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Die zehn Gebote und das »Gesetz«

Die zehn Gebote und das »Gesetz«

Zehn Gebote

Sowohl für das Judentum als auch für das Christentum gehören die »Zehn Gebote« zu den zentralen Texten der Bibel und zu den Kernstücken des Glaubens. Auch der Islam hat sie übernommen und verkündet in der 17. Sure des Korans, eine Reihe zentraler Gebote, die stark an sie erinnern. 

Die Bibel bringt die Verkündigung der Zehn Gebote mit dem Bund in Zusammenhang, den Gott am Sinai mit seinem Volk schließt. In ihnen kommt in konzentrierter Form die damit verbundene Verpflichtung zum Ausdruck, das ganze Leben an Gottes Willen auszurichten. 

Die Tora als »Geländer des Lebens« 

Den Worten »Gesetz« oder »Gebot« haftet im Deutschen oft der Beigeschmack von Abgrenzung und Strafe an. Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Das war in Israel und seinen biblischen Gesetzestexten anders. Schon die andere Begrifflichkeit zeigt dies: Israel nennt das Gesetz »Tora«, das bedeutet Wegweisung. Die Tora ist für Israel und das Judentum ein großes Geschenk Gottes. Sie zeigt dem Einzelnen und dem Volk, auf welche Weise Leben gelingen kann. Sie setzt die Befreiung aus Ägypten fort und macht aus den Geretteten ein überlebensfähiges Volk. Darum steht über beiden biblischen Fassungen der Gebote (2 Mose/Exodus 20 und 5 Mose/Deuteronomium 5) der Satz: »Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit.« 

Bis heute feiern die Juden jedes Jahr ein Fest mit dem Namen »Simchat Tora« (Freude an der Weisung). Dabei werden bei fröhlichem Tanz und Gesang die Torarollen durch die Synagoge getragen, enthalten sie doch das Beste, was Gott seinem Volk gegeben hat! 

Brauchen Christen die Tora des Judentums?

Neben den Zehn Geboten gibt es in der hebräischen Bibel sehr viele Einzelanweisungen für das Volk Israel. Sie betreffen zum einen das Zusammenleben im Staat, zum anderen die Ausübung der Religion. 

Viele davon sind zeit- und kulturbedingt (z.B. Anweisungen für den Altarbau in 2 Mose/Exodus 20 oder die Regelung zur Sklavenhaltung in 2 Mose/Exodus 21) und haben sich überlebt. Andere wurden nach eingehender Diskussion vom Christentum abgelehnt (z.B. die Pflicht zur Beschneidung im so genannten Apostelkonzil, Apostelgeschichte 15). Regelungen der Strafgesetzgebung wurden durch staatliche Gesetze abgelöst (z.B. die Regelungen bei Diebstahl, Mord etc. in 2 Mose/Exodus 22). 

Viele für das Sozialverhalten wichtige Regeln (2 Mose/Exodus 22,20-26) können aber bis heute eine Herausforderung sein, über die Stimmigkeit unseres Handelns nachzudenken. Eine zusammenfassende Würdigung der Position Jesu zum jüdischen Gesetz finden Sie in Matthäus 5,17-48.

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