Der Brief von Paulus an die Kolosser
Der Kolosserbrief hat viel mit dem Epheserbrief gemeinsam, dem er vielleicht als literarische Vorlage diente. Ein Verfasser aus dem Umkreis der Paulusschule reagiert in diesem Brief auf Irrlehrer, die mit der Vorstellung von Schicksalsmächten wieder vorchristliche Lehren einführen wollen. Ähnlich wie im Epheserbrief wird ihnen eine kosmische Leib-Christi-Vorstellung entgegengesetzt, bei der Christus den ganzen Kosmos beherrscht. Es gibt keine Schicksalsmächte. In Gemeinschaft mit Gott Vater ist Christus der Schöpfer und Versöhner der ganzen Welt. So wird er im Hymnus gepriesen:
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene vor aller Schöpfung.
Denn in ihm ist alles geschaffen,
was im Himmel und auf Erden ist,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
es seien Throne oder Herrschaften
oder Mächte oder Gewalten;
es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (Kol 1,15-16)
Immer öfter muss sich die christliche Gemeinde gegen Anfeindungen durchsetzen und vor allem gegen Rückfälle schützen. Aber wo Christus herrscht, ist kein Raum für andere Mächte (3,15). Die alten Mächte sind »gestorben« und mit ihnen der »alte Mensch« (2,20; 3,3).
Praktische Ratschläge für den christlichen Alltag prägen den zweiten Teil des Briefes. Dazu werden Sammlungen von Verhaltensregeln, so genannte Haustafeln (3,18–4,1), aus der heidnischen Umwelt aufgenommen und vom Verfasser christlich bearbeitet:
Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. (Kol 3,23)






