite neben diesem Bau liegen, für die Schuld des Südreichs Juda noch weitere 40 Tage. Während dieser Zeit muss er sein Brot auf Kuhmist backen.

Ziel dieser drastischen Botschaft ist es, die Menschen zur Einsicht zu bringen. So heißt es in Kap 18:

Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? (Hesekiel 18,23)

Der zweite Teil enthält in den Kapiteln 25–33 eine Sammlung von Sprüchen gegen fremde Völker. Uber die Wende, die nach 587 v.Chr. geschieht, berichten die Kapitel 34–48: Es ist nun die drin­gende Aufgabe des Propheten, die weggeführten, niedergeschla­genen Menschen zu trösten. Ein eindrückliches Bild für einen Neuanfang ist die Vision von der Erweckung des Totenfeldes (Kap 37): Aus einem Haufen vertrockneter Knochen lässt Gott leben­dige Menschen werden. So wie diese Toten wieder leben können, wird das Volk Israel wieder in seinem eigenen Lande leben.

In den Kapiteln 40–48 wird beschrieben, wie Hesekiel einen wiedererstandenen Tempel in Jerusalem schaut und von Gott das Versprechen erhält, er wolle wieder dort Einzug halten. Einzelne Motive dieser großartigen Vision haben lange nachgewirkt. In der Offenbarung des Johannes am Ende des Neuen Testaments wird ein neues Jerusalem beschrieben, in dem Gott unter den Men­schen wohnen will.

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Daniel

Das Buch Daniel besteht aus zwei Teilen: Kap 1–6 berichten über das Schicksal Daniels und seiner drei Freunde, die als Juden am babylonischen Königshof leben. Die Erzählung spielt im 6. und 5. Jh. v.Chr. Sie zeigt, wie derjenige schließlich zum Erfolg gelangt, der auf Gott vertraut und seinen Glauben nicht aufgibt. Zum Beispiel wird Daniel in der Löwengrube durch ein Wunder vor dem sicheren Tod gerettet. Er war dort hineingeworfen worden, weil er trotz des königlichen Befehls nicht aufgehört hatte, zu seinem Gott zu beten (Kap 6).

Der zweite Teil (Kap 7–12) enthält Visionen Daniels. Hier wird in seltsamen Bildern eine Zukunft entwickelt, die von apokalyptischen Vorstellungen vom Weltgericht und von der leiblichen Auferstehung geprägt ist. Von einem »Menschensohn« ist die Rede (Dan 7,13), dem Gott ein ewiges Reich verleihen wird. Zu­vor werden vier Weltreiche mit vier Tieren verglichen, die nacheinander die Macht ergreifen und untergehen. Die Tiere haben ein furchterregendes Aussehen:

Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken, und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde große Macht gegeben. (Daniel 7,5)

Das letzte der vier Weltreiche wird so genau beschrieben, dass man annehmen kann, bei der Beschreibung dieser Epoche handele es sich um die Gegenwart des Autors. Ein wichtiges Ereignis wird mehrmals erwähnt: die Entweihung des Tempels in Jerusalem durch den Seulikidenkönig Antiochus IV. Epiphanes (et­wa 167–164 v.Chr.). Die Verfolgung der jüdischen Glaubensgemeinde hing mit dieser Provokation zusammen, die zum Aufstand des Judas Makkabäus führte (vgl. Makkabäerbücher).

Das Buch Daniel ist wahrscheinlich in der Mitte des 2. Jh. v.Chr. entstanden. In der Hebräischen Bibel gehört es nicht zu den Prophetenbüchern, sondern zu den sog. Schriften, dem jüngsten Teil der Hebräischen Bibel. Die literarische Eigenart deutet in der Tat eher auf eine Zugehörigkeit zum apokalyptischen Schrifttum hin. Von daher wird verständlich, dass die Erzählungen des ersten Teils bewährten Persönlichkeiten einer früheren Epoche zugeschrieben werden. Das gute Beispiel von damals soll die Menschen in ihrer gegenwärtigen Bedrängnissituation trösten und ihnen Mut zum Durchhalten machen.

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Hosea

Mit Hosea beginnt die Reihe der kleinen Propheten, das Zwölfprophetenbuch der Hebräischen Bibel. Hosea ist im Nordreich Israel aufgetreten und hat dort bis zum Untergang dieses Reiches im Jahre 722 v.Chr. gewirkt. Er muss das Volk anklagen, weil es seinen Gott verlassen hatte, um anderen Göttern zu dienen. Wenn sich das Volk nicht besserte, drohte ihm der Untergang als Gericht Gottes.

