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Lebensfreude

Lebensfreude

Zwei Frauen im Cafe bei einer angeregten Unterhaltung

Ein Leben ohne Feste wäre sicherlich nur halb so schön. Doch noch gibt es sie ja, die Stunden, die ein Bauchkribbeln verursachen und eine Hochstimmung erzeugen; diese Stunden der Muße und Fröhlichkeit. Ausgelassen können wir den Alltag hinter uns las­sen. 

Auch in den verschiedenen Schriften der Bibel wird immer wieder von Festen, Festgesängen und Festgelagen erzählt. Chris­ten dagegen werden für Festmuffel gehalten. Tanzen und Lachen wird in der Kirche nicht vermutet. Gottesdienste geben offiziel­len Feierlichkeiten einen würdevollen Rahmen. Und so ernst und würdig kann auch das Bild von Jesus sein. Allerdings haben nicht alle Zeitgenossen Jesu so gesehen. Seine Feinde nannten ihn so­gar einen »Vielfraß und Säufer« (Mt 11,19). Aber erzählt und aufgeschrieben wurde das Leben Jesu von seinen Anhängern und diese Erzählungen wollen ein Bild Jesu als Gottes Sohn vermit­teln. Dennoch finden sich auch darin Texte, in denen Jesus ganz irdisch, mit Witz und Humor erscheint: 

Am dritten Tag wurde in Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dabei, und auch Jesus war mit seinen Jüngern dazu eingeladen. Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus erwiderte ihr: »Frau, das ist meine Sache, nicht deine! Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: »Tut alles, was er euch befiehlt!« Im Haus standen sechs Wasserkrüge aus Stein, von denen jeder etwa hundert Liter fasste. Man brauchte sie wegen der Rei­nigung, die das Gesetz vorschreibt. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie füllten sie bis an den Rand. Dann befahl er ihnen: »Jetzt nehmt eine Probe davon und bringt sie dem Mann, der für das Festessen verantwortlich ist.«
Sie brachten ihm eine Probe, und er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher dieser Wein kam; nur die Die­ner, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Er rief den Bräutigam zu sich und sagte: »Jeder bringt doch zuerst den guten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der schlechtere. Aber du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben!«
So vollbrachte Jesus in Kana in Galiläa sein erstes Wunderzeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. (Joh 2,1-11)

Gewaltige Wassermengen werden zu Wein. Ein Luxuswunder? Heilige Worte für ein profanes Verlangen? Manche sehen in die­ser Geschichte nur, dass Jesus ein Wunder vollbringt und seine Göttlichkeit zeigt. Allerdings wird es schwierig sein, den Sinn dieses Wunders zu finden. Kranke auf wunderbare Weise zu hei­len, wie das Kind eines Beamten (Joh 4,46-53), den Gelähmten (Joh 5,1-8) oder den Blinden (Joh 9,1-12), ist soziales Engage­ment. Aber Wein en gros zu produzieren? 

Jesus zumindest schien kein Problem damit zu haben, für das Vergnügen der Festgesell­schaft zu sorgen. Er feierte mit den Menschen die Hochzeit, war am späten Abend noch dabei und machte es zu seiner Sache, für Nachschub an Wein zu sorgen. Zu seinem Leben gehörte auch das Feiern, die Geselligkeit und die Lebensfreude.

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