Das 1. und 2. Buch von den Königen
Das 1. Buch der Könige
Das erste Buch der Könige beginnt mit der Geschichte von Salomos Aufstieg zum König. Geschickt meistert er die Intrigen seiner Brüder und Mitbewerber um das königliche Amt. Kluge Heiratspolitik und ausgedehnte Bautätigkeit sichern seine Herrschaft. Im Mittelpunkt steht der Bericht vom Bau eines Tempels (Kap 6).
Die Erzählung vom Tempelbau wird gerahmt von zwei Gottesoffenbarungen an Salomo. In einem nächtlichen Traumgesicht gewährt Gott Salomo einen Wunsch. Der König wünscht sich nicht Reichtum und Macht, sondern ein »hörendes Herz«. Mit dieser Bitte wird Salomos Weisheit hervorgehoben. Das Gebet Salomos im vollendeten Tempel wird von Gott mit der Zusage beantwortet, an dieser Stätte seinen Namen wohnen zu lassen.
Salomos Weisheit begründet seinen Ruhm. Er schlichtet einen schwierigen Rechtsfall (3,16-28); er dichtet viele Sprüche von Pflanzen und Tieren (5,12-13); die Leute kommen von weit her, um seine Weisheit kennenzulernen (5,14). Ausführlich wird von einem Besuch der Königin von Saba erzählt (10,1-13).
Einerseits kommt es unter der Regierung Salomos, die Israel eine lange Friedensperiode bringt, zu einer großen kulturellen Blüte. Andererseits beginnt jedoch das Großreich Davids, das vom Euphrat bis an den Golf von Akaba reicht, auseinander zu brechen. Die Edomiter im Südosten und die Syrer im Norden erlangen ihre Selbständigkeit wieder.
Salomo hat sich Feinde gemacht: im Inneren Jerobeam, seinen Fronvogt, und im Äußeren Hadad von Edom und Rezon von Damaskus. Das aufkommende Unheil wird damit begründet, dass Salomo Heiligtümer für fremde Götter errichten ließ. Das tat er mit Rücksicht auf seine ausländischen Frauen.
Unter Salomos Sohn und Nachfolger Rehabeam bricht das Großreich Davids vollständig auseinander: Die Nordstämme unter Jerobeam, einem Fronvogt Salomos (11,26-40), sagen sich vom Südreich los und gründen ein eigenes Königtum in Nordisrael (Kap 12). Der Grund ist, dass Rehabeam auf die Forderungen der nordisraelitischen Stämme nach mehr Selbständigkeit nicht nur nicht eingeht, sondern im Gegenteil den Druck auf sie noch verschärft.
Jerobeam wird König des Nordreichs. Er gründet seine Residenz in der Stadt Sichem in Samaria. Er lässt in den Heiligtümern Bethel und Dan Stierbilder als Gottesdarstellungen aufstellen und anbeten. Der König von Juda, Rehabeam, sieht darin einen Abfall von Gott, weil er die bildlichen Darstellungen Gottes, des HERRN, für Götzenbilder hält, mindestens aber für Verstöße gegen das Bilderverbot.
Die Teilung der Stämme Israels in ein Nordreich und in ein Südreich war endgültig und wurde nicht wieder rückgängig gemacht. Von da an gab es auf dem Boden Palästinas zwei Staaten nebeneinander: Israel und Juda (1. Kön 12 – 2. Kön 17).
In beiden Reichen herrschten verschiedene Dynastien. Die Geschichtsdarstellung der Königsbücher beurteilt sie danach, ob sie den zentralen Kultus in Jerusalem einhielten und die Gebote beachteten. Neben den Königen haben die Propheten eine große Autorität. Mit dem Propheten Elia wird ein besonders entschiedener Vetreter der Gottesverehrung dargestellt (1. Kön 17 – 2. Kön 8). Er stellt das Volk vor die Entscheidung:
Wie lange schwankt ihr noch hin und her? Entweder der HERR ist Gott, dann folgt ihm ? oder Baal ist Gott, dann folgt ihm! (1. Kön 18,21)
Anschließend fordert er in einer dramatischen Szene am Altar ein sichtbares Feuerzeichen von Gott, das ihn als einzig lebendigen Gott erweisen soll (Kap 18).
Das 2. Buch der Könige
Das zweite Buch der Könige setzt die Elia-Elisa-Geschichte fort. Es folgt die blutige Königsgeschichte des in zwei Reiche geteilten Israels (Kap 8–16).
Schon 733 v.Chr. muss Israel weite Gebiete an Assyrien abtreten, 722 fällt mit der Eroberung Samarias durch Salmanassar auch der Rest des Landes an die assyrische Macht. Damit hört der Nordstaat auf zu bestehen. Die Oberschicht wird nach Assyrien deportiert und eine fremdländische Oberschicht im Land angesiedelt (Kap 17).
Im letzten Abschnitt der Königsbücher wird von zwei judäischen Königen berichtet, die vom Geschichtsschreiber am besten beurteilt werden: Einmal ist es Hiskia (Kap 18–20) und zum zweiten Josia (Kap 22–23). Das jüdische Reich, das nun allein Israel darstellt, erreicht noch einmal eine Blütezeit. Hiskia schafft den Götzendienst ab:
Er entfernte die Höhen und zerbrach die Steinmale und hieb das Bild der Aschera um und zerschlug die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte. Denn bis zu dieser Zeit hatte ihr Israel geräuchert, und man nannte sie Nehuschtan. (2. Kön 18,4)
Hiskia gelingt ein Sieg über die Philister. Bei der Belagerung Jerusalems durch Sanherib kann er die Stadt bewahren.
Josia führt eine Reform des Gottesdienstes durch, veranlasst durch ein altes Gesetzbuch, das im Tempel aufgefunden wird. Möglicherweise handelt es sich dabei um Teile des 5. Buches Mose. Jerusalem wird zur einzig legitimen Kultstätte erklärt.
Auf diesen letzten Höhepunkt folgt das Ende: Josia stellt sich mit seinen Truppen dem Pharao Necho entgegen, der Assur gegen seine neuen Feinde, die Babylonier und Meder, unterstützen will. Josia wird besiegt und fällt. Sein Sohn Joahas wird von dem Pharao nach Ägypten weggeführt. Dort findet er den Tod.
Unter den drei letzten Königen Judas, Jojakim, Jojachin und Zedekia, kommt es schnell zum Zusammenbruch. Jerusalem wird 597 v.Chr. von den Babyloniern zum ersten Mal erobert und 587 v.Chr. zerstört. Ein Teil seiner Bevölkerung wird in die Verbannung geführt. Damit endet die Geschichte Judas als selbständiger Staat.