Hosea redet sehr bildreich: Er spricht von Israel als Gottes Ehefrau, die wegen ihrer Treulosigkeit sogar der Hurerei mit anderen Göttern beschuldigt wird. Mit seinem persönlichen Le­ben steht Hosea für diese Botschaft ein. So heißt es im ersten Kapitel:

Als der HERR zum ersten Mal zu Hosea sprach, sagte er: »Heirate eine Hure und zeuge mir Hurenkinder! Denn das ganze Land ist mir untreu geworden und läuft wie eine Hure fremden Göttern nach.« (Hosea 1,2)

Die Kap 1–3 berichten, wie diese Ehe und die drei gezeugten Kinder Abbild des Volkes und seines Ergehens sind. Gott wirbt um sein Volk wie ein enttäuschter Liebhaber und kämpft selbst darum, es nicht preisgeben zu müssen.

Als Israel noch jung war, gewann ich es lieb. Aus Ägypten rief ich es als meinen Sohn. Immer wieder rief ich die Leute von Israel durch meine Propheten, aber sie liefen von mir weg. (Hos 11,2)

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Joel

Vom Propheten Joël wissen wir nichts außer seinem Namen. Das Joël-Buch kann in zwei Teile gegliedert werden.

Die Kapitel 1–2 schildern eine Heuschreckenplage, die als Vorzeichen des »Tages des Herrn«, des großen Gerichtstages, verstanden wird. Als Maßnahme zur Abwendung wird ein Bußgottesdienst mit Fasten und Gebeten ausgerufen. Gott antwortet mit der Zusage einer heilvollen Zukunft.

Der zweite Teil, Kapitel 3 und 4, spricht von der Wendung zum Guten für Israel und Jerusalem. Das Gericht wird die fremden Völker treffen, die Israel verfolgt haben.

Als Entstehungszeit wird aufgrund des geschilderten Kultes sowie der verwendeten Sprache die Zeit um 400 v.Chr. vermutet.

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Amos

Amos, der älteste Schriftprophet, stammt aus dem Südreich, aus Tekoa, wird aber von Gott um 750 v.Chr. in das Nordreich ge­sandt. In einer Zeit der politischen und wirtschaftlichen Blüte soll Amos Gericht ankündigen. Dies tut er auf vielfache Weise.

Kapitel 1–2 kündigen in einem Kehrversgedicht Gericht gegen sechs Nachbarvölker sowie gegen Juda und Israel an. Kap 3–6 bestehen aus Gerichtsworten, die mit Verfehlungen in der Gegenwart be­gründet werden. Kapitel 7–9 wiederum be­richten von Visionen des Amos, in denen er auf bildhafte Weise schaut, dass Gott sein Volk richten wird.

Das Buch endet schließlich in 9,11-15 mit einer Verheißung, einer Ankündigung, dass Gott sich um Israel wieder kümmern wird, ihm wieder eine heilvolle Zeit schenken wird.

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Obadja

Die Prophetie von Obadja ist nach der 1. oder 2. Wegführung Israels nach Babylonien (597 oder 587 v.Chr.) entstanden.

Edom, ein Nachbarvolk, hatte diese Situation zu seinen Gunsten ausgenutzt; ihm wird nun Vergeltung von Gott angekündigt (V. 1-18), den gerade geschlagenen Israeliten wird dagegen angesagt:

Aber für euch gibt es Rettung auf dem Berg Zion; dieser Berg wird ein heiliger Ort sein. Ihr Nachkommen Jakobs werdet das Land der Völker in Besitz nehmen, die euch das eure geraubt hatten. (Obadja V17)

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Jona

Anders als die anderen Prophetenbücher ist das Buch Jona eine kleine, kunstvolle Erzählung. Ihr Schauplatz ist die einst mächtige Hauptstadt Assyriens, Ninive, die inzwischen untergegangen ist.

Jona erhält von Gott den Auftrag, der großen Stadt Ninive ein Strafgericht Gottes anzukündigen. Aber Jona fürchtet sich so vor diesem Auftrag, dass er Gott zu entkommen sucht, indem er mit einem Schiff in die entgegengesetzte Richtung flieht. Seine Anwesenheit an Bord bringt jedoch das Schiff in große Seenot. Man entschließt sich, Jona ins Meer zu werfen. Dort wird er von einem großen Fisch verschluckt und nach drei Tagen aus dem Bauch an Land ausgespien. Nun ist er bereit, seinen ursprünglichen Auftrag wahrzunehmen.

