Ist mit dem Tod alles aus

Solange es Menschen gibt, stellen sie sich die Frage nach dem Tod. Ist er das Ende allen Lebens – oder gibt es ein Weiterleben nach dem Tod? Wir erfahren den Tod von Angehörigen als endgültig und unumkehrbar, als Abbruch der Beziehung. Es ist heute möglich, biologisches Leben zu verlängern. Alltägliche Todesrisiken werden gemindert. Aber dennoch sind wir Menschen biologisch nicht unsterblich.
Gleichzeitig aber kann es geschehen, dass wir in unserer technischen Welt und individualistischen Gesellschaft eine Form der Ausgrenzung erfahren, die wir soziales Sterben nennen: Tod bei lebendigem Atem. Sterben, verstanden als Eintreten in die Beziehungslosigkeit, kann schon lange vor dem letzten Herzschlag beginnen.
Kennt christlicher Glaube über das hinaus, was wir über den Tod denken, noch etwas anderes?
Der Apostel Paulus hat sich diese Frage in seinen Briefen gestellt. Dazu schreibt er im 1. Korintherbrief, Kapitel 15:
Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden. Durch einen Menschen kam der Tod. So kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung vom Tod. Alle Menschen gehören zu Adam, darum müssen sie sterben; aber durch die Verbindung mit Christus wird ihnen das neue Leben geschenkt werden. (1. Korinther 15,20-21)
(...)
So könnt ihr euch auch ein Bild von der Auferstehung der Toten machen. Was in die Erde gelegt wird, ist vergänglich; aber was zum neuen Leben erweckt wird, ist unvergänglich. Was in die Erde gelegt wird, ist armselig; aber was zum neuen Leben erweckt wird, ist voll Herrlichkeit. Was in die Erde gelegt wird, ist hinfällig; aber was zum neuen Leben erweckt wird, ist voll Kraft.
Was in die Erde gelegt wird, war von natürlichem Leben beseelt; aber was zu neuem Leben erwacht, wird ganz vom Geist Gottes beseelt sein.
Wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. (1. Korinther 15,42-44)
Von Paulus wird der Tod völlig ernst genommen: Er gehört zur sterblichen Welt, zur »Welt Adams«, und kennt keine Ausnahme. Dem stellt Paulus das neue Leben gegenüber, das nicht irdisch ist, sondern von Gottes Geist gegeben wird. Um dies zu erleben, muss zuvor alles Irdische sterben. Das neue Leben setzt also das alte nicht fort. Es lässt sich auch nicht als Seelenwanderung und Wiederverkörperung einer unsterblichen Seele fassen. Dagegen stellt sich Paulus das neue Leben als eine neue Schöpfung Gottes vor, als Neugestaltung des Geistes aus einer unsterblichen Welt. Er glaubt, dass die Auferstehung Jesu das Zeichen dieses neuen Lebens aus dem Geist für alle Menschen ist.
Wir können uns nur unzureichende Bilder von dieser Hoffnung auf das neue, ewige Leben machen, die Paulus bezeugt. Diese Bilder sprengen unsere Vorstellungen von Raum und Zeit. Paulus sieht das Ziel dieser vergänglichen Welt und Geschichte in dem unvergänglichen Gott. So ist es für die, die an dieser Hoffnung teilhaben, nicht gleichgültig, wie sie die eigene Lebensführung gestalten. Über Tod und Leben entscheiden wir täglich mit. Hier hat der Gedanke des Weltgerichts seinen Platz.
Der Glaube ist das Zeichen des neuen Lebens. Er wird wirksam in der Liebe. So schreibt Paulus:
Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe. (1. Korinther 13,13)
Unter Liebe versteht er auch die Hingabe an andere, den Einsatz für gelingendes Leben. Wo die Liebe fehlt, da ist der Tod – Töten, Totschlag und Mord. Wo die Liebe wohnt, da wohnt Gott, das ewige neue Leben.






