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Das zweite Buch Mose / Exodus

Das zweite Buch Mose / Exodus

Das zweite Buch Mose knüpft an das Bisherige mit der Aufzäh­lung der 12 Söhne Jakobs und ihrer Familien an. Das Thema die­ses Buches ist neu: Fortan geht es um die Volksgeschichte, um die wunderbare Errettung aus der Hand der Ägypter. Mit dem neu­en König, der nichts von Josef wusste (2. Mose 1,8), hören wir von der Bedrückung des nun groß gewordenen Volkes durch den Pharao: Frondienste haben die Israeliten zu leisten beim Bau der Städte Pitom und Ramses.

Mit der Nennung dieser beiden Städte ergibt sich der einzige Anhaltspunkt, das hier berichtete Geschehen zu datieren. Es ist gut belegt, dass Pharao Ramses II. (1290–1224 v.Chr.) diese bei­den Städte ausgebaut hatte.

Mit der Geburtsgeschichte von Mose in Kap 2 beginnt ein großer Bogen, der bis hin zu Mose Tod und Begräbnis am Ende des 5. Mosebuches reicht. Diese Geburtsgeschichte ist so erzählt wie andere Geburtsgeschichten in der Sagenüberlieferung der weiten Welt: Am Anfang steht die wunderbare Rettung des Kin­des, das dazu bestimmt ist, ein König oder sonst eine führende Gestalt zu werden. Wenn Mose dann nach der Tötung des Ägyp­ters nach Midian flieht und dort am brennenden Dornbusch be­rufen wird (2. Mose 3–4), klingt damit neben der Befreiung am Meer die zweite Thematik dieses Buches an: die Offenbarung Gottes am Sinai/Horeb.

Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach wei­ter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürch­tete sich, Gott anzuschauen. (2. Mose 3,5-6)

In Kap 5 setzt sich die Geschichte der Unterdrückung in Ägyp­ten fort und geht dann in den Zyklus der insgesamt zehn Plagen über (Kap 7–11), deren letzte den Auszug des Volkes einleitet. Von der Tötung der Erstgeburten wird das Volk Israel verschont, weil es auf Gottes Anweisungen Lämmer schlachtet und mit dem Blut die eigenen Häuser bezeichnet, was den Todesengel vorübergehen lässt. Für den bevorstehenden Aufbruch wird in aller Eile Brot ge­backen, das nicht mehr gesäuert werden kann.

Zur Erinnerung an diese Nacht des Aufbruches wird im Ju­dentum das doppelte Fest vom Passa (Vorübergehen) und Maz­zot (ungesäuerte Brote) gefeiert. Nach dem ersten Frühlingsvoll­mond wird dieses Fest jedes Jahr eine Woche lang begangen. In der ersten Nacht, der Passanacht, wird der zehnten Plage und des Auszuges gedacht. Im zweiten Mosebuch finden sich innerhalb der Erzählung ausführliche Festbeschreibungen, die zeigen, dass die Geschichte in einer Zeit aufgeschrieben wurde, in der es be­reits eine ausgedehnte Festpraxis gab.

Wenn euch eure Kinder fragen, was das bedeutet, dann antwortet ih­nen: »Wir schlachten am Passafest ein Tier für den HERRN, weil er in Ägypten an den Häusern der Israeliten vorüberging und uns ver­schonte, als er den Schlag gegen die Ägypter führte.« (2. Mose 12,26-27)

Damit ist Israel in der Wüste und wird es eine Weile bleiben – 40 Jahre –; erzählt wird davon bis 4. Mose 17. Zunächst aber geht die Geschichte auf die Rettung am Meer zu, über die auf unter­schiedliche Weise in Kap 13–15 berichtet wird. Der Kern der Überlieferung ist das Lied der Mirjam, der Schwester des Mose, ganz am Ende in Kap 15. Ein kurzes Loblied, das weder Ort noch sonstige Einzelheiten nennt:

Mirjam sang ihnen vor, und sie antworteten im Chor:
»Singt, singt dem HERRN,
denn er ist groß und mächtig,
ins Meer geworfen hat er Ross und Mann!« (2. Mose 15,21)