Jonas Predigt in Ninive bewirkt, dass die Be­wohner in sich gehen und Buße tun. Das Gericht findet nicht statt. Die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung: Jona, der den Untergang beobachten wollte, ist beleidigt und beklagt sich bei Gott. Mit einem Schuss Humor wird er über die Güte Gottes belehrt. Er muss erleben, wie eine schattenspendende Staude nach kurzer Zeit wieder verdorrt. Gott knüpft daran sei­ne Antwort, mit der das Büchlein schließt:

Da sagte der HERR: »Schau her, du hast diese Staude nicht großgezogen, du hast sie nicht gehegt und gepflegt; sie ist in der einen Nacht gewachsen und in der anderen abgestorben. Trotzdem tut sie dir Leid. Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?« (Jona 4,10-11)

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Micha

Micha ist in Jerusalem um 725–701 v.Chr. aufgetreten, er ist also ein Zeitgenosse Jesajas und Hoseas. Micha hat an Juda und Jeru­salem eine ähnliche Botschaft zu vermitteln, wie Amos und Ho­sea an das Nordreich. Auch er kritisiert, vielleicht noch schärfer als jene, die herrschenden sozialen Verhältnisse und wirft den Menschen vor, ihr Gottesdienst sei nur noch äußerlich.

Auch Micha soll ein Gericht Gottes ansagen, in dem Juda und Jerusa­lem, das hier Zion genannt wird, völlig vernichtet werden sollen (Kap 1–3; 6–7).

Die Kap 4–5 klingen dagegen ganz anders. Gott will in Jerusalem ein Friedensreich aufrichten, das Volk wird endlich sicher wohnen. Es ist denkbar, dass solche Heilsvorstellungen in diesem Umfang erst nach der tatsächlichen Katastrophe entstanden und nachträglich in das Buch Micha eingegliedert worden sind. Zu den Worten, die bis heute ihre Aktualität nicht eingebüßt haben, gehört der Spruch:

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen
und ihre Spieße zu Sicheln machen.
Es wird kein Volk wider das andere
das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen,
Krieg zu führen.
Ein jeder wird unter seinem Weinstock
und Feigenbaum wohnen,
und niemand wird sie schrecken.
Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat?s geredet. (Micha 4,3-4)

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Nahum

Die Schrift des Propheten Nahum ist eine gewaltige Droh- und Gerichtsrede gegen die Großmacht Assyrien und besonders ihre Hauptstadt Ninive. Diese Prophetie dürfte kurz vor Vernichtung der Stadt 612 v.Chr. entstanden sein.

In ihr wird das Ergehen Israels nur positiv gesehen, ganz anders als es von Nahums Zeitgenossen Zefanja und Jeremia verstanden wurde. Ninives Untergang bedeutet für Nahum Israels Triumph. Er sieht den Friedensboten schon heraneilen:

Siehe auf den Bergen die Füße eines guten Boten,
der da Frieden verkündigt!
Feiere deine Feste, Juda,
und erfülle deine Gelübde!
Denn es wird der Arge nicht mehr über dich kommen;
er ist ganz ausgerottet. (Nahum 2,1)

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Habakuk

Die Schrift des Propheten Habakuk ist wahrscheinlich kurz nach dem Tod des Reformkönigs Josia (609 v.Chr.) entstanden; in einer Zeit also, in der die Geschichte Judas auf die Katastrophe (598/587 v.Chr.) zusteuerte.

In der, literarisch gesehen, sehr vielschichtigen Schrift – zu den Klagen Habakuks und Antworten Gottes kommen Weherufe sowie ein Psalm hinzu – geht es vor allem um die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes: Obwohl die Menschen die Geschichte ihres Volkes für ungerecht halten, zeigt sich gerade in ihr die Gerechtigkeit Gottes.

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Zefanja

Die Prophetie des Zefanja kann in die Zeit des Königs Josia (653–609 v.Chr.) datiert werden, jedoch noch vor dessen Kultre­form. Die Großmacht Assyrien ist schwächer geworden; ihr wird Vernichtung angekündigt. Diese Drohung gilt jedoch nicht nur ihr, sondern auch anderen Nachbarländern Judas, ja sogar Juda und Jerusalem selbst (1,2–3,8).

