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  • Die Klagelieder
  • Klgl 3,22

Das dritte Klagelied

3

1Ich bin der Mann, der das Elend gesehen hat, (Alef) das Werk des Stocks seines Zorns.

2Mich hat er vertrieben und fortgeführt (Alef) in die Finsternis und nicht ins Licht.

3Ja, gegen mich wendet er wieder und wieder seine Hand, (Alef) jeden Tag.

4Mein Fleisch und meine Haut hat er schwinden lassen, (Bet) meine Knochen hat er zerbrochen.

5Gegen mich hat er gebaut, und mich hat er eingeschlossen (Bet) mit Gift und mit Mühsal.

6In tiefster Finsternis hat er mich wohnen lassen, (Bet) wie jene, die lange schon tot sind.

7Er hat mich eingemauert, und ich komme nicht heraus, (Gimel) mit bronzenen Ketten hat er mich beschwert.

8Auch wenn ich schreie und um Hilfe rufe - (Gimel) er hat sich meinem Gebet verschlossen.

9Meinen Weg hat er mit Quadersteinen vermauert, (Gimel) meine Pfade hat er verdreht.

10Ein lauernder Bär ist er für mich, (Dalet) ein Löwe im Verborgenen.

11Meine Wege hat er mit Dornen versperrt,A (Dalet) und er hat mich zerrissen, übel hat er mich zugerichtet!

Die genaue Bedeutung des durch ‹mit Dornen versperren› wiedergegebenen hebräischen Worts ist nicht gesichert.

12Er spannte seinen Bogen und stellte mich auf (Dalet) wie die Zielscheibe für den Pfeil.

13In meine Nieren liess er eindringen (He) die Söhne seines Köchers.

14Für mein ganzes Volk bin ich zum Hohn geworden, (He) ihr Spottlied für jeden Tag.

15Mit bitteren Kräutern hat er mich gesättigt, (He) mit Wermut hat er meinen Durst gestillt.

16Und auf Kies liess er meine Zähne sich zerreiben, (Waw) in den Staub trat er mich nieder.

17Und aus dem Frieden hast du mich verstossen, (Waw) was Glück ist, habe ich vergessen!

18Und ich sagte: Verloren ist mein Ruhm (Waw) und meine Hoffnung auf den HERRN.

19An mein Elend und meine Heimatlosigkeit denken (Sajin) ist Wermut und Gift.

20Ständig denke ich daran, (Sajin) und tief bin ich gebeugt!

21Dies werde ich zurückbringen in mein Herz, (Sajin) darum werde ich hoffen:

22Es sind die Gnadenerweise des HERRN, (Chet) dass es nicht ganz und gar zu Ende ist mit uns, denn sein Erbarmen hat sich nicht erschöpft.

23An jedem Morgen ist es neu. (Chet) Deine Treue ist gross!

24Mein Anteil ist der HERR!, habe ich gesagt. (Chet) Darum werde ich auf ihn hoffen.

25Der HERR ist gut zu dem, der auf ihn hofft, (Tet) zu dem, der nach ihm fragt.

26Gut ist es, schweigend zu warten (Tet) auf die Rettung durch den HERRN.

27Gut ist es für den Mann, (Tet) wenn er das Joch in seiner Jugend trägt.

28Allein soll er sitzen, und er soll schweigen, (Yod) wenn er es ihm auferlegt.

29Er tue seinen Mund in den Staub, (Yod) vielleicht gibt es Hoffnung!

30Er halte dem die Wange hin, der ihn schlägt, (Yod) der sich sättigt an der Schmach.

31Denn er verstösst nicht für immer, (Kaf) der Herr.

32Vielmehr: Hat er in Kummer gestürzt, dann erbarmt er sich, (Kaf) wie es der grossen Zahl seiner Gnadenerweise entspricht.

33Denn nicht von Herzen hat er erniedrigt (Kaf) und die Menschen in Kummer gestürzt.

34Dass man unter seinen Füssen (Lamed) alle Gefangenen des Landes zertritt,

35dass man das Recht eines Mannes beugt (Lamed) vor dem Angesicht des Höchsten,

36dass man einen Menschen behindert bei seinem Rechtsstreit (Lamed) - das sollte der Herr nicht sehen?

37Wer sollte das sein, der sprach und es geschah, (Mem) ohne dass der Herr es geboten hätte?

38Kommt nicht aus dem Mund des Höchsten (Mem) das Schlimme und das Gute?

39Was beklagt sich der Mensch, der lebt, (Mem) was beklagt sich ein Mann über seine Sünden?

40Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, (Nun) und lasst uns zurückkehren zum HERRN!

41Wir erheben unser Herz und unsere Hände (Nun) zu Gott im Himmel.

42Wir, wir haben uns vergangen und waren widerspenstig, (Nun) du, du hast es nicht verziehen.

43Du hast dich in Zorn gehüllt und hast uns verfolgt, (Samech) du hast uns umgebracht, ohne Mitleid.

44In eine Wolke hast du dich gehüllt, (Samech) so dass kein Gebet hindurchdrang.

45Zu Kehricht und Unrat hast du uns gemacht (Samech) inmitten der Völker.

46Alle unsere Feinde (Pe) haben ihr Maul gegen uns aufgerissen.

47Grauen und Grube sind uns zuteil geworden, (Pe) Verheerung und Zusammenbruch.

48Bäche stürzen aus meinem Auge (Pe) über den Zusammenbruch der Tochter meines Volks.

49Mein Auge ergiesst sich und findet keine Ruhe, (Ajin) es hört und hört nicht auf,

50bis der HERR vom Himmel (Ajin) herabblickt und hinsieht.

51Mein Auge schmerzt mich (Ajin) all der Töchter meiner Stadt wegen.

52Gejagt, gejagt wie einen Vogel haben mich (Zade) meine Feinde, ohne Grund!

53In der Grube wollten sie mein Leben zum Schweigen bringen, (Zade) und Steine haben sie auf mich geworfen.

54Wasser flutete über mein Haupt, (Zade) ich sagte: Ich bin vom LebenA abgeschnitten!

«vom Leben» wurde in der Übersetzung ergänzt.

55Ich rief deinen Namen, HERR, (Qof) von tief unten aus der Grube.

56Du hast meine Stimme gehört, (Qof) verschliesse nicht dein Ohr, zu meiner Erleichterung, zu meiner Rettung!

57Am Tag, da ich dich rief, hast du dich genaht, (Qof) du sprachst: Fürchte dich nicht.

58Du, Herr, hast um mich die Rechtsstreite geführt, (Resch) hast mein Leben erlöst.

59HERR, du hast gesehen, wie man mir das Recht beugt, (Resch) verschaffe du mir mein Recht!

60Du hast all ihre Rachegelüste gesehen, (Resch) all ihre Pläne gegen mich.

61Ihr Schmähen hast du vernommen, HERR, (Schin) all ihre Pläne gegen mich,

62das Reden jener, die sich gegen mich erheben, und ihr Gerede (Schin) gegen mich, jeden Tag.

63Ob sie sitzen oder sich erheben - schau hin: (Schin) Ich bin ihr Spottlied!

64Zahle es ihnen heim, HERR, (Taw) wie es dem Tun ihrer Hände entspricht.

65Gib ihnen Verblendung ins Herz. (Taw) Dein Fluch über sie!

66Verfolge sie voller Zorn und zerschmettere sie (Taw) unter dem Himmel des HERRN!