Offenbarung 1
Über dieses Buch
BRIEFLICHE ERÖFFNUNG
Grüße an die sieben Gemeinden
Der Auftrag an Johannes
Sachwissen
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Einführung: Das Buch der Offenbarung
Das letzte Buch des Neuen Testaments stammt aus einer Zeit, in der Christen aufgrund ihres Glaubens in schwere Konflikte mit ihren Mitbürgern und den staatlichen Behörden geraten konnten. Wahrscheinlich ist die Offenbarung um 95 n. Chr. entstanden, gegen Ende der Regierungszeit von Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.). Domitian beanspruchte für sich den Titel »Herr und Gott«. Er ließ Statuen von sich errichten, an denen man ihm göttliche Verehrung erweisen sollte. Die Christen konnten und wollten dem nicht nachkommen, denn eine solche Verehrung steht im Widerspruch zu ihrem Bekenntnis zu dem einen Gott, dem Vater von Jesus Christus. Für die Christen begann damit eine Geschichte von Verfolgung und Leid. Die Offenbarung möchte ihnen in dieser schwierigen Situation Trost spenden. Sie ermutigt sie, ihren Glauben auch dann nicht zu verleugnen, wenn ihnen dafür Anfeindungen und Verfolgungen drohen.
6. Die Offenbarung des Johannes (Johannesapokalypse, Apk)
Der Titel dieser Schrift geht auf ihr erstes Wort zurück (ἀποκάλυψις/apokalypsis – Offenbarung). Damit ist sie namengebend für eine ganze literarische Gattung und ihre Trägerkreise geworden.
Diener von Christus
Bezeichnung für eine Person, die Christus als ihren Herrn anerkennt. In seinem Auftrag und mit seiner Vollmacht verkündet sie das Wort Gottes.
Geist Gottes, Heiliger Geist
Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.
Heiliger Geist
Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Hauch«. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt (Gen 1,2), das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt (vgl. Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Der Geist kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1 Sam 10,10-12) und kann einen → Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1 Kön 18,12; vgl. Ez 8,3). Wenn der Geist Gottes für dauernd von einem Menschen Besitz ergreift wie von David (1 Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn (vgl. Joh 1,32-34).
Offenbarung 1,9-18 | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 01.02.2026
In den letzten 30 Jahren hat die Forschung zur neutestamentlichen Johannesapokalypse erheblich an Dynamik gewonnen. Sowohl in Hinsicht auf die Fragen nach Verfasser, Adressaten, Abfassungszeit und literarischer Integrität dieser Schrift als auch im Blick auf den theologischen Skopus dieses letzten Buches des Neuen Testaments sind neue Vorschläge vorgelegt worden.
Jesus
Der Name bedeutet so viel wie »der HERR rettet«. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes, in dem sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllen. Um 30 n. Chr. wirkte Jesus in der Art eines jüdischen Lehrers in Galiläa und Judäa.
Morgenstern
Sterne in der Hand eines Gottes oder eines menschlichen Herrschers sind auf antiken bildlichen Darstellungen Sinnbild für Macht und Herrschaft. Das gilt auch für die »sieben Sterne« (wahrscheinlich das Sternbild des Kleinen Bären) von Offb 1,16; 2,1; 3,1 und ebenso für den »Morgenstern« (= Planet Venus) von Offb 2,28.
Totenwelt, Totenreich
Unterirdischer Aufenthaltsort der Verstorbenen, die dort in schattenhafter Weise weiterleben. In der Offenbarung (Offb 1,18; 20,13) ist die Totenwelt das Reich, in dem der Tod herrscht, und der Aufenthaltsort der Toten bis zur → Auferstehung (siehe auch → Hölle).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Asien
Die römische Provinz Asia umfasste den westlichen Teil von Kleinasien mit der Hauptstadt Ephesus. Hier lagen die sieben Gemeinden, an die die Briefe von Offb 2–3 gerichtet sind.
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Provinz Asia
Römische Provinz im Westen der heutigen Türkei mit der Hauptstadt Ephesus.
Sünde, Schuld
Sünde beschreibt die Trennung des Menschen von Gott; Schuld bezieht sich im Unterschied dazu auf konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können.
Amen
Das hebräische Wort bedeutet »So ist es! / So soll es sein!«
Gnade
Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.
Reich Gottes
Wörtlich »Königsherrschaft Gottes«. Bezeichnet den Herrschaftsbereich, in dem sich Gottes Wille durchsetzt.
Blut
Das Blut gilt als Quelle und Sitz des Lebens. Da Gott der Lebensspender ist, gehört es ihm und darf von Menschen nicht gegessen oder getrunken werden. Das führt in Israel zu der Forderung, nur solches Fleisch zu essen, in dem keinerlei Blut zurückgeblieben ist (Gen 9,4), und damit zu einer Form des Schlachtens, bei der das gesamte Blut des Tieres ausfließt (Schächtung). Bei der rituellen Schlachtung (Opferung) wird das Blut der Opfertiere aufgefangen und an den Altar gegossen. Außerdem wird bei bestimmten Opferarten (→ Opfer) das Opferblut als Sühnemittel verwendet, um die verunreinigende Wirkung menschlicher Verfehlungen aufzuheben. Von daher wird im Neuen Testament der Opfertod von Jesus als → Sühne für die Sünden der Menschen verstanden (Hebr 9–10). In anderem Zusammenhang dient das Blut von Opfertieren zur Besiegelung des → Bundes zwischen Gott und seinem Volk (Ex 24,6-8). Auf diesem Hintergrund deutet Jesus seinen Tod als Inkraftsetzung des neuen Bundes (Lk 22,20).