Zefanja nennt den großen Gerichtstag »Tag des Herrn«. Doch nach dem Gericht soll es durch ein Eingreifen Gottes eine neue Zukunft geben, wenngleich nur für einen kleinen Rest des Volkes Israel:

Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk;
die werden auf des HERRN Namen trauen.
Und diese Übriggebliebenen in Israel
werden nichts Böses tun noch Lüge reden,
und man wird in ihrem Munde
keine betrügerische Zunge finden,
sondern sie sollen weiden
und lagern ohne alle Furcht. (Zefanja 3,12-13)

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Haggai

Die Reden des Propheten Haggai – sicherlich von anderen auf­geschrieben – sind genauestens, auf vier Monate des Jahres 520 v.Chr., datiert. Neunzehn Jahre zuvor hatte der Perserkönig Kyrus den Juden erlaubt, aus Babylonien in die Heimat zurückzu­kehren und den Tempel wieder aufzubauen.

Doch der Tempelbau schritt nur sehr schleppend fort, die Rückkehrer kümmerten sich eher um ihre eigenen Häuser. Dies ist nach Haggai der Grund für die allgemeine Not im Land, sodass er die Menschen auffordert, nun doch an dem Tempel zu arbeiten:

 

Wer ist unter euch noch übrig, der dies Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr's nun? Sieht es nicht wie nichts aus? (Haggai 2,3)

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Sacharja

Der Priester Sacharja ist zur gleichen Zeit wie Haggai in Jerusalem als Prophet aufgetreten (520–518 v.Chr.). Acht »Visionen«, »Nachtgesichte« schildern eine heilvolle Zukunft mit für den heutigen Menschen vielleicht seltsamen, wenngleich sehr ausdrucksvollen Bildern.

Da ist die Rede von einer fliegenden Buchrolle oder von einer Frau im Fass. Von besonderer Bedeutung sind der gerechte König, der sich von dem großen König David ableitet, sowie der Tempel:

So spricht der HERR Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt ?Spross?; denn unter ihm wird's sprossen, und er wird bauen des HERRN Tempel. (Sacharja 6,12)

Die Schilderungen der Visionen sind umrahmt und unterbrochen durch Reden, in denen die Zuhörer ermahnt werden, doch endlich auf Gott zu hören, sich zu ihm zu kehren und nach seinen Geboten zu leben.

Die Botschaft des Sacharja ist in den ersten acht Kapiteln des Sacharja-Buches zusammengefasst. Die Kapitel 9–14 beinhalten Reden aus einer anderen Zeit etwa 200 Jahre spä­ter. Sie sind nicht datiert. Auch die zeitgeschichtlichen Bezüge sind geheimnisvoll und mit Hilfe der Apokalyptik bewusst verdeckt formuliert.

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Maleachi

»Maleachi« ist möglicherweise gar nicht der Name eines Propheten; zumindest ist dieser Name sonst nicht bekannt. Er könnte aus Mal 3,1 in die Buchüberschrift übernommen worden sein. Das hebräische Wort maleachi heißt einfach: mein Bote.

Ebenso wenig kann eine Entstehungszeit festgelegt werden. Offensichtlich haben sich die Heilserwartungen Haggais und Sacharjas nicht so erfüllt wie erwartet. Es wird auf vielfach schlimme Verhältnisse hingewiesen. Man denkt deshalb an das 5. Jh. v.Chr.

Die Schrift besteht aus sechs voneinander unabhängigen Streitgesprächen zwischen Gott und dem Volk Israel. Sie haben alle den gleichen Aufbau: Eine kurze Behauptung wird aufgestellt, die zunächst be­stritten, dann aber bejaht, begründet und entfaltet wird.

Ihr seid von eurer Väter Zeit an
immerdar abgewichen von meinen Geboten
und habt sie nicht gehalten.
So bekehrt euch nun zu mir,
so will ich mich auch zu euch kehren,
spricht der HERR Zebaoth.
Ihr aber sprecht: »Worin sollen wir uns bekehren?«
Ist?s recht, dass ein Mensch Gott betrügt,
wie ihr mich betrügt?
Ihr aber sprecht: »Womit betrügen wir dich?«
Mit dem Zehnten und der Opfergabe! (Maleachi 3,7)

Das Buch endet mit einer Rede gegen Zweifel an der göttlichen Gerechtigkeit. Im kommenden Gericht wird der Gerechte belohnt und der Frevler bestraft werden. Als Vorbote der Endzeit wird eine Wiederkunft des Propheten Elia angekündigt. Damit blickt das Prophetenbuch in eine offene, von Gott beherrschte Zukunft.

Im Neuen Testament kann später auf die Elia-Erwartung mit der Person Johannes des Täufers, des wiedergekehrten Elia, geantwortet werden. Viele der im Alten Testament unerfüllt gebliebenen Erwartungen werden vor allem durch Jesus aufgenommen. Das Alte und Neue Testament bilden dadurch aus christlicher Sicht eine unlösliche Einheit.

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