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Jesu Geburtsort

© Thomas Max Müller/PIXELIO

Das Lukas-Evangelium und das Matthäus-Evangelium erwähnen beide die Geburt Jesu in Bethlehem, aber Lukas erklärt den Zusammenhang zwischen den Städten Nazareth und Bethlehem anders als Matthäus: Von ihrer Heimatstadt Nazareth aus kommen Josef und die bereits schwangere Maria zu einer Steuerschätzung nach Bethlehem, mit der Begründung, dass sie in die Abstammungslinie des David-Hauses gehören, die traditionell mit Bethlehem eng verbunden ist. Matthäus hingegen vermittelt den Eindruck, die Eltern Jesu seien bereits in Bethlehem wohnhaft, fliehen vor den Mordplänen des Königs Herodes nach Ägypten und lassen sich erst danach in Nazareth nieder.

Übereinstimmend ist die Angabe von Bethlehem als Geburtsort Jesu. Darin liegt ein besonderes Interesse, das beide Evangelisten aber unabhängig voneinander begründen: Für Lukas muss Jesus in Bethlehem geboren werden, weil Bethlehem die Davidsstadt ist (vgl. 1.Sam 16,4; 17,12.15; Ps 132,6 u.a.) und Jesus als Nachkomme Davids gilt, des ersten Großkönigs Israels. Für Matthäus ist Jesus zwar auch Nachkomme Davids, aber er lässt ihn in Bethlehem geboren sein, weil sich damit eine Verheißung der Heiligen Schrift erfüllt, wie er sie im Buch des Propheten Micha (5,1) findet und in Mt 2,6 (in etwas veränderter Form) ausdrücklich zitiert: Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

Allein dieses Zitat legt bereits die Vermutung nahe, dass die Herkunft Jesu aus Bethlehem bei Matthäus von daher abgeleitet ist. Wie der Stern als Zeichen des Messias, so ist auch die Stadt Bethlehem als dessen Geburtsort fest in der jüdischen Tradition verankert. Das Matthäusevangelium erzählt die Vorgeschichte Jesu insgesamt als Erfüllung prophetischer Verheißungen: in 1,22f. geht es um Jesaja 7,14; in 2,15 beruft er sich auf Hosea 11,1; in 2,17f. zitiert er Jeremia 31,15. Diese Tendenz hat ihr ausgesprochenes Ziel am Ende der Geburtsgeschichte, wenn in 2,23 ein unbekanntes Prophetenwort zur Sprache kommt, aufgrund dessen die Familie aus Ägypten nicht nach Bethlehem, sondern nach Nazareth zurückkehrt: Er soll Nazoräer heißen. »Nazoräer« versteht Matthäus also als Herkunftsbezeichnung Jesu: »der aus Nazareth«.

So bleibt die Frage, ob vielleicht Lukas »Recht« hat und der Geburtsort Bethlehem von ihm her zu sichern wäre. Seine Darstellung klingt zumindest »historischer«, indem er nicht ein Schriftzitat erfüllt sieht, sondern auf einen Census hinweist, eine Steuererhebung, die den Anlass gibt, dass Josef und seine Frau Maria in die Davidsstadt Bethlehem ziehen.

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