Deutsche Bibelgesellschaft

Sachwissen

Nach Kategorie filtern

6.1. Das Jesajabuch

Grundlegend für die Erarbeitung des Jesaja-Buches ist die Erkenntnis, dass das Buch aus verschiedenen Sammlungen besteht, die an- und ineinander gefügt wurden. Diese Erkenntnis stützt sich darauf, dass einzelne Abschnitte in ihrer Sprache, ihrer Thematik und ihren historischen Verankerungen sehr unterschiedlich sind. In der älteren Forschung hat man drei große Buchteile unterschieden. Nur für den ersten Teil ist der Name des Autors, nämlich Jesaja „JHWH hat geholfen“, bekannt. Für die anderen Teile behilft sich die Forschung mit den Bezeichnungen Deutero- und Tritojesaja, zweiter/dritter Jesaja. In jüngerer Zeit geht man von deutlich komplexeren Wachstumsprozessen aus, etwa dass Deutero- und Tritojesaja nicht als eigenständige Schriften, sondern als Bearbeitungen des ersten Jesaja anzusehen sind. Da die klassische Dreiteilung die Orientierung erleichtert, wird ihr hier der Vorzug gegeben.

6.1.1. Der Prophet Jesaja (Jes)

Eine bibelkundliche Orientierung ist bei den prophetischen Büchern generell sehr schwierig, da uns die Gliederungsprinzipien, nach denen sie aufgebaut wurden, nicht mehr unmittelbar einleuchten. Man wird sich daher darauf zu beschränken haben, wichtige Einzeltexte zuordnen zu können und eine Grobgliederung im Kopf zu haben.

Geist Gottes, Heiliger Geist

Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.

Heiliger Geist

Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Hauch«. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt (Gen 1,2), das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt (vgl. Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Der Geist kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1 Sam 10,10-12) und kann einen → Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1 Kön 18,12; vgl. Ez 8,3). Wenn der Geist Gottes für dauernd von einem Menschen Besitz ergreift wie von David (1 Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn (vgl. Joh 1,32-34).

Assur, Assyrien

Land am Oberlauf des Tigris, in der Gegend des heutigen Mossul. Größte Städte: Assur (daher der Name), Kalah, Ninive. Sie waren zu verschiedenen Zeiten auch Hauptstädte. Geschichtlich bedeutsam wurde Assyrien schon Anfang des 2. Jahrtausends v.Chr. Vom 10. bis 6. Jh. war es eine Großmacht, die sich vor allem durch rücksichtslose Machtpolitik verhasst machte. Das Reich endete völlig um 600 v.Chr.

Zion (Zionsberg, -stadt)

Ursprünglicher Name der von David eroberten Jebusiterfestung, die dann »Davidsstadt« genannt wurde (2 Sam 5,6-9). Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. In der Kreuzfahrerzeit wurde der Name irrtümlich auf den Westhügel der Stadt übertragen.

Zion

Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt.

Äthiopien

Mit der alten griechischen Übersetzung Wiedergabe des hebräischen Ländernamens → Kusch. In neutestamentlicher Zeit das Reich von Meroë im nördlichen Sudan, das jeweils von der → Königsmutter regiert wurde (Apg 8,27).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Ägypten (NT)

Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.

Kusch

Das Land südlich von Ägypten; nach der griechischen Übersetzung des Alten Testaments mit »Äthiopien« wiedergegeben. In der Völkertafel in Gen 10,6-7 steht Kusch einerseits in enger Beziehung zu Ägypten (Mizraim), andererseits über das Rote Meer hinweg mit Arabien (Seba usw.). Mit Kusch in Gen 10,8 sind dagegen wahrscheinlich die Kassiter (babylonisch kasch) gemeint, ein kaukasisches Reitervolk, das im 2. Jahrtausend v.Chr. nach Mesopotamien einwanderte.

Philister

Nachbarvolk Israels im Westen. Ihr Siedlungsgebiet lag vor allem in der südlichen Küstenebene am Mittelmeer.

Elam

Gebiet östlich von Babylonien, entspricht ungefähr dem heutigen Südwest-Iran.

Isai

Vater des Königs → David.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Spross

Bezeichnung für den → Messias, der aus der Wurzel der Familie Davids »entsprießt« (Jes 11,1). Er scheint zuerst in Jer 23,5 so genannt worden zu sein (wörtlich: »Tag, an dem ich David einen gerechten Spross erwecken werde«). Sacharja nimmt diese Bezeichnung in seiner Prophetie auf (Sach 3,8; 6,12; → Nazoräer).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Lendenschurz

Ein leinenes Kleidungsstück, das von den Männern direkt auf dem Leib getragen und praktisch nie abgelegt wurde. Wer nur mit dem Lendenschurz bekleidet ist, wird als »nackt« bezeichnet.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Eufrat

Neben dem Tigris einer der beiden Hauptflüsse in Assyrien und Babylonien, im heutigen Irak.

Herrlichkeit

Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor.

Feldzeichen

Eine militärische Signalstange, die den Truppen Marschrichtung und Sammelplatz anzeigt.

Frevler

Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.

