Stellen zum Einstieg und Leitfragen

Stellen zum Einstieg
Da die Bibel eigentlich eine ganze Bibliothek enthält, sollte man sich als neue Leserin oder Leser zunächst einmal auch vor sie stellen wie vor eine wirkliche Bibliothek. Da gibt es Regale voller Bücher, dicke und dünne, geordnet nach bestimmten Gattungen: Romane, Gedichtbände, Geschichtsbücher, philosophische Abhandlungen...
Überlegen Sie einmal, nach welchen Kriterien Sie sich ein bestimmtes Buch ausleihen und lesen! Und nun übertragen Sie diese Kriterien auf die Bibliothek »Bibel« und wählen Sie nach Ihrem augenblicklichen Interesse.
Ein paar Beispiele:
- Sie möchten zum ersten Mal »hineinschnuppern« und wichtige Teile aus der Bibel kennen lernen – dafür bieten sich erzählende Texte an, z.B. die Evangelien (zum Einstieg am besten Lukas). Im Alten Testament lesen Sie die ersten elf Kapitel sicher mit Spannung.
- Sie möchten etwas darüber erfahren, warum die Bibel aufgeschrieben wurde und welche Erfahrungen ihr zugrunde liegen – versuchen Sie es mit dem zweiten Buch Mose (Exodus).
- Sie interessieren sich für die Geschichte Israels – in den Samuelbüchern werden Sie fündig (natürlich auch an anderer Stelle, aber hier lässt es sich besonders leicht »einsteigen«).
- Sie suchen Auskünfte über bestimmte Personen der Bibel – hier gibt es ein Register, das Sie zu den einschlägigen Textstellen führt.
- Sie suchen Hilfe zum Beten – in den Psalmen können Sie die richtigen Worte finden, um Ihr Anliegen vor Gott zu bringen.
Es ist das Faszinierende an der Bibel, dass sie Texte aus fast jeder Lebenslage und -stimmung enthält. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich vor dem Aufschlagen des Buches darüber klar zu werden: Was erwarte ich mir von der Lektüre?
Leitfragen fürs Bibellesen
Bibellesen heißt auch: Die richtigen Fragen stellen. Martin Luther sprach von einem »vierfachen Kränzlein« von Fragen, mit denen man die Bibel lesen sollte:
- Was steht geschrieben?
- Wofür habe ich zu danken?
- Wo soll ich umkehren?
- Worum darf ich bitten?
Eine fünfte Frage lässt sich noch dazunehmen: Was soll ich tun?
Weitere Möglichkeiten zur Erschließung eines Bibeltextes
An folgenden Stichworten und Fragen entlanggehen
Wahrnehmen
Was lese ich? Was verstehe ich? Was lasse ich stehen, weil ich es im Augenblick nicht verstehe?
Annehmen
Was ist von Gott aus geschehen? Womit beschenkt er mich? Was ist über den Glauben ausgesagt?
Aufnehmen
Was sagt dieser Text mir persönlich?
Oder einfach: Was fällt mir auf, was fällt mir ein?
Gegensätze von damals und heute anschauen
Was steht im Text – wo stehe ich?
Übereinstimmungen suchen
Wo stimme ich zu? Wo geht es mir ganz ähnlich?
Reibungspunkte aufspüren
Was macht mir zu schaffen? Wo fühle ich mich in Frage gestellt?
Ideen, Assoziationen zulassen
Was sehe ich an Bildern, wenn ich die Augen schließe?
Bei diesem Satz denke ich an ... (z.B. Menschen, die ich anrufen, besuchen, für die ich beten kann)
Ein besonderer Zugang: Bilder erschließen
Z.B. Ps 36,10: »Du selbst bist die Quelle, die uns Leben schenkt. Deine Liebe ist die Sonne, von der wir leben.« – Was für Gefühle, Stimmungen, Erfahrungen wecken Quelle und Sonne in mir? Wo tun sie mir gut?
Die Ich-bin-Worte Jesu eignen sich besonders gut für das Meditieren und Erschließen der Bilder.



