Das Evangelium nach Markus
Das Markusevangelium entstand vermutlich um 70 n.Chr., dem Jahr der Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Auch der Verfasser dieses Evangeliums hat Jesus nicht mehr persönlich gekannt. Markus schreibt für Griechisch sprechende und nichtjüdische Leser, die einer heidenchristlichen Gemeinde angehören. Sie wird in der ärmeren Bevölkerung Nordpalästinas zu suchen sein. Auch das Markusevangelium ist eine Missionsschrift, die Menschen für den christlichen Glauben gewinnen will.
Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. (Mk 1,1) Dieser Satz wurde zur Überschrift des Evangeliums und später zum Titel seines Buches überhaupt. Damit war eine neue Literaturgattung geschaffen: die Evangelien.
Die Darstellung des Lebens setzt erst beim bereits erwachsenen Jesus ein. Eine Geburtsgeschichte kennt Markus nicht. Jesus knüpft an die Predigt Johannes des Täufers zur Umkehr an. Die Predigt Jesu ist jedoch keine Gerichtsbotschaft wie noch bei Johannes dem Täufer, sondern eine Einladung, am Reich Gottes teilzunehmen:
Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15)
Diese Herrschaft Gottes wird nirgends direkt beschrieben. Aber über seine Wirkung geben die Gleichnisse Jesu Auskunft, die ganz gewöhnliche Erfahrungen pointiert darstellen. Das Besondere an diesen Alltagsgeschichten ist, dass sie zu einer neuen Perspektive auf die Lebenswirklichkeit führen. Ein Beispiel ist das Gleichnis vom Senfkorn:
Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, wenn das gesät wird aufs Land, so ist's das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. (Mk 4,30-32)
Wie in den anderen Evangelien kommt die Wirkung der anbrechenden Gottesherrschaft auch in den Taten Jesu zum Ausdruck: Er heilt Kranke, treibt Dämonen aus, er vermehrt auf wunderbare Weise Brot oder stillt einen Sturm. Alle diese Geschichten werden von Markus aber so erzählt, dass den Betroffenen, ja selbst den Jüngern, die wahre Bedeutung Jesu verborgen bleibt. Dieses Geheimnis wird erst im Rückblick auf das ganze Leben Jesu offenbar. Durch Jesu Tod und Auferstehung tritt sein Wirken in ein neues Licht. Er ist nicht einfach ein Wundertäter oder Exorzist, Weisheits- oder Gesetzeslehrer. Erst der römische Hauptmann spricht es unter dem Kreuz aus: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! (Mk 15,39)