In Kap 13 und 14 stehen zwei kunstvoll ineinander gearbeitete Erzählungen in Prosa. Ziel der einen ist, dass das Volk sich fürch­tet (Gottesfurcht) und Gott und seinem Knecht Mose glaubt. Ziel der anderen ist es, dass Gott seine Herrlichkeit erweist und er der Herr ist. Wohl das jüngste Stück – jedenfalls in der heutigen Ge­stalt – ist das Lied des Mose in 2. Mose 15,1-18, das an das alte Lied der Mirjam anknüpft, dann aber in seinem zweiten Teil – völlig überraschend – den langen Weg bis zum »Berg deines Erb­teils«, zu Gottes Heiligtum, führt, was nichts anderes als der Zi­on mit dem Tempel in Jerusalem sein kann. Das zeigt, dass dieses Lied erst gedichtet wurde, als Israel längst im verheißenen Land ansässig war. Die Rettung am Meer ist die eine Säule von Israels Glauben. Dieses Ereignis wird in den Psalmen und Propheten­texten bis hin zum jüngsten Buch der Hebräischen Bibel immer wieder neu vergegenwärtigt (Psalm 105; Dan 9,15). Jes 51,9-11 versteht die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft als zweiten Exodus des Volkes Israel.

Mit der Ankunft des wandernden Gottesvolks in Midian (2. Mose 18) ist Israel dort, wo Mose seine Berufung erfahren hat­te, also unmittelbar am Gottesberg, am Sinai bzw. am Horeb, wie der andere Name lautet. Hier ereignet sich die Offenbarung Got­tes und die Gesetzgebung an sein Volk. Die Gabe des Gesetzes und damit das Gesetz überhaupt ist die zweite Säule von Israels Glau­ben. Erst in 4. Mose 10 bricht Israel dann unter dem Schall der silbernen Trompeten zum zweiten Teil der Wüstenwanderung auf.

Der riesige Abschnitt von 2. Mose 19 bis 4. Mose 9 ist einer der befremdlichsten in der Bibel. Nur selten unterbrochen durch Er­zählungen, bietet er Ordnung und Gesetze zum Gottesdienst, zu Opferarten, zu Reinheit und Unreinheit, aber auch zum sozialen Zusammenleben.

An diesen Dokumenten hat die heutige Ethnologie ein besonderes Interesse. Beobachtungen von Riten und Reinheitsvorschriften, die bei afrikanischen und asiatischen Völkern noch heu­te Geltung haben, lassen darauf schließen, dass es Beziehungen zu der alten Kultur in Israel gibt.

Zum ersten Teil dieses großen Abschnitts finden wir wahr­scheinlich leichteren Zugang. In Kap 19 sind Gotteserscheinungen am Sinai geschildert: Rauch, Feuer, Erdbeben, aber auch Widder­hornklang, wie aus einer ganz anderen Gotteswelt.

Am Morgen des dritten Tages begann es zu donnern und zu blitzen, eine dichte Wolke bedeckte den Berg und mächtiger Posaunenschall war zu hören. Das Volk im Lager zitterte vor Angst. Da führte Mose das Volk aus dem Lager heraus, Gott entgegen. Am Fuß des Berges stellten sie sich auf. (2. Mose 19,16-17)

Mose überwindet die Distanz und findet bei Gott Gehör. Dass auch Gottesrede die Distanz überwindet, ist das besondere Kennzeichen von Israels Gott. Hier am Sinai konstituiert sich dieses besondere Verhältnis zwischen Gott und Israel, das als »Bund« bezeichnet wird.

Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein hei­liges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst. (2. Mose 19,5-6)

Nach den Zehn Geboten folgt die älteste Gesetzessammlung Is­raels (Kap 21–23), in der zahlreiche Beispiele aus dem alltäglichen Recht enthalten sind. Auch hier schon sind die Fremden, sind Witwen und Waisen als besonders schutzwürdige Personen her­ausgehoben. Erzählende Abschnitte begegnen uns erst wieder in Kap 32–34.

Sie beginnen mit der Geschichte vom Goldenen Kalb, in der Mose zornig die beiden Tafeln des Gesetzes zerschmettert, weil das Volk in seiner Abwesenheit ein Götterbild angefertigt und an­gebetet hat. In Kap 34 wird dann von der Wiederherstellung der Gesetzestafeln berichtet.

Auf einen schönen, bewegenden Text sei besonders hingewie­sen: In 32,7–14 tritt Mose fürbittend für Israel ein, weil Gott in seinem Zorn über die Abgötterei dieses Volk vernichten und sich aus dem Geschlecht von Mose ein neues schaffen wollte.

In Kap 25–30 wird die Anordnung der Stiftshütte und in Kap 35–40 ihre Ausführung beschrieben. Dieses Heiligtum der Wüstenzeit ist eine Art Urbild des Tempels in Jerusalem.

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