Die Textgrundlage für die Übersetzung des NT
Die meisten Handschriften besitzen wir für den griechischen Text des Neuen Testaments. Bekannt sind über 5000, von denen allerdings nur wenige das ganze Neue Testament enthalten. Sie sind heute so weit ausgewertet, dass man von einem weitgehend gesicherten ursprachlichen Text des Neuen Testaments sprechen kann.
Ein solcher Text wurde von einem internationalen und interkonfessionellen Komitee von Textforschern zwischen 1955 und 1975 erarbeitet und ist abgedruckt im »Novum Testamentum Graece« von Nestle und Aland, kurz: Nestle-Aland (27. Auflage 1993; bis zur 21. Auflage von 1952 Nestle), und im »Greek New Testament« der United Bible Societies (4. Auflage 1993).
Abweichende »Lesarten« verzeichnet der editorische Nachweis, der sog. »textkritische Apparat« am Fuß jeder Seite. Viele der heute in Gebrauch befindlichen deutschen Übersetzungen sind vor dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser beiden Textausgaben erarbeitet worden; auch ist kein Übersetzer in seinem Urteil an die Entscheidungen des Textkomitees gebunden. Bibelleser müssen deshalb damit rechnen, dass der Übersetzung, die sie benutzen, hie und da abweichende Lesarten zugrunde liegen, die von den Herausgebern der genannten wissenschaftlichen Textausgaben »verworfen« und in den Apparat verbannt worden sind.
Das Neue Testament wurde seit dem Ausgang des Altertums in einer Textform verbreitet und immer wieder abgeschrieben, die nach unseren heutigen Erkenntnissen an zahlreichen Stellen vom mutmaßlichen Originaltext abweicht. Erst im 19. und 20. Jahrhundert entdeckte man ältere Handschriften, die uns näher an den Originaltext heranführen. Viele Bibelleser und Kirchen (z.B. die orthodoxen) hängen aus Gewöhnung an der Textfassung, die durch jahrhundertelangen Gebrauch »sanktioniert« ist. In der Textforschung nennt man diese Textform den Textus receptus, d.h. den von den Kirchen seit alters allgemein anerkannten Text. Diese Textform enthält u.a. Versteile, Verse und gelegentlich Versgruppen, die in der ältesten Überlieferung nicht bezeugt sind, jedoch bei der Festlegung der Versziffern im 16. Jahrhundert mitgezählt wurden (z.B. Markus 15,28; Johannes 4,3b-4).
Wer sich über den Stand der neutestamentlichen Textforschung eingehender informieren will, sei verwiesen auf Kurt Aland und Barbara Aland: Der Text des Neuen Testaments, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2. Auflage 1989.






