Scheusal, entsetzliches
Der Ausdruck geht in Mt 24,15 und Mk 13,14 auf das Daniel-Buch zurück (Dan 9,27; 11,31; 12,11). Wörtlich lautet er »Gräuel der Verwüstung«, wobei »Gräuel« alles bezeichnet, was unrein ist und unrein macht (rein). Er bezieht sich bei Daniel auf die Entweihung des Jerusalemer Tempels durch Antiochus IV. Epiphanes. Dieser ließ 168 v.Chr. auf dem großen Brandopferaltar vor dem Tempelhaus einen kleinen Altar aufstellen, auf dem Opfer für den Griechengott Zeus dargebracht wurden. Dadurch wurde das ganze Heiligtum »verwüstet«, d.h. kultisch unrein, sodass der jüdische Opfergottesdienst unmöglich gemacht und Priester und Gemeinde vertrieben wurden; das Tempelgebiet verödete (1Makk 1,54; .59). Diese religionspolitische Maßnahme war Teil der Bemühungen, die Einheit des Seleuzidenreiches zu festigen (1Makk 1,41-53).
In Mt 24,15/Mk 13,14 muss der Ausdruck nicht auf eine genaue Wiederholung dieses Vorgangs deuten, bezeichnet aber auf jeden Fall Maßnahmen, die ihm entsprechen. Der Höhepunkt endzeitlicher Verfolgungen wird dadurch erreicht, dass der Staat die Religion völlig sich und seinen Zwecken dienstbar macht – zuletzt so sehr, dass er und seine Vertreter praktisch die Stelle Gottes selbst einnehmen und keinen Gottesdienst mehr dulden, der nicht ihnen gilt (vgl. 2Thess 2,3-4; Offb 13).