die-bibel.de - Das Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Das Evangelium nach Johannes

Das Evangelium nach Johannes

Das Johannesevangelium ist das jüngste der vier Evangelien. Es zeichnet ein Jesusbild, das unter den Evangelien den größten Abstand zur historischen Person Jesu hat. Es entstand um 100 n.Chr. und ist für Leser geschrieben, die in einer dualistisch geprägten Vorstellungswelt lebten.

Im 1. Kapitel zeigt uns das Evangelium Jesus als einen, der von Anbeginn der Welt bei Gott war. Seine Person wird mit dem lebenschaffenden Schöpfungswort identifiziert.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (…) In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. (Joh 1,1-4)

Diese Worte aus dem Anfang des Evangeliums zeigen Jesus schon von Anbeginn der Welt an in einer göttlichen Gestalt. Seine Menschwerdung wird folgendermaßen beschrieben: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. »Fleischwerdung« bedeutet, Jesus war ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte in einer konkreten historischen Situation. Im Evangelium wird ihm die provozierende Frage gestellt:

Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? (Joh 6,42)

Göttliches und Menschliches stehen unvermittelt nebeneinander. Dieser Gegensatz bildet eine Spannung, die sich durch das ganze Evangelium zieht. An Jesus glauben heißt, zu erkennen, dass Jesus vom Gott gesandt wurde. Johannes zeigt seinen Lesern, wie sie zu dieser Erkenntnis gelangen können. Jesus ist der einzige Sohn Gottes. Er ist legitimiert, den Vater, der die Menschen liebt, offenbar zu machen. Jesus anzuerkennen bedeutet, mit ihm den Weg zu Gott zu beschreiten. Wer sich von der Finsternis der Welt abkehrt, wird im Licht der Gemeinschaft mit Gott leben.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (…) Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. (Joh 3,16-18)

Auch Johannes berichtet von Wundertaten Jesu. Sie werden als Zeichen verstanden, die auf Jesus selbst hinweisen. Den Menschen, die in einer dunklen Welt leben, wird von der Heilung eines Blinden erzählt, der sein Augenlicht wieder erhält. Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. (Joh 8,12)

Den Menschen, die nach einem sinnvollen Leben hungern, wird die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung erzählt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh 6,35)

Den Menschen, die in der Welt des Todes leben, wird erzählt, dass Jesus einen Toten auferweckt hat. Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25)

Für das Johannesevangelium ist charakteristisch, dass alle beschriebenen Ereignisse auf die Person Jesu konzentriert werden. Diese Einengung auf die Person Jesu wird verständlich, wenn man weiß, dass in dieser Zeit eine schmerzhafte Trennung gerade erst vollzogen worden war: die Trennung der Gemeinde, für die Johannes schreibt, vom Judentum. Wie stark diese Gemeinde den Traditionen des Judentums verbunden gewesen sein muss, zeigt sich daran, wie sachkundig Johannes alttestamentliches Gedan­kengut verwendet.

Verdichtete bildhafte Formeln machen die sprachliche Eigenart des Johannes aus. Sie hat dazu geführt, dass dieses Evangelium in den christlichen Kirchen bis heute eine große Bedeutung hat. 

Zurück zur Übersicht der Geschichtsbücher des NT

http://m.die-bibel.de