Sprichwörter 1
Eine Empfehlung der Weisheit
Buchüberschrift, Vorwort und Motto
Erste Lehrrede: Lass dich nicht mit Gewalttätern ein
Der Ruf der Weisheit
Sachwissen
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Einführung: Das Buch der Sprichwörter
Das Buch der Sprichwörter, das auch »Sprüche Salomos« genannt wird, umfasst Weisheitssprüche, Erfahrungsregeln und Einsichten. Sie sind in verschiedenen Sammlungen zusammengestellt, deren Entstehung sich über einen langen Zeitraum erstreckt. Nach 25,1 wurden solche Lebensweisheiten am Königshof gesammelt und aufgeschrieben. Die jüngste Sammlung (1,1–9,18) steht am Anfang des Buches und bietet Lehrreden, die auf die Ausbildung junger Erwachsener zielen. Sie ist im Zeitraum von 300–200 v. Chr. entstanden. Die charakteristische Anrede mit »mein Sohn« lässt an den Unterricht in einer Weisheitsschule denken.
Einführung: Die poetischen Bücher
Zu den poetischen Büchern der Bibel zählen Hiob, die Psalmen, Sprichwörter, Kohelet und das Hohelied. Sie sind in der Sprache der Dichtung geschrieben, die in besonderer Weise auch Herz und Gefühl des Menschen anspricht. Im Unterschied zur deutschen Dichtung spielt in der hebräischen Poesie der Endreim kaum eine Rolle. Ihr wichtigstes Kennzeichen ist vielmehr die Formulierung in parallelen Aussagen, der sogenannte Parallelismus. Das bedeutet: In einem zweigeteilten Vers sind die beiden Hälften inhaltlich aufeinander bezogen und bilden zusammen eine Sinneinheit. Ein Beispiel dafür ist Psalm 103,1: »Lobe den HERRN, meine Seele!/Und alles in mir preise seinen heiligen Namen!« Dabei wird der zweite Teil jeweils eingerückt. Solche parallel aufgebauten Verse und Sprüche gibt es in großer Vielfalt. Sie können auch einen Gegensatz (Sprichwörter 10,1), eine Steigerung (Psalm 29,1) oder einen Gedankenfortschritt (Hiob 3,26) zum Ausdruck bringen. Ihre poetische Kraft liegt darin, dass sie einen einzigen Sachverhalt durch zwei aufeinander bezogene Aussagen beschreiben. So regen sie dazu an, beim Lesen den Sinnzusammenhang zwischen den beiden Vershälften auszuloten.
5.3. Die Sprüche Salomos/Die Proverbien (Spr/Prov)
Die Sprüche Salomos (lat. proverbium = Sprichwort) wurden in der Septuaginta und den Folgeübersetzungen mit den beiden anderen Salomo zugeschriebenen Büchern Kohelet und Canticum Canticorum zusammengestellt und nach den Psalmen eingeordnet. Im hebräischen Kanon stehen die Sprüche (מִשְׁלֵי, mišlê) separat nach dem Hiobbuch (oder zwischen Ps und Hi). Das Buch wurde Salomo zugeschrieben, weil ihm nach 1Kön 3,12 ein „weises und verständiges Herz“ eignete, laut 1Kön 5,12 soll er 3000 Sprüche und 1005 Lieder gedichtet haben.
Sünde, Schuld
Sünde beschreibt die Trennung des Menschen von Gott; Schuld bezieht sich im Unterschied dazu auf konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können.
gerecht, Gerechter
Als »gerecht« wird im Deutschen ein Mensch bezeichnet, der sich so verhält, wie es dem allgemeinen Rechtsempfinden entspricht. »Gerecht« im Sinn des Alten Testaments ist der Mensch, der sich nach dem → Gesetz richtet, in dem Gott seinem Volk seinen Willen kundgetan hat. Verschiedentlich meldet sich jedoch schon im Alten Testament das Bewusstsein, dass letztlich kein Mensch vor Gott als »gerecht« bestehen kann (z.B. Ijob 4,17; 15,14; Ps 143,2). Im Frühjudentum wird der »gerechte« Mensch zum Gegenstand endzeitlicher Hoffnung; der Messias (→ Christus) wird als der »Gerechte« erwartet und ersehnt. Vom Erscheinen dieses Gerechten hängt die Rettung Israels ab (Jes 53,11). Diese Schriftstellen und Traditionen stehen im Hintergrund, wenn Jesus im Neuen Testament als »gerecht« (so wörtlich in Lk 23,47; 1 Joh 2,29; 3,7) oder als »der Gerechte« bezeichnet wird (Apg 3,14; 7,52; 22,14; 1 Petr 3,18; 1 Joh 2,1).
Salomo
Einer der berühmtesten Könige von Israel, der etwa 970–930 v. Chr. regierte.
Ehrfurcht
Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt.
Weiser, Weisheit
Als weise gilt im alten Israel, wer geübt und fähig ist, etwas richtig, meisterhaft zu tun. So zeigt sich Weisheit schon in der Beherrschung irgendeiner geistigen und handwerklichen Fähigkeit (Ex 31,1-11; Jer 9,16 wörtlich). Vor allem aber zeigt sie sich in der Fähigkeit, den Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen im eigenen Leben und im Zusammenleben der Menschen zu erkennen und das eigene Leben und das der Gemeinschaft diesen Erkenntnissen entsprechend zu gestalten. Letztlich geht es der Weisheit darum, zu erkennen, wie Welt und Leben eigentlich geordnet sind und wie der Mensch sich diesen Ordnungen am besten einzufügen hat – zum eigenen Wohl und zum Wohl aller.