Moab(iter)

Mit Israel verwandtes Volk (Gen 19,36-37). Von guten Beziehungen zeugen Rut 1,1; 1 Sam 22,3-4; von Spannungen Num 22–24; Ri 3,12-30. Ursprüngliches Siedlungsgebiet war das fruchtbare Hochland südlich des Arnon. David unterwarf die Moabiter (2 Sam 8,2); in der Mitte des 9. Jh. v.Chr. gewann König Mescha die Selbstständigkeit zurück und dehnte seine Herrschaft auf das Gebiet nördlich des Arnon aus, wobei nach einer Inschrift Meschas der Stamm Gad aufgerieben wurde. Seit Mitte des 8. Jh. assyrischer und dann babylonischer Vasallenstaat; Ende des 5. Jh. ins Reich der → Nabatäer eingegliedert.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Moab, Moabiter

Nachbarvolk Israels im Ostjordanland.

Ammon(iter)

Nachbarvolk Israels im südlichen Ostjordanland mit der Hauptstadt Rabba bzw. Rabbat-Ammon. Von David unterworfen, später wieder selbstständig, dann unter der Herrschaft der → Babylonier und ihrer Nachfolgereiche.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Elam(iter)

Land und Volk östlich von → Babylonien mit der Hauptstadt Susa, nacheinander unter assyrischer, medischer und schließlich persischer Oberherrschaft. In kriegerischen Zusammenhängen werden die Elamiter als Bogenschützen erwähnt (Jes 22,6; Jer 49,35).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Ehrfurcht

Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt.

Babylonien, Babylonier

Das Schwemmland um Eufrat und Tigris südöstlich des heutigen Bagdad mit dem Hauptort → Babylon bzw. dessen Bewohner. Zuerst ist diese Gegend vermutlich im 5. Jahrtausend v.Chr. besiedelt worden. In der Bibel zugleich Bezeichnung für das Neubabylonische Reich, dessen Herrscher Nebukadnezzar (604–562 v.Chr.) Juda besiegte, Jerusalem zerstören und die Oberschicht des Landes nach Babylonien deportieren ließ (→ Exil).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Nazoräer

Häufiger noch als »Nazarener« – d.h. »der aus Nazaret« – wird Jesus im Neuen Testament als »Nazoräer« bezeichnet (z.B. Mt 26,71; Joh 18,5.7; Apg 2,22). Beides könnte zumindest später als gleichbedeutend gebraucht worden sein; doch verbirgt sich hinter dem Ausdruck »Nazoräer« möglicherweise eine alte Bezeichnung für Jesus als Messias (→ Christus), deren Anklang an Nazaret einen erwünschten Doppelsinn ergab. Nach Mt 2,23 geht die Bezeichnung »Nazoräer« auf die alttestamentlichen Propheten zurück. Vielleicht ist sie von Jes 11,1 herzuleiten, wo von dem »Spross« (hebräisch nezär) die Rede ist, der aus dem Baumstumpf Isai hervorwächst. Vielleicht spielen auch die »Gottgeweihten« (hebräisch nesir; → Nasiräer) des Alten Testaments als prophetische Hinweise auf den Messias/Christus eine Rolle (vgl. Ri 13,5.7; 16,17).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Weiser, Weisheit

Als weise gilt im alten Israel, wer geübt und fähig ist, etwas richtig, meisterhaft zu tun. So zeigt sich Weisheit schon in der Beherrschung irgendeiner geistigen und handwerklichen Fähigkeit (Ex 31,1-11; Jer 9,16 wörtlich). Vor allem aber zeigt sie sich in der Fähigkeit, den Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen im eigenen Leben und im Zusammenleben der Menschen zu erkennen und das eigene Leben und das der Gemeinschaft diesen Erkenntnissen entsprechend zu gestalten. Letztlich geht es der Weisheit darum, zu erkennen, wie Welt und Leben eigentlich geordnet sind und wie der Mensch sich diesen Ordnungen am besten einzufügen hat – zum eigenen Wohl und zum Wohl aller.

Edom(iter)

Nachbarvolk Israels, das auf Jakobs Bruder Esau zurückgeführt wird (Gen 36,1-9). Es wohnte südlich des Toten Meeres in dem Seïr genannten Bergland östlich des Jordangrabens. Unterwerfung durch Israel (zuerst unter David; 2 Sam 8,13-14) und Selbstständigkeit wechselten mehrfach ab. Nach der Zerstörung Jerusalems 586 v.Chr. machten sich die Edomiter die Schwäche Judas zunutze (vgl. Obd 10-14; Ps 137,7) und drangen in Südjuda ein. Um 300 v.Chr. entrissen ihnen die aus der Wüste kommenden → Nabatäer das alte Stammland östlich des Jordans und drängten sie ganz in das nun nach ihnen Idumäa genannte südjudäische Gebiet.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Philister

Etwa gleichzeitig mit Israel aus dem ägäischen Raum über Kreta und Zypern in den Vorderen Orient eingewandert (vgl. Jer 47,4; Am 9,7). Lange Zeit hatte Israel unter ihrer Übermacht zu leiden. Sie bildeten einen Städtebund, die später so genannte Pentapolis (= Fünf-Städte), zu dem Gaza, Gat, Aschdod, Aschkelon und Ekron gehörten, die jeweils von einem »Fürsten« regiert wurden. Von den Philistern (hebräisch pelischtim) hat die gesamte Landschaft ihren Namen »Palästina« erhalten. Zum ersten Mal finden wir die Bezeichnung in diesem Sinn bei dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v.Chr.); die Römer gebrauchten sie nach der Niederschlagung des zweiten jüdischen Aufstands 132–135 n.Chr. als Provinznamen, um die bisherige Bezeichnung → Judäa durch einen neutralen Begriff zu ersetzen, an dem sich keine nationalistischen Leidenschaften entzünden konnten.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

David

Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete.