die-bibel.de - Das Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft
Bibel in der Einheitsübersetzung online kaufen
  • Auf Facebook teilen
  • Vers twittern
  • Die Klagelieder
  • Klgl 3,22

Das dritte Lied: 3,1-66

31Ich bin der Mann, der Leid erlebt hat /

durch die Rute seines Grimms.

2Er hat mich getrieben und gedrängt /

in Finsternis, nicht ins Licht.

3Täglich von neuem kehrt er die Hand /

nur gegen mich.

4Er zehrte aus mein Fleisch und meine Haut, /

zerbrach meine Glieder,

5umbaute und umschloss mich /

mit Gift und Erschöpfung.

6Im Finstern ließ er mich wohnen /

wie längst Verstorbene.

7Er hat mich ummauert, ich kann nicht entrinnen. /

Er hat mich in schwere Fesseln gelegt.

8Wenn ich auch schrie und flehte, /

er blieb stumm bei meinem Gebet.

9Mit Quadern hat er mir den Weg verriegelt, /

meine Pfade irregeleitet.

10Ein lauernder Bär war er mir, /

ein Löwe im Versteck.

11Er hat mich vom Weg vertrieben, /

mich zerfleischt und zerrissen.

12Er spannte den Bogen und stellte mich hin /

als Ziel für den Pfeil.

13In die Nieren ließ er mir dringen /

die Geschosse seines Köchers.

14Ein Gelächter war ich all meinem Volk, /

ihr Spottlied den ganzen Tag.

15Er speiste mich mit bitterer Kost /

und tränkte mich mit Wermut.

16Meine Zähne ließ er auf Kiesel beißen, /

er drückte mich in den Staub.

17Du hast mich aus dem Frieden hinausgestoßen; /

ich habe vergessen, was Glück ist.

18Ich sprach: Dahin ist mein Glanz /

und mein Vertrauen auf den Herrn.

19An meine Not und Unrast denken /

ist Wermut und Gift.

20Immer denkt meine Seele daran /

und ist betrübt in mir.

21Das will ich mir zu Herzen nehmen, /

darauf darf ich harren:

22Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, /

sein Erbarmen ist nicht zu Ende.

23Neu ist es an jedem Morgen; /

groß ist deine Treue.

24Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele, /

darum harre ich auf ihn.

25Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft, /

zur Seele, die ihn sucht.

26Gut ist es, schweigend zu harren /

auf die Hilfe des Herrn.

27Gut ist es für den Mann, /

ein Joch zu tragen in der Jugend.

28Er sitze einsam und schweige, /

wenn der Herr es ihm auflegt.

29Er beuge in den Staub seinen Mund; /

vielleicht ist noch Hoffnung.

30Er biete die Wange dem, der ihn schlägt, /

und lasse sich sättigen mit Schmach.

31Denn nicht für immer /

verwirft der Herr.

32Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder /

nach seiner großen Huld.

33Denn nicht freudigen Herzens /

plagt und betrübt er die Menschen.

34Dass man mit Füßen tritt /

alle Gefangenen des Landes,

35dass man das Recht des Mannes beugt /

vor dem Antlitz des Höchsten,

36dass man im Rechtsstreit den Menschen bedrückt, /

sollte der Herr das nicht sehen?

37Wer hat gesprochen und es geschah? /

Hat nicht der Herr es geboten?

38Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund /

das Gute wie auch das Böse?

39Wie dürfte denn ein Lebender klagen, /

ein Mann über die Folgen seiner Sünden?

40Prüfen wir unsre Wege, erforschen wir sie /

und kehren wir um zum Herrn.

41Erheben wir Herz und Hand /

zu Gott im Himmel.

42Wir haben gesündigt und getrotzt; /

du aber hast nicht vergeben.

43Du hast dich in Zorn gehüllt und uns verfolgt, /

getötet und nicht geschont.

44Du hast dich in Wolken gehüllt, /

kein Gebet kann sie durchstoßen.

45Zu Unrat und Auswurf hast du uns gemacht /

inmitten der Völker.

46Ihren Mund rissen gegen uns auf /

all unsre Feinde.

47Grauen und Grube wurde uns zuteil, /

Verwüstung und Verderben.

48Tränenströme vergießt mein Auge /

über den Zusammenbruch der Tochter, meines Volkes.

49Mein Auge ergießt sich und ruht nicht; /

es hört nicht auf,

50bis der Herr vom Himmel her /

sieht und schaut.

51Mein Auge macht mich elend /

vor lauter Weinen in meiner Stadt.A

51b: Text korr.; H: wegen aller Töchter meiner Stadt.

52Wie auf einen Vogel machten sie Jagd auf mich, /

die ohne Grund meine Feinde sind.

53Sie stürzten in die Grube mein Leben /

und warfen Steine auf mich.

54Das Wasser ging mir über den Kopf; /

ich sagte: Ich bin verloren.

55Da rief ich deinen Namen, Herr, /

tief unten aus der Grube.

56Du hörst meine Stimme. /

Verschließ nicht dein Ohr / vor meinem Seufzen, meinem Schreien!

57Du warst nahe am Tag, da ich dich rief; /

du sagtest: Fürchte dich nicht!

58Du, Herr, hast meine Sache geführt, /

hast mein Leben erlöst.

59Du, Herr, hast meine Bedrückung gesehen, /

hast mir Recht verschafft.

60Du hast gesehen ihre ganze Rachgier, /

all ihr Planen gegen mich.

61Du hast ihr Schmähen gehört, o Herr, /

all ihr Planen gegen mich.

62Das Denken und Reden meiner Gegner /

ist gegen mich den ganzen Tag.

63Blick auf ihr Sitzen und Stehen! /

Ein Spottlied bin ich für sie.

64Du wirst ihnen vergelten, Herr, /

nach dem Tun ihrer Hände.

65Du wirst ihren Sinn verblenden. /

Dein Fluch über sie!

66Du wirst sie im Zorn verfolgen und vernichten /

unter deinem Himmel, o Herr.A

66b: Text korr.; H: unter dem Himmel des Herrn.