Stücke zum Buch Daniel
Stücke zum Buch Daniel sind Texte, die nachträglich in das alttestamentliche Prophetenbuch Daniel eingefügt wurden.
Es handelt von Daniel und seinen drei Freunden am babylonischen Hof. Das Buch wurde vor allem in der Zeit der Verfolgung der Juden unter dem Fremdherrscher Antiochus IV. Epiphanes (etwa 167–164 v.Chr.) häufig gelesen, da es Hoffnung auf ein Ende der Unterdrückung vermittelte. Die Beliebtheit der Figur Daniels als weiser und gläubiger Mann mag dazu beigetragen haben, dass unbekannte Autoren später dem Buch Daniel weitere Geschichten hinzugefügt haben. Luther fasste sie als apokryphe Stücke zusammen.
Die Geschichte von Susanna und Daniel erzählt von der Bedrohung Susannas durch zwei Männer und ihrer Rettung mit Gottes und Daniels Hilfe. Zwei jüdische Richter sahen Susanna, die junge schöne Frau eines Freundes, in dessen Haus und begehrten sie seitdem. Als Susanna eines Tages allein in ihrem Garten badete, schlichen sich die beiden Ältesten hinein und wollten sie vergewaltigen. Sie drohten ihr mit öffentlicher Anklage wegen Ehebruchs, wenn sie ihnen nicht zu Willen sein würde. Susanna wehrte sich aber und schrie um Hilfe. Daraufhin taten sie, als ob sie gerade gekommen wären, klagten sie an und ließen sie zum Tode verurteilen. Alle Unschuldsbeteuerungen halfen Susanna nichts, da das Wort einer Frau weniger zählte als das von zwei hoch angesehenen Männern. In ihrer Not bat Susanna Gott um Hilfe, und der Geist Gottes schickte den jungen weisen Daniel zu ihrer Verteidigung. Daniel deckte die Lüge der beiden Richter auf, Susanna war gerettet, und die beiden falschen Ankläger wurden zum Tode verurteilt.
Die Susannageschichte fand weite Verbreitung. Oft wurde sie auf Gemälden dargestellt. Georg Friedrich Händel schuf 1749 das Oratorium »Susanna« nach dieser Erzählung.
Die Schrift Vom Bel zu Babel erzählt die Geschichte, in der Daniel dem König Kyrus beweist, dass das babylonische Götzenbild Bel kein lebendiger Gott ist, sondern einfach nur ein Standbild. Die Priester des Tempels ließen täglich vom Volk und dem König Fleisch, Brot und Wein als Opfer für Bel bringen, der die Speisen angeblich verzehrte. Tatsächlich ernährten sich davon die Priester und ihre Familien. Daniel war der Einzige, der keine Speisen zum Tempel brachte und Bel nicht anbetete. Als der König Rechenschaft von Daniel verlangte, lachte Daniel und sagte:
Lass dich nicht anführen, mein König! Dieser Gott besteht innen aus Ton und außen aus Bronze und gegessen oder getrunken hat er noch nie! (Stücke zu Daniel 2,7)
Nun musste Daniel den Beweis antreten. Mit einer List konnte er die Priester des Betrugs überführen. Der hintergangene König ließ die Priester töten und Daniel zerstörte den Tempel samt Götzenbild.
In der Erzählung Vom Drachen zu Babel wird eine Legende um Daniel mit einer Legende von dem Propheten Habakuk verbunden. Es geht, wie in der Erzählung vom Bel zu Babel, um die Frage nach dem lebendigen Gott. In Babylonien wurde vom Volk neben dem Götzenbild Bel auch ein großer Drachen verehrt. Daniel betete aber nur seinen Gott an, den Gott der Juden, nicht aber den Drachen. Der König wollte das nicht tolerieren und sagte:
Der ist ja wohl ein lebendiger Gott! Das kannst du nicht bestreiten. Also bete ihn an! (Stücke zu Daniel 2,23)
Die Lebendigkeit konnte Daniel nicht bestreiten, aber die Göttlichkeit sprach er dem Drachen ab. Dem König erwiderte er:
Ich bete den Herrn, meinen Gott, an; er allein ist ein lebendiger Gott. Wenn du es erlaubst, König, werde ich den Drachen ohne Schwert und Keule töten. (Stücke zu Stücke zu Daniel 2,25-26)
Der König erlaubte es, und Daniel ließ den Drachen platzen. Der Beweis war zwar erbracht, aber die Babylonier fühlten sich dadurch provoziert. Als das Volk sich gegen den König auflehnte, gab dieser Daniel preis und ließ ihn in die Löwengrube werfen. Gott stand Daniel aber auch in dieser Gefahr bei und versorgte ihn durch den Propheten Habakuk mit Nahrung. Nach sieben Tagen fand der König Daniel wohlauf, ließ ihn frei und warf statt dessen die Anführer des Aufruhrs den Löwen vor.
Das Gebet Asarjas ist ein Klagelied, das später in die Geschichte der drei Freunde Daniels im Feuerofen eingefügt wurde. Die Erzählung im Buch Daniel handelt davon, dass die drei Freunde das goldene Standbild, welches der babylonische König Nebukadnezar hatte errichten lassen, nicht anbeten wollten. Als Strafe ließ Nebukadnezar die drei in den Feuerofen werfen. Die Flammen konnten ihnen aber nichts anhaben, sodass der König sie schließlich wieder freiließ.
Späteren Lesern oder Leserinnen fehlte in der Danielgeschichte eine Würdigung Gottes, sodass sie in die Erzählung ein bereits vorhandenes Gebet einfügten. Neben dem Lob der Größe und Gerechtigkeit Gottes wird die eigene Schuld der Untreue zu Gott thematisiert.
Der Gesang der drei Männer im Feuerofen schließt an das Gebet Asarjas mit einem kurzen Prosastück an, in dem die Erzählung von den drei Freunden Daniels im Feuerofen ausgemalt wird. Das Feuer wird noch stärker geschürt, die Flammen schlagen hoch und verschlingen plötzlich die Heizer, während ein Engel im Ofen für angenehme Kühle sorgt. Darauf folgt ein Dankgebet. In zahlreichen Bildern besingen die drei Freunde die Größe und Erhabenheit Gottes. Himmel und Erde, Sonne, Mond und Sterne, Meere, Ströme und Quellen, Tag und Nacht, Licht und Finsternis werden aufgerufen, in den Gesang einzustimmen. Viele Psalmenverse klingen darin an, so u.a. Psalm 148 Das Bild der drei Männer im Feuerofen ist in der Kunstgeschichte zum Symbol der Feuerprobe des Glaubens geworden.






