Krankheit und Heilung in der Bibel

Wenn einen Menschen eine schwere Krankheit trifft, so stellt sich oft die Frage nach dem Warum. »Warum muss ich so leiden?« – »Warum lässt Gott das zu?«
Auch die Bibel kennt diese bohrenden Fragen, die leicht zweifeln lassen an Gottes Güte, zumal man in biblischen Zeiten den Krankheiten noch viel hilfloser gegenüberstand als heute. Man behandelte mit Kräutern, Pulver, Balsam und Salben, was bei äußerlichen Krankheiten einen gewissen Erfolg brachte. Inneren Erkrankungen und Seuchen dagegen war man beinahe machtlos ausgeliefert.
Als letzter Urheber von Krankheiten galt Gott, der Herr über Leben und Tod. Die Krankheit selbst konnte als Zeichen von Gottes Zorn und damit als Folge von Sünden gesehen werden – persönliche oder Sünden der Vorfahren. So verbreitete sich die Meinung, ein Kranker müsse ein Sünder sein.
Doch es gibt auch andere Stimmen. Das Buch Ijob/Hiob wendet sich gerade gegen die Vorstellung, einem Menschen widerfahre nur, was er durch seine Taten an Gutem oder Schlechtem verdient habe.
Ijob, die Hauptperson dieses Buches, das zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur zählt, wird unschuldig von großem Leid und schwerer Krankheit heimgesucht. In einer Rahmenerzählung (Ijob 1-2,10 + 42,10-17) wird Ijobs Krankheit als Prüfung geschildert, die Ijob besteht, indem er Gott trotz allem treu bleibt. In den anderen Kapiteln, der so genannten Ijobdichtung, dagegen reagiert Ijob mit Aufbegehren. Gegenüber seinen Freunden, die sein Leiden als Strafe für verborgene Sünden oder als Erziehungsmaßnahme deuten, beharrt er auf seiner Unschuld und wendet sich anklagend an Gott selbst, der ihm schließlich antwortet.
Allerdings gibt Gott nicht einfach Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Leidens. Gott weist Ijob auf die Wunder und Geheimnisse der Schöpfung hin, die von seiner überlegenen Weisheit zeugen und Menschen ermutigen können, Gott zu vertrauen, auch wenn er sie dunkle und unverständliche Wege führt. Gott und sein Handeln bleiben für Menschen unbegreiflich, weil menschliche Maßstäbe dafür nicht angemessen sind. Deshalb ist Ijob mit seinen Fragen und seinem Aufbegehren Gott näher als seine Freunde, die meinen, fertige Antworten zu haben. Vor dem heiligen Gott erkennt Ijob seine Begrenztheit als Geschöpf, erfährt aber auch, dass sich der Schöpfer ihm persönlich zuwendet und ihn mit all seinen Zweifeln und Klagen annimmt.
Nach dem Verständnis der Bibel kommt Heilung ausschließlich von Gott, selbst wenn er sich zusätzlich menschlicher Heilkunst bedient. Auch Jesus heilt in der Kraft Gottes und zeigt durch seine Taten, dass Gott das Leid des Menschen nicht will. Da der biblische Glaube die Wirklichkeit als Einheit sieht, ist Heilung zugleich Vergebung. Gebet und Glaube schaffen die Voraussetzungen zur Heilung. Für den Glaubenden ist jede Heilung zugleich ein Wunder, in dem sich die heilmächtige Kraft Gottes offenbart und das auf die letzte Vollendung vorausweist, in der es »keine Klage und keine Quälerei« mehr geben wird (Offenbarung 21,4).






