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  • Das Evangelium nach Matthäus
  • Mt 27,51

Überlieferung an Pilatus

271Als es aber Morgen geworden war, hielten alle HohenpriesterA und Ältesten des Volkes Rat gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen.

Nicht nur der amtierende Hohepriester, sondern alle männlichen Mitglieder der hohenpriesterlichen Familien wurden zu den »Hohenpriestern« gerechnet.

2Und nachdem sie ihn gebunden hatten, führten sie ihn weg und überlieferten ihn dem Statthalter PilatusA.

Statthalter des röm. Kaisers in Judäa und Samaria (ca. 26—36 n. Chr.)

Ende des Judas

3Als nun Judas, der ihn überliefert hatte, sah, dass er verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück

4und sagte: Ich habe gesündigt, denn ich habe schuldloses Blut überliefert. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu!

5Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon und ging hin und erhängte sich.

6Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld ist.

7Sie hielten aber Rat und kauften dafür den Acker des Töpfers zum Begräbnis für die Fremden.

8Deswegen ist jener Acker Blutacker genannt worden bis auf den heutigen Tag.

9Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: »Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte seitens der Söhne Israels,

10und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat.«

Anklage vor Pilatus

11Jesus aber wurde dem Statthalter vorgeführt. Und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es.

12Und als er von den Hohenpriestern und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts.

13Da spricht Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie vieles sie gegen dich vorbringen?

14Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so dass der Statthalter sich sehr wunderte.

Freilassung für Barabbas — Todesurteil für Jesus

15Zum Fest aber war der Statthalter gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen loszugeben, den sie verlangten.

16Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen, mit Namen BarabbasA.

d. h. Sohn des Vaters; mehrere Handschr. haben hier: Jesus Barabbas

17Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Wen wollt ihr, dass ich euch losgeben soll, BarabbasA oder Jesus, der Christus genannt wird?

Mehrere Handschr. haben hier: Jesus den Barabbas

18Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid überliefert hatten.

19Während er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ <ihm> sagen: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Denn im Traum habe ich heute um seinetwillen viel gelitten.

20Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten die Volksmengen, dass sie den Barabbas forderten, Jesus aber umbrächten.

21Der Statthalter aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von den beiden wollt ihr, dass ich euch losgebe? Sie aber sprachen: Barabbas.

22Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus genannt wird? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt!

23Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien über die Maßen und sagten: Er werde gekreuzigt!

24Als aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor der Volksmenge und sprach: Ich bin schuldlos an dem Blut dieses GerechtenA. Seht ihr zu!

Mehrere alte Handschr. haben: dieses

25Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut <komme> über uns und über unsere Kinder!

26Dann gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und überlieferte ihn, damit er gekreuzigt werde.

Verspottung durch die Soldaten

27Dann nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit in das PrätoriumA und versammelten um ihn die ganze ScharB;

So hieß der Palast eines Statthalters in den römischen Provinzen.

Gemeint ist »Kohorte«, eine militärische Einheit der Römer von etwa 600 Mann unter dem Befehl eines Obersten; vgl. Anm. zu Apg 21,31.

28und sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten MantelA um.

Solche Mäntel trugen die römischen Soldaten.

29Und sie flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und <gaben ihm> ein Rohr in seine Rechte; und sie fielen vor ihm auf die Knie und verspotteten ihn und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden!

30Und sie spien ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt.

31Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine <eigenen> Kleider an; und sie führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Golgatha: Kreuzigung

32Als sie aber hinauszogen, trafen sie einen Mann von Kyrene, mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er sein Kreuz trage.

33Und als sie an einen Ort gekommen waren, genannt Golgatha, das heißt Schädelstätte,

34gaben sie ihm mit Galle vermischten Wein zu trinken; und als er davon gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

35Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los warfen.

36Und sie saßen und bewachten ihn dort.

37Und sie brachten oben über seinem Haupt seine Beschuldigungsschrift an: Dies ist Jesus, der König der Juden.

38Dann werden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

39Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe

40und sagten: Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz!

41Ebenso aber spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

42Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir werden an ihn glauben.

43Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn liebtA; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn.

w. will; o. Gefallen an ihm hat

44Auf dieselbe Weise schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

Golgatha: Tod

45Aber von der sechsten StundeA an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde;

In neutestamentl. Zeit teilte man Tag und Nacht in je 12 Stunden ein, wobei sich die Länge der Stunden nach der Länge des Tages zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang richtete. Das Ende der 6. Stunde fiel dabei also immer auf den Mittag 12 Uhr unserer Zeit.

46um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: Eli, Eli, lemá sabachtháni? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

47Als aber einige von den Umstehenden es hörten, sagten sie: Der ruft den Elia.

48Und sogleich lief einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

49Die Übrigen aber sagten: Halt, lasst uns sehen, ob Elia kommt, ihn zu retten!

50Jesus aber schrie wieder mit lauter Stimme und gab den Geist auf.

51Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei <Stücke>, von oben bis unten; und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen,

52und die Grüfte öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt,

53und sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Grüften und gingen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

54Als aber der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und das, was geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!

55Es sahen aber dort viele Frauen von weitem zu, die Jesus von Galiläa nachgefolgt waren und ihm gedient hatten;

56unter ihnen waren Maria MagdalenaA und Maria, des Jakobus' und Josefs Mutter, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

d. h. die aus Magdala (Ort in der Nähe des Sees Genezareth); so auch V. 61

Grablegung

57Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathäa, mit Namen Josef, der selbst auch ein Jünger Jesu war.

58Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, <den Leib> zu übergeben.

59Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch

60und legte ihn in seine neue Gruft, die er in den Felsen ausgehauen hatte; und er wälzte einen großen Stein an die Tür der Gruft und ging weg.

61Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria, die dem Grab gegenübersaßen.

Bewachung des Grabes

62Am nächsten Tag aber, der auf den RüsttagA folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus

der Wochentag vor einem Sabbat oder Fest, in der Regel ein Freitag

63und sprachen: Herr, wir haben uns erinnert, dass jener Verführer sagte, als er noch lebte: Nach drei Tagen stehe ich <wieder> auf.

64So befiehl nun, dass das Grab gesichert werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Und die letzte Verführung wird schlimmer sein als die erste.

65Pilatus sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben. Geht hin, sichert es, so gut ihr könnt!

66Sie aber gingen hin und sicherten, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, das Grab mit der Wache.