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Die Psalmen

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen ist eine Auswahl von Liedern aus mehreren Jahrhunderten. Aus kleineren Einzelsammlungen entstan­den, wurde es später für die jüdische Gemeinde zum Gebets- und Gesangbuch. Als solches wird es bis heute auch von den Christen verwendet.

Das auch Psalter genannte biblische Buch hat seinen Namen nach dem griechischen Ausdruck für ein Saiteninstrument »Psalterion«. Dieses Instrument wird häufig in den Psalmen erwähnt.

Über 30 der 150 Psalmen sind Hymnen, also Loblieder zur Loblieder Ehre Gottes, die ursprünglich beim Gottesdienst am Tempel in Jerusalem gesungen wurden. Psalm 150 weist darauf hin, dass sie von Instrumentalmusik begleitet sein konnten:

Lobet ihn mit Posaunen, / lobet ihn mit Psalter und Harfen!
Lobet ihn mit Pauken und Reigen, / lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! (Ps 150,3–4)

Hymnen wurden auch im häuslichen Kreis der Familie gesungen, z.B. bei Beginn der Sabbatfeier oder beim persönlichen Gebet. Einige Psalmen waren bestimmten jüdischen Festgottesdiensten zugeordnet, so gehört z.B. Psalm 114 zum Passafest.

Eine zweite große Gruppe in dem Buch sind die so genannten Klagepsalmen. Wem Leid wie Krankheit, Not oder Bedrohung widerfuhr, der kam zum Tempel und brachte seine Klage vor Gott. Fehlten ihm eigene Worte, gab es viele Psalmen, die seinem Anliegen Ausdruck verleihen konnten.

Ich bin so müde vom Seufzen;
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht /
und netze mit meinen Tränen mein Lager.
Mein Auge ist trübe geworden vor Gram /
und matt, weil meiner Bedränger so viele sind. (Ps 6,7-8)

Die Klagepsalmen beschränken sich aber nicht auf Klagen und Bitten. Oftmals wechselt mitten im Psalm die Stimmung von abgründiger Verzweiflung hin zu tiefem Vertrauen in die Gegenwart Gottes. Völlig unvorbereitet schlagen Klagen und Bitten eines Gepeinigten um in heiteres Lob Gottes.

Weichet von mir, alle Übeltäter; /
denn der HERR hört mein Weinen.
Der HERR hört mein Flehen; /
mein Gebet nimmt der HERR an. (Ps 6,9-10)

Diese Wendung vom Klagen zum Loben wird dadurch erklärt, dass ursprünglich der Priester dem Gläubigen während des Gebets die Erhörung seiner Bitten zugesagt hat. Der Beter schöpft aber auch aus der geschichtlichen Erfahrung des Volkes Israel die Hoffnung, dass Gott ihm in der Not helfen wird:

Unsere Väter hofften auf dich; /
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet, /
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. (Ps 22,5-6)

Einige Psalmen haben auch die Aufgabe, den Empfindungen des ganzen Volkes Ausdruck und Stimme zu verleihen. Sie werden als Klage- oder Danklieder des Volkes bezeichnet. Meistens waren es Gefahren durch Feinde, also Bedrohung und Krieg, die Anlass zu öffentlichen Klagefeiern gaben. Die dabei gesungenen und gebe­teten Psalmen enthalten oft massive Verurteilungen der Feinde. Vor Kriegszügen konnten einige dieser Lieder den Charakter von »Schlachtgesängen« annehmen.

Ein anderes Thema schlagen die so genannten Königspsalmen an. Sie feiern den jeweils in Israel herrschenden König. Über dem nationalen König steht Gott als König über alle Völker. Er wird in eigenen Hymnen verehrt.

Die Erfahrung, dass Gott in der Geschichte handelt, führte bei seinem Volk oft auch zum Eingeständnis von Schuld:

Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, /
wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen. (Ps 106,6)

Einige Psalmen enthalten Elemente der Weisheitsdichtung. Andere haben die Freude an Gottes Weisungen (Tora) zum Inhalt (Ps 119). Die Zionslieder unter den Psalmen hingegen drücken die Sehnsucht nach dem zentralen Heiligtum in Jerusalem aus und wurden vielleicht von denen gesungen, die dorthin pilgerten (z.B. Ps 46; 48; 76).

Die meisten Psalmen haben Überschriften. Sie wurden erst in späterer Zeit hinzugefügt. Vielfach werden in ihnen biblische Personen als Autoren genannt, allen voran König David, aber auch sein Sohn Salomo und sogar Mose. Die Psalmen wurden durch jahrhundertelangen gottesdienstlichen Gebrauch verändert, erweitert, ergänzt, später dann gesammelt und aufgezeichnet.

Die Psalmen sind ein Gebet- und Liederbuch. Im Judentum und Christentum werden die Psalmen regelmäßig im Gottesdienst gebetet. Das Buch gilt vielfach als Lehrbuch des Gebets überhaupt. So prägen die biblischen Psalmen bis heute die Fröm­migkeit beider Religionen.

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