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  • Das Evangelium nach Johannes
  • Joh 19,30

Geißelung und Verurteilung

191Dann nahm nun Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.

2Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und warfen ihm ein Purpurgewand um;

3und sie kamen zu ihm und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie gaben ihm Schläge <ins Gesicht>.

4Und Pilatus ging wieder hinaus und spricht zu ihnen: Siehe, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr wisst, dass ich keinerlei Schuld an ihm finde.

5Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch!

6Als ihn nun die HohenpriesterA und die Diener sahen, schrien sie und sagten: Kreuzige, kreuzige <ihn>! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.

s. Anm. zu Kap. 11,47

7Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat.

8Als nun Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr;

9und er ging wieder hinein in das Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort.

10Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich MachtA habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen?

o. Vollmacht

11Jesus antwortete: Du hättest keinerlei MachtA über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überliefert hat, größere Sünde.

o. Vollmacht

12Daraufhin suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und sagten: Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers FreundA nicht; jeder, der sich selbst zum König macht, widersetzt sich dem Kaiser.

Der Ausdruck »Freund des Kaisers« bezeichnet eine besondere Stellung beim Kaiser.

13Als nun Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an einen Ort, genannt SteinpflasterA, auf Hebräisch aber Gabbata.

erhöhter gepflasterter Platz vor dem Prätorium, wo der Statthalter Gericht hielt

14Es war aber RüsttagA des Passah; es war um die sechste StundeB. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König!

der Wochentag vor einem Sabbat oder Fest, in der Regel ein Freitag

d. i. zwischen 11 und 12 Uhr vormittags; vgl. auch Anm. zu Mt 27,45

15Sie aber schrien: Weg, weg! Kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.

16Dann nun lieferte er ihn an sie aus, dass er gekreuzigt würde. Sie aber nahmen Jesus hin Aund führten ihn fortA.

Diese Wörter sind in mehreren alten Handschr. nicht enthalten.

Golgatha: Kreuzigung

17Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der Stätte, genannt Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgatha heißt,

18wo sie ihn kreuzigten, und zwei andere mit ihm, auf dieser und auf jener Seite, Jesus aber in der Mitte.

19Pilatus schrieb aber auch eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus, der NazoräerA, der König der Juden.

eine andere Form für das bei Mk (und teilweise Lk) überlieferte »Nazarener«; vgl. auch Anm. zu Mt 2,23

20Diese Aufschrift nun lasen viele von den Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt; und es war geschrieben auf Hebräisch, Lateinisch <und> Griechisch.

21Die Hohenpriester der Juden sagten nun zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern dass jener gesagt hat: Ich bin König der Juden.

22Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

23Die Soldaten nun nahmen, als sie Jesus gekreuzigt hatten, seine Kleider — und machten vier Teile, einem jeden Soldaten einen Teil — und das Untergewand. Das Untergewand aber war ohne Naht, von obenan durchgewebt.

24Da sprachen sie zueinander: Lasst es uns nicht zerreißen, sondern darum losen, wessen es sein soll! Damit die Schrift erfüllt würde, die spricht: »Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen.« Die Soldaten nun haben dies getan.

25Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas <Frau>, und Maria MagdalenaA.

d. h. die aus Magdala (Ort am See Genezareth)

26Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!

27Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.

Golgatha: Tod

28Danach, da Jesus wusste, dass alles schon vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet!

29Es stand da ein Gefäß voll Essig. Sie legten nun einen Schwamm voller Essig um einen YsopA und brachten ihn an seinen Mund.

ein kleiner Busch mit stark riechenden Blättern; er wurde beim Reinigungsopfer zum Besprengen verwendet

30Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

31Die Juden nun baten den Pilatus, damit die Leiber nicht am Sabbat am Kreuz blieben, weil es Rüsttag war — denn der Tag jenes Sabbats war groß —, dass ihre Beine gebrochen und sie abgenommen werden möchten.

32Da kamen die Soldaten und brachen die Beine des ersten und des anderen, der mit ihm gekreuzigt war.

33Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht,

34sondern einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.

35Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr; und er weiß, dass er sagt, <was> wahr <ist>, damit auch ihr glaubt.

36Denn dies geschah, damit die Schrift erfüllt würde: »Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden.«

37Und wieder sagt eine andere Schrift: »Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben.«

Grablegung

38Danach aber bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, aber ein geheimer aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Er kam nun und nahm den Leib Jesu ab.

39Es kam aber auch Nikodemus, der zuerst bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und AloeA, ungefähr hundert PfundB.

wohlriechende Harze, die zum Einbalsamieren von Toten verwendet wurden

w. Litra; s. Tabelle »Gewichte«

40Sie nahmen nun den Leib Jesu und wickelten ihn in Leinentücher mit den wohlriechenden Ölen, wie es bei den Juden zu bestatten Sitte ist.

41Es war aber an dem Ort, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und in dem Garten eine neue Gruft, in die noch nie jemand gelegt worden war.

42Dorthin nun legten sie Jesus, wegen des Rüsttags der Juden, weil die Gruft nahe war.