Das Evangelium nach Lukas
Zusammen mit der Apostelgeschichte bildet das Lukasevangelium das so genannte lukanische Doppelwerk. Beide Werke, etwa 80 bis 90 n.Chr. entstanden, gehen auf denselben Verfasser zurück. Lukas gehört schon der dritten Generation der Christen an.
Lukas stellt seinem Werk eine Widmung voran, die uns Einblick in seine Arbeitsweise gibt und seine theologische Absicht verrät. Weil Lukas besonderen Wert auf historische Fakten legt, möchte er den Bericht über das Leben Jesu möglichst wahrheitsgetreu rekonstruieren:
Schon viele haben versucht, die Ereignisse zusammenhängend darzustellen, (…) so habe auch ich mich dazu entschlossen, all diesen Überlieferungen bis hin zu den ersten Anfängen sorgfältig nachzugehen, und sie für dich, lieber Theophilus, in rechter Ordnung und Abfolge niederzuschreiben. Du sollst dadurch die Zuverlässigkeit der Lehre erkennen, in der du unterwiesen wurdest. (Lk 1,1-4)
Lukas folgt der Gliederung des Markusevangeliums und fügt, wie Matthäus, größere Redestücke ein. Darüber hinaus finden sich in seinem Evangelium viele eigenständige Erzählungen. Zu ihnen gehört auch die bekannte Weihnachtsgeschichte. Auf der Wanderschaft wird Jesus in einem Stall geboren. Engel verkünden dieses Ereignis unter den Hirten. Sie eilen herbei und finden das Neugeborene in der Krippe (Kap 2).
Die Botschaft des Engels kann als Motto für das ganze Evangelium verstanden werden:
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren. (Lk 2,11)
Dieses Motto findet sich im Handeln und in der Lehre Jesu wieder: Er bringt einen allseits unbeliebten Zöllner dazu, von seinem Geiz zu lassen. Schließlich verteilt der Zöllner seinen Reichtum an die Armen (Kap 19). In der Geschichte vom barmherzigen Samariter stellt Jesus den unfrommen Außenseiter als beispielgebenden Helfer in der Not dar (Kap 10). Ein Gleichnis für die Annahme des Gescheiterten erzählt die Geschichte vom verlorenen Sohn (Kap 15). Wegen dieser solidarischen Grundhaltung des Lukasevangeliums wird es bis heute bevorzugt von sozial engagierten Bewegungen aufgenommen.






