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Die Schöpfung

Die Schöpfung

Eine Hand hält einen Pflanzensprößling, der aus frischer Erde wächst

Die Welt ist eine Schöpfung Gottes. Dieses Bekenntnis steht am Anfang der Bibel. Entfaltet wird es in zwei Schöpfungserzählun­gen, die aus unterschiedlichen Epochen der Geschichte Israels stammen. Die eine, jüngere (1. Mose 1,1–2,4a) beginnt mit dem Abschnitt:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;
und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Und Gott sah, dass das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.
Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Die Schöpfungswerke sind eingeordnet in ein Schema von sieben Tagen. Das ganze Werk wird erst durch den Ruhetag abgeschlossen. Er verbürgt den sinn­vollen Rhythmus des Lebens, von Arbeit und Ruhe, von Werk- ­und Feiertag. Gott zeigt sich darin als einer, der fürsorglich um le­benswertes Leben bemüht ist. Israel wird später diesen letzten Tag der Woche als Sabbat feiern. 

In der formelhaften Sprache dieses Abschnitts kommt zum Ausdruck, wie Gott ordnet, anordnet und das Angeordnete an­schließend in Kraft setzt: Entstanden ist ein Lebensraum, der mit Pflanzen ausgestattet ist. Sie dienen den Tieren der verschiedenen Gattungen und den Menschen, Mann und Frau, zur Nahrung. Weil Streit um Nahrung ausfällt, gibt es hier eine gute Friedensordnung. Dem Menschen obliegt es, diese gute Ordnung zu bewahren. 

Die Schöpfungsgeschichte entstand in einer Epoche, in der über Israel Zeiten chaotischer Zerstörung und Entwurzelung hereingebrochen waren. Viele Menschen sahen sich fremden Naturgottheiten ausgeliefert. Weise, priesterliche Schriftsteller erinnerten in dieser Zeit daran, dass der Gott Israels die Welt selbst geordnet und sich damit als Herr der chaotischen Natur­mächte erwiesen hatte. 

Die zweite, ältere Schöpfungsgeschichte ist ganz anders an­gelegt (1. Mose 2,4b–3,24). Sie beginnt so: 

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 

Diese Erzählung geht von der bäuerlichen Erfahrung aus, dass fruchtbare Erde und Wasser die Elemente des Lebens sind. Sie reichen freilich nicht aus, den Menschen zu schaffen. Lebens­odem von Gott macht Adam erst zu einem lebenden Wesen. Ein Garten erst bietet die Fülle von Lebensmöglichkeiten. Hier soll der Mensch leben. Ein Garten bedeutet freilich immer auch Ar­beit. Ihn soll er bebauen. Alles, was im Garten wächst, soll ihm in Fülle zur Verfügung stehen. Die Tiere soll er benennen, ein herr­schaftlicher Akt, der eigentlich Gott selbst zustehen würde. Zwei Bäume freilich müssen als unberührbar gelten. Hier schon ist von Gebot und Tod die Rede. 

Überraschend einfühlsam ist Gott: Der Mensch könnte ein­sam sein – das ist nicht gut für den Menschen. Gott stellt ihm die Frau an die Seite. Sie ist Bein von seinem Bein und Fleisch von sei­nem Fleisch (1. Mose 2,23). Näher kann sie dem Mann nicht sein. 

Was die Geschichte weiter vorantreibt, ist nicht die Freigabe all des Guten aus dem Garten, sondern das Verbot: Die Schlange verändert listig Gottes Anordnung, Frau und Mann lassen sich hinreißen – Verbotenes lockt. Daraus wird die neue, die andere Ordnung: Die Schlange kriecht auf dem Bauch, die Frau wird dem Mann untergeordnet, mit Schmerzen muss sie gebären, mit Schmerzen muss der Mann den harten Boden bearbeiten. Im Garten können sie ferner nicht bleiben. Der dornenreiche, steini­ge Boden von Palästina/Israel ist der neue Lebensraum. 

Es ist das jeweilige Heute der Menschen, die alltägliche Le­benswirklichkeit. Die Geschichte erzählt, wie dieses mühsame, schmerzvolle Leben mit Über- und Unterordnung geworden ist. 

Den biblischen Schöpfungsgeschichten geht es also um mehr und anderes als die Enstehung der Welt. Mit der mythischen Dar­stellung sind sie durchaus ihrer Zeit verhaftet. Überraschend ist, dass beide Erzählungen auf ihre so unterschiedliche Weise vom Zusammenwirken des einfühlsamen, zugewandten Gottes mit dem Geschaffenen und den Geschöpfen untereinander berichten. Aus dieser Einsicht könnte ein neues Verständnis vom Umgang mit der Schöpfung und vom Verhältnis der Menschen unterein­ander entstehen – in der Welt der Dornen und Disteln. Der Tag der Sabbatruhe ist der dazugehörige Gedenktag.

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