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Lebenswende

Lebenswende

Zwei Frauen vertieft in einer Landkarte. Eine Frau zeigt in Richtung Himmel.

Ein Umkehr-Erlebnis hat das Leben des Paulus (Saulus) völlig verändert: Aus einem Christenverfolger wurde ein Missionar des Christentums, ein rastloser Prediger und Verteidiger des christli­chen Glaubens. 

Der Verfasser der Apostelgeschichte, Lukas, hat zwei Genera­tionen später dieses Ereignis dreimal ausführlich überliefert: In Apg 9,3-9 beschreibt er es so: 

Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme sagte: »Ich bin Je­sus, den du verfolgst. Aber steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.« Den Männern, die Saulus begleiteten, verschlug es die Sprache. Sie hörten zwar die Stimme, aber sie sahen niemand. Saulus stand von der Erde auf und öffnete die Augen – aber er konnte nichts mehr sehen. Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus. Drei Tage war er blind und aß nichts und trank nichts. 

Wie wirkt ein solches Wende-Ereignis auf die eigene Person? Das Erleben krempelt einen Menschen so um, dass ihn andere nicht wiedererkennen! Der innere Wandel wird auch von äußeren kör­perlichen Zeichen begleitet. Was Saulus erlebte, hieb ihm auch wirklich die Beine weg. Sie versagten ihren Dienst. Drei Tage war er geblendet. Er aß nichts und trank nichts. Seine Begleiter wa­ren sprachlos. Sie nahmen etwas wahr, was sie sich nicht erklären konnten. 

Drei Tage sind Zeit genug, um ein paar Nächte darüber zu schlafen. Auch Paulus musste den Wandel erst noch begreifen. Dann war jemand da, der die Augen öffnen half: Hananias, der schon Christ geworden war. Er reichte dem Verfolger die Hand. Diese Geste eröffnete für Saulus den Weg zur Taufe. Saulus war als Fanatiker bekannt, der für den jüdischen Glauben und des­sen Erhaltung kämpfte. Er konnte Abweichler nicht dulden. Bald aber sollte er ein anerkanntes Mitglied der Gemeinschaft sein, die er gerade noch verfolgt hatte. Saulus wurde zum Pau­lus. 

Ihr habt doch gehört, wie entschieden ich früher für die jüdische Religion eingetreten bin. Über alles Maß hinaus verfolgte ich die Gemeinde Gottes und tat alles, um sie zu vernichten. In meiner Treue zum Gesetz übertraf ich viele meiner Altersgenossen in meinem Volk. Leidenschaftli­cher als die anderen setzte ich mich für die Befolgung der strengen Vor­schriften ein, die die früheren Gesetzeslehrer aufgestellt haben. Aber dann kam es ganz anders. Gott hatte mich ja schon vom Mutterleib an ausgesondert und in seiner Gnade berufen. Und so gefiel es ihm jetzt, mir seinen Sohn zu zeigen, damit ich ihn unter den nichtjüdischen Völ­kern bekannt mache(Galater 1,13-16

Wie wirkt ein solches Wende-Ereignis auf andere? Wenn Menschen plötzlich eine innere Wende erleben, wird die Umgebung misstrauisch: »Ist der Wandel echt – oder hängen sie die Fahne nach dem Wind? Sind es Wendehälse, die sich nur den neuen Verhältnissen anpassen?« 

Die äußeren Beziehungen des Menschen verändern sich völ­lig: Die alten Freunde werden zu Feinden, weil sie den Verräter verachten. Die früheren Feinde zögern, Freunde zu werden, weil sie dem Überläufer nicht trauen. 

Die ständige Beweislast überfordert den Einzelnen: Kann ich den neuen Anforderungen gerecht werden? Wie gehe ich mit meiner bisherigen Geschichte um? Was wird aus der abgelegten Überzeugung? 

Reicht eine so kurze Zeit aus, um darüber Klarheit zu gewin­nen? Für Paulus muss man nach seinen eigenen Aussagen (Gal 1,11-24) annehmen, dass dieser Prozess der Veränderung mehrere Jahre gedauert hat. Aber es gibt auch Bleibendes, das das Leben geprägt hat! Denn mit dem Neuen verbindet sich das Frühere. Paulus wollte seine jüdische Herkunft nicht verleugnen: Der Glaube an den Gott Israels, der mit dem Gesetz die Lebensregeln gegeben hat, konnte in ihm nicht erschüttert werden. Die neue Einsicht aber lautete: Dieser eine Gott hat in Jesus Christus der ganzen Menschheit einen Weg der Erlösung angeboten, nicht nur dem Volk Israel. 

Bis heute ist es so: Wer über eine Lebenswende zum Christen­tum kommt, muss sich gegenüber den Etablierten behaupten und bekennen. Aber weil er von außen kommt, sieht er oft schärfer, wo Anpassung aufgegeben und der Weg von Widerstand oder Verweigerung gegangen werden muss. 

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen. (Galater 5,1)

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