Das Evangelium nach Matthäus
Das Matthäusevangelium entstand nach 70 n.Chr. Der Verfasser schrieb für Christen, die jüdischer Herkunft waren. Mit seinem Evangelium wollte er die Leser für den christlichen Glauben gewinnen und sie in den Fragen der christlichen Lebensführung beraten. Er war selbst Jude und hatte den Gesetzeslehrern nahegestanden. Für sein Evangelium ist charakteristisch, dass er sich besonders intensiv mit der jüdischen Tradition auseinander setzt, in deren Mitte die Tora, das alttestamentliche Gesetz, steht.
Matthäus sieht in Jesus den angekündigten Messias, mit dem die Gottesherrschaft anbricht. Diese Anschauung belegt er mit Zitaten aus dem Alten Testament. Diese Zitate aus den Mosebüchern und den Propheten dienen als Nachweis dafür, dass sich in Jesus erfüllt hat, was dort angekündigt worden war.
Eine große Menge folgte ihm und er heilte sie alle, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jes 42,1-4): »Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, und mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist auf ihn legen, und er soll den Heiden das Recht verkündigen.« (Mt 12,15)
Matthäus beginnt sein Evangelium mit einem Stammbaum Jesu, der ihn über den König David auf den Urahn Abraham zurückführt. Anders als in der Geburtsgeschichte des Lukas erzählt Matthäus, dass Weise oder Könige aus fernen Ländern dem Neugeborenen huldigen. Jesus soll als Nachkomme Davids ausgewiesen werden, deswegen wird erzählt, dass er in der Davidsstadt Bethlehem geboren wurde (Kap 1–2).
Matthäus fügt in die Lebensgeschichte Jesu größere Redestücke ein. Sie sind zu fünf großen Reden thematisch zusammengestellt. Die bekannteste ist die Bergpredigt in Kap 5–7. In ihr werden die Gesetze des Alten Testaments aufgenommen und neu bewertet:
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig. (Mt 5,21-22)
Matthäus verschärft die alttestamentlichen Gesetze. Schon die negative Einstellung wird für strafbar gehalten. In dieser Form sind die Forderungen kaum zu erfüllen. Daher sind die Menschen besonders auf die Vergebung angewiesen. Jesus möchte mit dieser Rede die Menschen dazu einladen, sich auf die Vergebung Gottes zu verlassen, so wie es in dem Gebet des Vaterunsers heißt: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (Mt 6,12) Diese Bitte zeigt, dass von den Menschen eine ebensolche Vergebungsbereitschaft erwartet wird.
Alle, die sich auf diese Botschaft einlassen, dürfen zur neuen Gemeinschaft der Jünger Jesu gehören. Matthäus sieht in ihnen das neue Volk Israel, das in die Nachfolge des alten Gottesvolkes tritt.
Das Evangelium schließt mit einem Auftrag des auferstandenen Herrn an seine Jünger zur Mission:
Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,19-20)






