Die Revisionen der Lutherbibel
In ihrer Fassung von 1545 war die Lutherbibel in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch. Mehr und mehr setzte sich dann allerdings bei den Kirchenleitungen die Erkenntnis durch, daß durch den zeitlichen Abstand das Verständnis von Luthers Text gefährdet war und die Lutherbibel ihren Charakter als »Volksbibel« zu verlieren drohte. Deshalb beschloß die Eisenacher Kirchenkonferenz (ein damaliger Zusammenschluß evangelischer Kirchen in Deutschland) 1863 auf Anregung der Bibelgesellschaften, eine Revision der Lutherübersetzung durchzuführen. Ziele dieser Revision waren:
- die Anpassung des Luthertextes an den aktuellen Sprachgebrauch (Ersetzung veralteter und nicht mehr verständlicher Wörter, Anpassung des Satzbaus, Einführung der modernen Orthographie);
- Korrektur einiger von Luther fehlerhaft übersetzter Stellen und von Druckfehlern in der Ausgabe von 1545;
- Festschreibung des Luthertextes in der neuen Form als einheitlicher Text des deutschen Protestantismus (um die Mitte des 19. Jahrhunderts kursierten ca. 11 verschieden bearbeitete Fassungen der Luther-Ausgabe letzter Hand von 1545).
In drei Hauptstufen arbeiteten mehrere Revisionskommissionen über 100 Jahre an diesen Aufgaben, bevor 1984 schließlich die revidierte Fassung der Lutherbibel vom Bund der evangelischen Kirchen in Deutschland, der EKD, verabschiedet werden konnte. Wichtige Zwischenergebnisse waren die Revisionsfassungen von 1892 und 1912, die aber auf Dauer keinen Bestand hatten, weil sie in vielen Punkten noch zu sehr am alten Luthertext hingen. Erst nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer stärkeren Orientierung an der Gegenwartssprache, die dazu führte, daß die Revisionsfassung des Neuen Testaments 1975 sogar als zu modern abgelehnt wurde.
Der seit 1984 gültige Revisionstext hält die Balance zwischen der Wahrung der typischen Luther-Diktion und dem Anspruch auf Verständlichkeit. Er ist in dieser Form der in der Evangelischen Kirche in Deutschland in Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge maßgebliche Text. 1999 wurde er an die seit jenem Jahr in Deutschland geltende neue Rechtschreibung angepaßt.
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