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Die Geburt Jesu

Die Geburt Jesu

Zwei der vier Evangelien berichten etwas über die Geburt Jesu: Matthäus und Lukas (jeweils in Kap. 1–2). Lukas hat in den ersten beiden Kapiteln seines Evangeliums die Geschichte von der Ankündigung der Geburt Jesu bis zum zwölfjährigen Jesus im Tempel kunstvoll mit der Vorgeschichte der Geburt Johannes des Täufers verwoben. Damit zeigt er, wie das Leben des letzten der Propheten in der Tradition des Alten Testaments – Johannes – von Gott auf das Kommen des Erlösers hingeordnet ist, mit dem dann eine neue Zeit des Heils beginnt. Die Erkennungszeichen dieses Heilbringers sind Windeln und Krippe, d.h. Armut und kindliche Hilflosigkeit – eine herbe Korrektur aller damaligen (wie heutigen) Heils- und Heilandserwartungen. Ihr entspricht es dann auch, wenn der Engel die Botschaft von der Geburt zuallererst den Hirten bringt, die zur Zeit Jesu von den religiös maßgeblichen Kreisen ähnlich verachtet waren wie die Zöllner.

Ganz im Gegensatz dazu sind es bei Matthäus sozial durchaus hochgestellte Persönlichkeiten (denen sogar ein Herodes Audienz gewährt), die den neugeborenen Jesus als Erste sehen und als ihren König begrüßen. Aber auch sie stehen für die Sehnsucht nach Heil und Erlösung. Die Sterndeuter aus dem Morgenland vertreten die Völker der Erde, und an ihnen zeigt sich beispielhaft, dass Jesus auch der Retter für die ist, die nicht zum Volk Israel gehören, für Ausländer und Nichtjuden.

Gemeinsam ist den beiden Darstellungen, dass sie durch verschiedene Einzelheiten deutlich machen, dass dieses Kind wirklich der verheißene Messias ist: Jesus wird in Betlehem geboren, der Heimatstadt Davids, aus dessen Nachkommenschaft der Messias stammen soll (1 Samuel 16,1; Micha 5,1). Der Stammbaum in Matthäus 1 führt von Abraham über David bis zu Jesus. Der Evangelist will damit von Anfang an deutlich machen, dass hier von dem die Rede ist, in dem sich die Verheißungen Gottes an sein Volk erfüllen. Deshalb betont Matthäus gerade in diesen Kapiteln immer wieder: »Dies alles geschah, damit in Erfüllung ging, was der Herr durch die Propheten angekündigt hatte.« (Matthäus 1,22; 2,15)

Lukas stellt die Geburt Jesu nicht nur in den heilsgeschichtlichen Zusammenhang des Volkes Israel, sondern zugleich auch in einen weltgeschichtlichen: Er nennt ausdrücklich den römischen Kaiser Augustus, durch dessen Aufruf zur Volkszählung Josef und Maria veranlasst werden, von ihrem Heimatort Nazaret nach Betlehem zu gehen. Aber auch hier vermittelt Lukas zugleich eine theologische Botschaft: den grundlegenden Unterschied zwischen dem mit römischer Macht und Autorität durchgesetzten Frieden im Reich (der Pax Romana) und dem durch das Kommen des Gottessohnes Jesus erschlossenen Frieden Gottes.

Ein genaues Datum für die Geburt Jesu lässt sich aus den Evangelienberichten allerdings nicht ermitteln. Wenn es stimmt, dass Jesus während der Herrschaft Herodes des Großen geboren wurde (Lukas 1,5; Matthäus 2,1.22), dann ist er spätestens 4 v.Chr. geboren, denn in diesem Jahr starb Herodes.

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