Trompete
Ein Musik- und Signalinstrument, das aus einem Metallrohr mit Schalltrichter besteht. Es kommt sowohl im Gottesdienst als auch beim Militär zum Einsatz.
Auferstehung/Aufwerweckung
Meint die Auferstehung bzw. Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes.
Engel
Das entsprechende hebräische Wort bedeutet »Bote/Gesandter«. In den älteren Schriften des Alten Testaments ist wiederholt vom »Engel des → Herrn« oder vom »Engel Gottes« die Rede. Dabei handelt es sich um einen Boten mit einem ganz bestimmten Auftrag, der hinter dem Auftrag völlig zurücktritt. Manchmal identifiziert sich dieser Engel so sehr mit Gott, dass der Eindruck entsteht, Gott selbst zeige sich hier in sichtbarer Gestalt (Gen 16,7-13; 22,11; 31,11.13; Ex 3,2; 23,20-23; Ri 2,1; 6,11-24; 13,3-23).
Engel
Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen.
Herrlichkeit
Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor.
Gericht, verurteilen
Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht.
Kreuzigung
Verurteilte Sklaven, Räuber und Aufrührer wurden von den Römern am Kreuz hingerichtet.
Widderhorn
(hebräisch schofar) Die gewundenen Hörner des männlichen Fettschwanzschafs (Ovis ammon aries) wurden nach Entfernung des Marks als Blashörner gebraucht. Sie geben einen dumpfen, durchdringenden Ton und dienten als Signal-, Alarm- und Kriegshörner. Auch festliche Anlässe wurden durch Hörnerblasen gefeiert und bekannt gemacht (Lev 25,8-9; 1 Kön 1,34.39; 1 Chr 15,28; Ps 81,4). Wenn die Übersetzung von der »Posaune« spricht, die Gottes Kommen – am Berg → Sinai und zum letzten Gericht – ankündigt, ist wörtlich ebenfalls von diesem »Widderhorn« die Rede (Ex 19,16-19; 1 Thess 4,16; 1 Kor 15,52; Offb 1,10; 4,1; 8,2 usw.).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Frieden
Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht.
Posaune
Amen
Das hebräische Wort amen hat den Sinn von »So ist es/So sei es!«, wenn es von der Gemeinde zur Bestätigung von Segen oder Fluch ausgerufen wird (Dtn 27,15-26) oder die Gemeinde sich mit diesem Wort hinter das Gebet eines Einzelnen stellt (1 Kor 14,16). Der besonders nachdrückliche verdoppelte Ausruf Amen, (und) Amen! wird in dieser Übersetzung durch die Formel »Amen, so soll es sein!« wiedergegeben (z.B. Num 5,21-22; Ps 41,14; 72,19; 89,53).
Sonntag
Die Übersetzung gebraucht unsere Wochentagsbezeichnung, wo es nach jüdischem Brauch wörtlich heißt »der Tag nach dem → Sabbat« bzw. »der erste Tag der Woche« (Mt 28,1; Mk 16,2; Lk 24,1; Joh 20,1.19; Apg 20,7). Dieser Tag ist der Tag der Entdeckung des leeren Grabes und – nach Lukas und Johannes – auch des ersten Erscheinens des Auferstandenen. Die Christen nannten ihn den »Tag des Herrn«, d.h. des auferstandenen → Herrn Jesus Christus (Offb 1,10), und feierten an ihm das → Mahl des Herrn (Apg 20,7).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Christus
Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus.
Totenreich
Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt.
Frieden
Anders als im abendländischen Denken ist Frieden im orientalisch-biblischen nicht einfach die Abwesenheit von Krieg, sondern ein viel weiterer und vornehmlich positiv gefüllter Begriff. »Frieden« (hebräisch schalom) meint: umfassendes Glück, Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen – zueinander, zu sich selbst, zur Umwelt, zu Gott. Ein Idealbild dessen, was »Frieden« in diesem Sinne heißt, zeichnet Ps 72, wo das Wort an zentralen Stellen, in Vers 3 und in Vers 7 (dort mit »Wohlstand« übersetzt), vorkommt. Für biblisches Denken hat die gelungene Beziehung zu Gott grundlegende Bedeutung für alle anderen Beziehungen. Heilvolles Leben in allen Dimensionen, die das Leben ausmachen, ist nur möglich, wo Gott geehrt wird und seine Rechts- und Lebensordnungen bewahrt werden (Ps 85,9-14; 119,165; 147,10-14; Jes 32,15-18; 48,18; 54,13; 57,21).