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Hirten oder Magier

© Thomas Max Müller/PIXELIO

Lukas lässt als Zeugen des Geburtsgeschehens Hirten auftreten, während Matthäus eine sagenhafte Geschichte von reichen heidnischen Magiern erzählt. Das griechische Wort magoi wird von Martin Luther mit »Weise« übersetzt, obwohl dies die Bedeutung nur in einem übertragenen Sinne wiedergibt. Magoi sind – in diesem Kontext zumal – Sternenkundige (Astronomen und Astrologen zugleich), die sich mit den Himmelserscheinungen und ihren Deutungen befassten. Solche Magoi hatten in der Antike großen Einfluss, zum Teil bis in die hohe Politik hinein. Und genau diese Funktion weist ihnen der Evangelist Matthäus in seiner Version der Geburtsgeschichte zu, wenn sie sich – wie Botschafter – an den König wenden, um von ihm über den Thronfolger Auskunft zu erhalten.

Die Unterschiede zwischen Matthäus und Lukas lassen sich nicht harmonisieren, obwohl künstlerische Darstellungen dies immer wieder tun, indem alle Beteiligten sich im Stall einfinden. Lukas legt die Betonung deutlich auf die sozial schwachen Gruppen der Gesellschaft. Wie ein roter Faden zieht sich das Gegenüber von Armen und Reichen durch das ganze Evangelium: Die Armen werden von Gott erhöht, die Mächtigen erniedrigt (Lk 1,52f.), die Armen sind diejenigen, denen das Wohlgefallen Gottes gilt (Lk 2,14). In der so genannten Feldrede, dem lukanischen Pendant zur Bergpredigt des Matthäus, werden die Armen selig gepriesen und die Reichen angegriffen (Lk 6,20–23). So kommt in der Darstellung des Lukas die frohe Botschaft vom neugeborenen Retter durch arme, unterprivilegierte Hirten zu den Menschen und erinnert daran, dass auch der Ahnherr Jesu, David, ein Hirte war, bevor er König wurde (1.Sam 16,19).

Ganz anders Matthäus: Er lässt reiche Herren auftreten. Sie kommen einem Stern folgend aus dem Osten, aus jenem Land Babylonien, das für seine fortschrittliche Astronomie bekannt ist. Sie haben eine Himmelserscheinung gesehen, die sie als Hinweis auf einen neuen König in Israel deuten, und nun kommen sie, um dem neugeborenen König ihre Reverenz zu erweisen. Für Matthäus steht also das Königtum Jesu im Vordergrund. Darauf weist der Stern als königliches Symbol der Geburt hin und dem sind auch die Geschenke der Magier – Gold,Weihrauch,Myrrhe – angemessen, allesamt Luxusartikel jener Zeit.Vor diesem Königtum Jesu fürchtet sich der König Herodes und daraus resultieren schließlich seine Mordpläne.

Spätere Autoren, wie der christliche Gelehrte Tertullian (160–225 n.Chr.), gestalten die Szene weiter aus: Den reichen Geschenken und dem »Königskind« angemessen, werden aus den Magiern zunächst einmal Könige (vgl. Jes 60,1–6: Die Könige … kommen aus Saba …; Gold und Weihrauch bringen sie; vgl. Ps 72,10f.: Die Könige von Tarsis … sollen Geschenke bringen, die Könige aus Saba und Seba sollen Gaben senden. Alle Könige sollen vor ihm [dem König Israels] niederfallen; vgl. auch 1.Kön 10,1f.: Die Königin von Saba bringt dem König Salomo Geschenke). Abgeleitet aus der Zahl der Geschenke weiß man schließlich, dass es drei waren (so bei Origenes), und im frühen Mittelalter kennt man sogar ihre Namen: Kaspar, Melchior und Balthasar.

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